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Interview: Basketball-Trainer Klaus Perwas: „Teamgeist ist, wenn du deine Ziele hinten anstellst“

Klaus Perwas weiß, weshalb ein intakter Teamgeist wichtig ist. Als Co-Trainer gewann er mit den Basketballern der Frankfurt Skyliners den Europapokal, weil alles passte. „Die Jungs waren eine geschlossene Gruppe“, sagt der 46-Jährige im Interview mit unserem PJZ-Autor Luca Monzheimer.

Was bedeutet Teamgeist für Sie ?

KLAUS PERWAS: Teamgeist ist, wenn du deine eigenen Ziele, Ansprüche, Wünsche und Vorstellungen hinten anstellst und das Team in den Vordergrund rückst. Du musst bereit sein, auch mal persönlich zurückzustecken und dich trotzdem voll mit deinen Fähigkeiten ins Team einbringen. Die drei Musketiere haben es schon gesagt: „Einer für alle, alle für einen!“ Teamgeist ist nicht selbstlos, man muss immer sein Bestes geben und darf sich nicht im oder hinter dem Team verstecken. Jeder muss seine Rolle im Team akzeptieren, einnehmen und voll ausfüllen.

Hat sich etwas an der Bedeutung des Teamgeists geändert ? Wie war das, als Sie noch aktiv waren?

PERWAS: Früher waren Spieler länger bei einem Verein, heute wechseln sie häufiger mal den Club. Geld spielt eine immer größere Rolle. Das Umfeld im Basketball hat sich verändert, die Rahmenbedingungen sind heute einfach andere. Es wird also schwieriger, einen guten Teamgeist zu etablieren, auch wenn sich an der Wichtigkeit nichts verändert hat.

Teamgeist ist für ihn ein wichtiger Erfolgsfaktor: Klaus Perwas, Co-Trainer der Frankfurt Skyliners. Bild-Zoom Foto: Pressehaus (bild pressehaus)
Teamgeist ist für ihn ein wichtiger Erfolgsfaktor: Klaus Perwas, Co-Trainer der Frankfurt Skyliners.

Gab es Jahre bei den Skyliners, in denen Teamgeist besonders ausschlaggebend war – in positiver oder negativer Hinsicht?

PERWAS: Natürlich gab es solche Jahre. Nehmen wir als Beispiel mal das Team, mit dem wir den FIBA Europe Cup 2016 gewonnen haben. Die Jungs waren eine mannschaftlich geschlossene Gruppe. Nach dem Abendessen blieben sie immer noch eine ganze Zeit beisammen und haben über Gott und die Welt gesprochen. Daran erkennt man, dass der Teamgeist gut war. Auf dem Feld muss man als Team funktionieren – ein gutes, freundschaftliches Verhältnis zwischen den Spielern fördert das noch mal.

Wie wichtig ist der Teamgeist als Grundlage dafür, dass das Zusammenspiel perfekt funktioniert?

PERWAS: Wenn ein egoistischer Spieler glaubt, immer 20 Punkte erzielen zu müssen, dann verliert er die eigentlichen Ziele des Teams schnell aus den Augen. Das hilft dem Teamgeist sicher nicht. Das ist auch ein Punkt, an dem wir Coaches gefragt sind. Wir müssen das Team so zusammenstellen, dass es funktioniert. Die perfekte Kombination ist, wenn man Spieler mit gutem Teamgeist und hohem Basketball- Sachverstand hat.

Inwiefern beeinträchtigt die Nationalität der Spieler den Teamgeist?

PERWAS: Nationalität kann ein Faktor sein, muss es aber nicht. Es ist vielmehr eine Charakterfrage, denn eine Frage der Nationalität.

Hilft Teamgeist, Konflikte in der Mannschaft zu lösen?

PERWAS: Mit einem guten Teamgeist kommt es meistens gar nicht zu vielen Konflikten. Dennoch braucht man auch eine gewisse Streitkultur im Team. Es ist ähnlich, wie ich oben bereits erwähnt habe: Jeder Einzelne muss sich dem Team unterordnen, das Team an erste Stelle rücken und seine Rolle ausfüllen. Teamgeist ist da ein wichtiger Faktor, aber auch die Führungsqualitäten der Trainer sind gefragt. Es ist wie in einer Familie: Klar streitet man sich mal, aber man hat doch immer eine gemeinsame Basis. Wenn diese Basis fehlt oder brüchig ist, kann es Probleme geben. Teamgeist gibt der Mannschaft diese Basis, auf die man vertrauen und die man auch mal belasten kann, ohne dass es zu Einbrüchen kommt.

Und was tun Sie, wenn der Teamgeist nicht funktioniert?

PERWAS: Da kann man verschiedene Maßnahmen ergreifen. Wir machen zum Beispiel vor oder während einer Saison immer wieder mal Teambuildings. Dann gehen wir zusammen klettern, wandern durch eiskalte Flüsse oder rudern in einem Gummiboot Wildwasserflüsse hinunter. Das stärkt den internen Zusammenhalt. Im Härtefall, wenn ein Spieler sich überhaupt nicht in das Team einbringen will, muss man auch mal Spieler austauschen. Frisches Blut kann hier belebend auf den Teamgeist wirken. Das Team muss im Vordergrund aller Beteiligten stehen, niemals der Einzelne.

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