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Prellball: Auf der roten Liste

Zwei Jahre lang haben die Prellballer des TSV Ober-Erlenbach kein Pflichtspiel bestritten – und auf Anhieb den Titel in Berlin gewonnen. Über einen Sport, der zunächst „Ausgleich“ sein sollte.
Ober-Erlenbach. 

Wissen Sie, welcher Sport sich hinter dem Begriff Prellball verbirgt? Bevor Sie vorschnell mit „Ja“ antworten, gehen Sie lieber noch mal in sich. „In der Regel glauben Leute, dass sie das Spiel kennen“, sagt Albrecht Amrein, „aber wenn ich dann die Regeln erkläre, merken sie, dass sie an Brennball gedacht haben“.

Die Verwechslung sei aber nicht verwunderlich, erläutert der Prellball-Routinier des TSV Ober-Erlenbach, schließlich haben beide Sportarten den gleichen Ursprung. „Prellball wie auch Brennball, Faustball, Ringtennis oder Völkerball wurden von Turnern entwickelt und dienten einst zum Ausgleich nach der Turnstunde“, erklärt Amrein. So konnten die Turner ihre Übungseinheiten spielerisch ausklingen lassen, statt monoton Runden durch die Halle oder auf dem Sportplatz zu drehen.

Das Veto der Mama

Über die Turnstunde fand auch Albrecht Amrein zum Prellball. Fast 50 Jahre ist das mittlerweile her. „Ich wollte damals einem Sportverein beitreten, und es gab nur die Fußballer von der SG und die Turner vom TSV“, erinnert er sich. In Sachen Fußball legte aber seine Mutter gleich ein Veto ein. So blieb ihm nur der Gang zu den Turnern – obwohl ihm dieser Sport gar nicht lag.

„Der Umschwung am Reck wollte mir einfach nicht gelingen“, scherzt er heute, „und ich hätte fast ganz mit dem Sport aufgehört.“ Zum Glück wurde er dann aber von einem Vereinsmitglied auf die Prellballer aufmerksam gemacht. Zusammen mit seinem Jugendfreund und inzwischen „ewigem“ Spielpartner Winfried Zimmermann schaute Albrecht Amrein beim Training vorbei und blieb dem Prellball seitdem treu.

Das Spiel kann im Einzel, Doppel oder Vierer-Teams absolviert werden (siehe Extra-Text). Wie es ausschaut, wenn zwei komplette Spieler auf dem Feld stehen, sieht man am Beispiel Amrein/Zimmermann sehr gut. Das Duo ist seit Jahrzehnten eingespielt und setzte sich gerade beim Deutschen Turnfest in Berlin die Prellball-Krone auf. In der Altersklasse Ü 60 blieb die Mannschaft des TSV Ober-Erlenbach, die durch Jürgen Röder komplettiert wurde, ungeschlagen. „Dabei hatten wir in den letzten zwei Jahren kein Punktspiel mehr bestritten“, erzählt Amrein.

Eine Schulterverletzung Winfried Zimmermanns verhinderte weitere Wettbewerbe. Ersatzspieler sind nicht so leicht zu finden. Aktuell trainiert man mit sechs Mann, doch nicht jeder hat immer Zeit.

„Tendenziell sind die Spielerzahlen beim Prellball über die Jahre leider rückläufig“, sagt Amrein. Die Sportart fristet unter dem Dach des Deutschen Turnerbundes mit etwa 500 Aktiven in rund 40 Vereinen ein Nischendasein. Gäbe es eine „rote Liste“ für Sportarten, stünde sie wahrscheinlich drauf: vom Aussterben bedroht.

Leicht zu erlernen

Früher hatte der TSV sogar eine kleine Jugendabteilung, doch nach und nach habe der Fußball als Sportart Nummer eins bei den Jugendlichen den Prellball verdrängt. Das finden die Turnfest-Meister aus Ober-Erlenbach schade, denn der Sport mache nach wie vor großen Spaß, sei leicht zu erlernen und biete trotzdem viele Feinheiten, in denen sich ehrgeizige Wettkämpfer immer weiter verbessern können.

Wer Lust habe, könne gerne reinschnuppern, sagt Albrecht Amrein. Informationen über die Trainingszeiten bekommt man über die E-Mail Adresse tsvoe@gmx.de oder unter der Nummer (0 61 72) 45 06 11.

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