Der Turm auf der Lahnbrücke: Hier darf nicht jeder rein!

Die Klasse 4 der Grundschule Hausen erkundet die Geheimnisse des Limburger Brückenturms.
Limburg.  Täglich fahren Hunderte von Autos durch den Limburger Brückenturm. Doch kaum jemand weiß, welche Bedeutung das steinerne Gesicht im Inneren des Torbogens hat. Der Neidkopf (auch Schwedenfratze genannt) wird in der Limburger Volkssage als ein Zöllner interpretiert, der wegen unrechtmäßig erhobener Zölle von einem Reisenden verflucht und deshalb versteinert wurde. Von der Kapelle, die im Mittelalter an den Brückenturm grenzte, ist nur die Madonna mit Kind übrig. Die Limburger Bürger hatten sie 1490 gestiftet, als die Pest in der Stadt wütete. Der Sage nach ist danach niemand mehr an der Pest erkrankt.

Die Geschichte

Markus Saal ist der Denkmalpfleger der Stadt Limburg. Die Viertklässler aus Hausen hatten sich mit ihm vor dem Brückenturm verabredet. Erstaunt erfuhren die Kinder von Markus Saal, dass im Mittelalter nicht jeder in die Stadt konnte. Der Brückenturm war einer der wenigen Wege, die in die Stadt führten, weil die Stadt von einer Mauer umgeben war. Alle, die in die Stadt wollten, mussten Geld bezahlen. Es gab eine Preisliste für Menschen, Fuhrwerke und Tiere.

Die Brücke wurde mit zwei Brückentürmen von 1315 bis 1345 zum Schutz der Stadt errichtet. Sehr viele Menschen haben die Steine dafür aus dem benachbarten Dietkirchen herangeschleppt und verarbeitet. Zunächst dienten die Türme nur der Verteidigung der Stadt. Die drei Obergeschosse des erhaltenen Brückenturms wurden 1543 umgebaut.

Von 1660 bis 1704 wurden die Türme als Getreidespeicher genutzt, denn es gab viele Mühlen an der Lahn. Bis 1816 wurde der Brückenturm an die Freiherren von Hohenfeld vermietet. Im Jahr 1818 sollten beide Brückentürme abgerissen werden. Doch weil der Limburger Magistrat Angst um die Stabilität der Brücke hatte, wurde ein Turm gerettet. In ganz Deutschland gibt es nur noch neun alte Brückentürme. Der Limburger Brückenturm aber ist etwas ganz besonderes, weil er im unterem Bereich im Original erhalten ist.

Brückenturm innen

Wenn man den Brückenturm betritt, schlägt einem muffige Luft entgegen. Im spärlichen Licht steigt man durch ein enges Treppenhaus die ausgetretenen, schiefen Stufen hinauf. Unwillkürlich stellt man sich die Frage, wie viele Menschen in den letzten 600 Jahren diese Treppe hoch und runter gelaufen sind. Dicke Spinnweben hängen überall an den Wänden.

Im ersten Stockwerk sind die ehemaligen Gefängniszellen. Sie wurden 1835 eingerichtet, weil ein Gefängnis benötigt wurde, und bis 1899 benutzt. Es gibt nichts außer einer harten Pritsche in den kalten, schmutzigen Zellen. Drei von diesen Gefängniszellen findet man in der ersten Etage.

Markus Saal führte die Kinder nun ins zweite Stockwerk, wo bis vor zehn Jahren eine Familie Schmidt wohnte. Der Name steht noch auf der Klingel neben der dunkelbraunen Wohnungstür. Die alten Gardinen hängen noch an den Fenstern, auf dem Boden liegen viele Sachen, zum Beispiel Puzzelteile, Schnürsenkel, alte Münzen und sehr viel Dreck. Die Räume haben hohe Decken und sind lichtdurchflutet. Dennoch, wer im Brückenturm eine herrschaftliche Wohnung erwartet, wird enttäuscht sein, nur eine einfache verlassene Wohnung vorzufinden. Die Wohnung erstreckt sich über das zweite und das dritte Stockwerk und hat insgesamt neun Zimmer. Erstaunlich ist, dass man im Brückenturm nichts vom Autoverkehr hört. Das liegt an den dicken Steinmauern. Die Aussicht auf die Lahn, den Dom und die Altstadt ist gigantisch. Allein schon diese Aussicht macht den Limburger Brückenturm absolut einzigartig. Zu guter Letzt steigt man die Stufen zum Dachboden hinauf.

Die Zukunft

Seit einigen Jahren stellt sich die Frage, was aus dem Limburger Brückenturm werden soll. Der ehemalige Landrat wollte gerne in den Turm einziehen. Das wurde aber von der Stadt abgelehnt, weil der Turm als historisches Bauwerk zukünftig für Besucher offen sein soll. Seit zwei Jahren ist nun der Brückenturm Eigentum der Stadt Limburg. Wenn viele Details geklärt sind, wird in den Brückenturm höchstwahrscheinlich ein Café kommen. Jedoch gehört der Brückenturm dann weiterhin der Stadt Limburg, weil er nur verpachtet wird. Dann wird der Brückenturm für jeden zugänglich sein.

Autoren: Annalena Botta, Jonas Dudda, Robin Form, Leah Haase, Max Kabelski, Melanie Kampa, Marco Keul, Sarah Denise Lang, Luca Mühl, Marie Rohletter, Nicole Rozenfeld, Sirin Sayin, Alina Schmidt, Leon Simon, Sarah Simon, Alicia Triesch. Klassenlehrerin: Uta Weimer

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