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Sturmmtief "Friederike": Chaos im Frankfurter Fernreiseverkehr

Der Wintersturm "Friederike" hinterließ in Hessen schwere Schäden - am Freitag wurde eine erste Bilanz gezogen. Und manche Reisende blieben unfreiwillig etwas länger in Frankfurt als ursprünglich geplant.
190118Bahn_3 Foto: Heike Lyding Auch gestern standen die Reisenden Schlange vor dem Informationsschalter der Deutschen Bahn am Frankfurter Hauptbahnhof.
Frankfurt. 

Einen Tag nach Sturm „Friederike“ standen die Menschen in vielen Bahnhöfen am Freitagmorgen noch vor den Informationsständen Schlange. Unter denen, die vor dem Service-Point des Frankfurter Hauptbahnhofs warteten, war Sarah Klostermair. Die Bloggerin wollte am Donnerstag von München nach Aachen und strandete in Frankfurt. Nach einer Nacht in einem Hostel am Bahnhof ging ihre Reise erst um 10.27 Uhr weiter. Meditieren habe geholfen, sagt sie. „Und besser im Hostel übernachten, als vom Baum erschlagen zu werden.“

Auch Klaus-Ulrich Meinke war einer jener Reisenden, die „Friederike“ zu einer ungeplanten Übernachtung zwang. Der Steuerberater wollte um 11 Uhr den ersten Zug zurück nach Berlin nehmen. „Der wird recht voll, also muss ich jetzt schnell sein.“

Bilderstrecke Sturmtief Friederike richtet schwere Schäden im Taunus an
Das Sturmtief Friederike wütet im Taunus und richtete an einigen Orten schwere Schäden an. Hier zu sehen sind Bäume, die auf Autos in Schmitten fielen. Es folgen weitere Bilder der Sturmauswirkungen.In Königstein stürzten ein Bäume auf Häuser.

Viele Bahn-Mitarbeiter waren freiwillig an den Service-Point gekommen, um den Reisenden zu helfen, eine Verbindung zu finden. „Es wird alles mobilisiert, was geht“, sagt Helfer Marko Kelsch von der DB Regio. Am späten Vormittag wurden die Schlangen kürzer, auch deutschlandweit fuhren die Züge im Nah- und Fernverkehr wieder weitgehend fahrplanmäßig. Am Frankfurter Flughafen normalisierte sich die Lage schnell.

Äste auf Fahrbahnen

Auch Autofahrer waren betroffen. Hessen Mobil brauchte den gesamten Nachmittag, um Hessens Fahrbahnen von Bäumen, Ästen und Schmutz zu befreien, So war die A 7 von Niedersachsen nach Hessen wegen umgestürzter Bäume in Richtung Kassel voll gesperrt. Neben der Autobahn waren auch unzählige Landstraßen vom Lahn-Dill-Kreis bis in den Wetterau- und Vogelsbergkreis betroffen. Teilweise mussten auch diese Straßen gesperrt werden. Erschwerend kam hinzu, dass in den besonders betroffenen Regionen auch Winterdiensteinsätze erforderlich waren.

Am Freitag wurde die erste Bilanz des Orkans gezogen, der am Donnerstag mit bis zu 130 Kilometern pro Stunde über das Land gefegt war: Insgesamt rückte die Feuerwehr 1667 Mal aus. Vor allem Nord- und Mittelhessen war betroffen. Dort gab es auch zwei Verletzte: In Stadtallendorf verletzte einen umstürzender Baum ein 13 Jahre altes Mädchen schwer. In Marburg traf ein Dachziegel eine 65-Jährige. In Frankfurt wurde eine Person von einem umherfliegenden Bauzaun verletzt. In Mittelhessen gingen nachmittags buchstäblich für einige Stunden die Lichter aus. Ein Baum war auf eine Stromleitung gestürzt.

Im Wald droht Gefahr

Als „Friederike“ über den Vogelsberg hinwegfegte, stürzte in Kirtorf ein 150 Meter hoher Kran um und beschädigte dabei ein Windrad. Die Polizei schätzt den Schaden auf mehr als eine Million Euro. In Weilburg stürzte ein Baum auf einen Schulbus, der Kinder vor dem Sturm in Sicherheit bringen sollte. Die Fahrerin und zwei Schüler kamen mit dem Schrecken davon.

Ab dem Taunus wehte der Orkan deutlich schwächer. „Wir wurden noch verschont“, sagt Stefan Sauer, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Katastrophenschutz im Hochtaunuskreis. Trotzdem gab es auch hier hohe Schäden. Bei den 77 Einsätzen, zu denen die Freiwilligen Feuerwehren im Kreis ausrückten, seien 76 Mal umstürzende Bäume der Grund gewesen. Einmal sei Wasser in einen Keller gelaufen.

Und auch jetzt noch könnte es mancherorts gefährlich sein: Der hessische Waldbesitzerverband rät in den nächsten Tagen von Besuchen im Wald ab. „Abgebrochene Äste hängen noch in den Baumkronen und können jederzeit herabstürzen.“ Sturmböen hätten die Bäume immer wieder hin- und hergeschaukelt, erklärte der Geschäftsführer des Verbandes, Christian Raupach. Dabei rissen Wurzeln ab, manche Bäume blieben trotzdem noch stehen. Sie könnten noch Tage nach dem Sturm umfallen und zur tödlichen Gefahr werden. Der in einigen Teilen Hessens gefallene nasse Schnee erhöhe diese Gefahr zusätzlich.

Immerhin eine gute Nachricht gibt es: Für die nächsten sieben Tage ist sich der Deutsche Wetterdienst ziemlich sicher, dass es keinen Orkan oder Sturm geben wird.

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