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Durch neue Akademie: Tragödie um Reiner Hartmann wird wieder gegenwärtig

Von Vor knapp 15 Jahren erschoss sich der ehemalige deutsche Schwergewichts-Meister Reiner Hartmann aus Frankfurt. Sein Bruder Stefan ist dem Boxen weiter eng verbunden.
Muhammad Ali (von rechts) im Jahr 1982 im Gespräch mit Reiner Hartmann und unserem Mitarbeiter Hartmut Scherzer. Muhammad Ali (von rechts) im Jahr 1982 im Gespräch mit Reiner Hartmann und unserem Mitarbeiter Hartmut Scherzer.
Frankfurt. 

Kürzlich wurde in Bruchköbel eine Boxschule eröffnet. Zur Einweihung gab es Saft und Sekt, Kanapees, Kaffee und Kuchen. Das moderne Trainingszentrum unter dem Dach einer Logistikhalle trägt den anmaßend klingenden Namen „Bruchköbeler Box Akademie“ (B.B.A.). Akademisch ist – immerhin – mitunter die Kundschaft. Denn ähnlich wie in den klinischen Frankfurter Box-Studios „Challenge Club“, „Die Hölle“ oder „CSC“ hat sich auch die „B.B.A.“ nicht die Rettung des siechenden Boxsports auf die Fahne geschrieben. Mief und Muff der Profi-Gyms sind Vergangenheit.

Hobby-, Manager-, Frauen- und Kinder-Boxen sind das Geschäftsmodell. Körper und Geist durch Box-Übungen stärken, lautet die lockende Botschaft. Der Bruchköbeler „Botschafter“ heißt Stefan Hartmann. Hartmann? Es ist dieser Name aus der alten Frankfurter Boxszene, der eine tragische Familiensaga auf einmal wieder gegenwärtig werden lässt. Reiner Hartmann, Stefans acht Jahre älterer Bruder, deutscher Schwergewichtsmeister bei den Amateuren 1979 und bei den Profis von 1983 bis 1985, erschoss sich vor knapp 15 Jahren in Florida, am 7. April 2003, wenige Stunden vor seinem 45. Geburtstag.

Stefan Hartmann (l.) und Haris Pabst im Winter-Camp in Schwarzenberg. Bild-Zoom
Stefan Hartmann (l.) und Haris Pabst im Winter-Camp in Schwarzenberg.

Die neue Lebensgefährtin Tracy hatte Reiner kurz zuvor vor die Tür gesetzt. Die Tür zurück zur geschiedenen Ehefrau Jacqueline und den beiden Töchtern Tiffany, 18, und Amber, 15, blieb verschlossen.

Bei Reiner hatte nicht funktioniert, was auf dem Logo der B.B.A. steht: „BOXEN FIT DURCHS LEBEN“. Dieses Motto hat sich Stefan Hartmann, zusammen mit seiner Frau Sabrina erfolgreicher Unternehmer in der Logistikbranche, vergangenes Jahr selbst verordnet. „Mit dem Boxen geht mein Herz wieder auf, gibt mir Kraft und Mut“, sagte der 52-Jährige bei der Eröffnung. Denn der Selbstmord des geliebten Bruders sollte nicht der einzige tödliche Schicksalsschlag bleiben. Nach der Tragödie wurden die Eltern Pflegefälle für Stefan und den ältesten (Halb-)Bruder Jürgen. Die Mutter, Hilde, starb mit 72 Jahren an Lungenkrebs, der Vater, Lothar, mit 74 an Demenz. Auch Reiners Töchter, Stefans Nichten, leben nicht mehr. Tiffany, die als Teenager bei einem Verkehrsunfall ein Bein verloren hatte, nahm sich mit 23 Jahren durch Erhängen das Leben. Die jüngere Amber starb mit 21 an einer Überdosis Kokain. Beide hinterließen kleine Kinder, einen Jungen und ein Mädchen, die bei der leidgeprüften Großmutter „Jackie“ Hartmann in Miami Lakes heranwachsen.

Wie sein Vater, mehrfacher Frankfurter Bezirksmeister, und sein Bruder lernte auch Stefan Hartmann bei der Eintracht Boxen. Nach sieben Siegen, davon sechs durch K.o., trifft ihn selbst der K.o.-Schlag eines Engländers beim Duell Hessen gegen London. Schluss!

Nächster Champion?

Statt weiterhin dem großen Bruder nachzueifern, konzentriert sich Stefan fortan voll und ganz auf eine berufliche Existenz. Der Erfolg steht in Bruchköbel: die Firma „Logistik S. Hartmann Küchen und Möbelmontage“.

Tochter Selina hat derweil eine Schwergewichtshoffnung ins Haus gebracht: Haris Pabst aus Hanau, 1,98 Meter groß, 96 Kilo schwer, 16 Jahre jung. Stefan Hartmann, der eine Trainerlizenz besitzt, ist Feuer und Flamme, bringt dem Freund der Tochter Boxen bei, trainiert ihn im 1000 Meter hoch gelegenen Winter-Camp Schwarzenberg am Böhmerwald für das Debüt bei den hessischen Meisterschaften am 17. Februar in Wölfersheim.

Vor Weihnachten hat „Jackie“ ein Foto von einem Knirps mit grünen Boxhandschuhen aus einem Gym in Miami Beach gepostet. „Next World Boxing Champ! Xavian Hartmann.“

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