E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Usingen 18°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Wissenschaftler in Hessen: Das Forschungsjahr 2016: Von Pottwal-Puzzle bis Mini-Motor

Hessens Wissenschaftler stellten sich 2016 einmal mehr kniffligen Fragen, entdeckten neue Tierarten und begannen mit einer Fleißarbeit, die erst in Jahrzehnten enden wird.
Präparator lotst ein Kieferstück eines Pottwals in einen Container. Foto: F.Rumpenhorst/Archiv Präparator lotst ein Kieferstück eines Pottwals in einen Container. Foto: F.Rumpenhorst/Archiv
Frankfurt/Main. 

Auf der Suche nach neuem Wissen haben es hessische Forscher 2016 mit einem tonnenschweren Wal zu tun bekommen, mit winzigen Kraftpaketen oder auch verliebten Fröschen. Eine Auswahl der Themen und Projekte quer durch Hessens Forschungslandschaft:

Ein vor Helgoland gestrandeter Pottwal erreichte im Januar die Uni GIESSEN, wo der riesige Kadaver präpariert und später ausgestellt werden soll. Eine Mammutaufgabe, die zudem zum Himmel stinkt. Denn das Skelett rottet zunächst in einem Wasserbad vor sich hin, dann in einer Enzymbrühe. Erst wenn kein Gewebe mehr an den Knochen haftet und diese entfettet sind, können sie zusammengesetzt werden. Andere Gießener Forscher entschlüsselten im Team mit internationalen Kollegen den genetischen Code der Mittelmeerfruchtfliege, um so den Schädling besser bekämpfen zu können.

Nach mehr als 200 Jahren haben Forscher der Uni KASSEL nach eigenen Angaben das Rätsel gelöst, wer den Brüdern Grimm das Märchen «Aschenputtel» erzählt hat: eine alte Frau aus Marburg namens Elisabeth Schellenberg. Außerdem tüftelten Kasseler Physiker zusammen mit Mainzer Kollegen an einer neuartigen Wärmekraftmaschine, die mit nur einem einzigen Atom funktioniert.

Physiker der Goethe-Universität in FRANKFURT entwickelten mit Bielefelder Kollegen eine Methode, biologische Zellen mit einem Laserstahl festzuhalten. «Mit diesem Verfahren - im Science Fiction als «Traktorstrahl» bekannt - haben sie hochauflösende Aufnahmen der DNA in einzelnen Bakterien erhalten», teilte die Hochschule dazu mit. Außerdem wurde im Bodensee ein innovatives Meeres-Pumpspeicher-System getestet, das unter anderem auf die Erfindung eines Frankfurter Forschers zurückgeht.

Wissenschaftler der Frankfurter Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung fanden gemeinsam mit Kollegen heraus, dass es entgegen früherer Annahmen mehr als eine Giraffenart gibt. Die Forscher nahmen das Erbgut von knapp 200 Giraffen aus ganz Afrika unter die Lupe und kamen zu dem Schluss, dass es vier Arten gibt, die sich genetisch deutlich voneinander abgrenzen. Bisher war man lediglich von mehreren Unterarten ausgegangen. Senckenberg-Forscher berichteten auch von bestimmten Pfeiffröschen, die in ihr Liebeswerben viel Energie stecken: Bis zu 50 000 Mal rufen die Männchen der Art Leptodactylus mystacinus jede Nacht.

An der Technischen Universität in DARMSTADT deckten Informatiker Sicherheitslücken bei sogenannten Fitness-Trackern auf, die zum Beispiel beim Abnehmen helfen sollen und Schritte zählen. Unter die Lupe nahmen die Forscher 17 Geräte. «In allen Fällen gelang es ihnen, die sensiblen, von den Geräten aufgezeichneten Fitness-Daten zu manipulieren. Schutzmaßnahmen bauen die Hersteller praktisch nicht ein», berichtete die Uni. In anderen Forschungsvorhaben ging es um die Entstehung von Elementen sowie um neue Therapien gegen Krebs.

Die Hochschule FULDA startete 2016 ein Forschungsprojekt zur Elektromobilität. Dabei untersuchen die Wissenschaftler den Einsatz von Elektro-Lastwagen im Lieferverkehr. Erforscht werden soll, unter welchen Bedingungen der Einsatz dieser Fahrzeuge mit einem Gesamtgewicht von bis zu 18 Tonnen für Speditionen wirtschaftlich ist. Transportunternehmen würden vor allem dann einen Beitrag zu weniger Luftverschmutzung leisten, wenn sich der Einsatz von E-Lkw im Vergleich zu konventionellen Fahrzeugen finanziell rentiere.

Ein Forscher und seine Studenten von der Uni MARBURG berichteten in diesem Jahr über ihre überraschende Entdeckung im Frankfurter Senckenbergmuseum: Mehrere dort seit den 1920er Jahren konservierte Geckos gehören einer bislang unbekannten Art an. Um zu klären, dass es sich wirklich um eine neue Art handelt, wälzten die Marburger die Literatur und nutzten Materialien weiterer Museen - und gingen nach eigenen Angaben «indianajonesmäßig» vor.

Ein Langzeitprojekt wird die Mitarbeiter des Marburger «Instituts für Deutsche Philologie des Mittelalters» auch noch die kommenden Jahre beschäftigen: Das gesamte deutschsprachige Erbe an Handschriften des Mittelalters soll in einer frei zugänglichen Datenbank erfasst werden. Das Vorhaben ist auf 20 Jahre angelegt.

Zur Startseite Mehr aus Rhein-Main & Hessen

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen