E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Usingen 17°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Vor 70 Jahren wurde die D-Mark eingeführt

Die D-Mark steht für Stabilität und Aufschwung. Die 1948 eingeführte Währung hat die Entwicklung Deutschlands nach dem Krieg mitgeprägt. Und noch immer haben Mark und Pfennig nicht völlig ausgedient.
Etwa 12,6 Milliarden D-Mark lagern offiziell noch in Schubladen, Sammelordnern oder anderen Verstecken, erklärt der Bundesverband deutscher Banken. Foto: Bernd Wüstneck Etwa 12,6 Milliarden D-Mark lagern offiziell noch in Schubladen, Sammelordnern oder anderen Verstecken, erklärt der Bundesverband deutscher Banken.
Frankfurt/Main. 

Sie gilt als das Symbol des deutschen Wirtschaftswunders: Als die D-Mark am 21. Juni 1948 in den westlichen Besatzungszonen eingeführt wurde, füllten sich über Nacht die Regale der Geschäfte.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich die D-Mark zur zweitwichtigsten Reserve- und Handelswährung der Welt nach dem US-Dollar. Auch heute noch - im 17. Jahr nach Einführung des Euro-Bargeldes - sind Mark und Pfennig im Milliardenwert im Umlauf. Immer wieder werden alte Schätze durch Zufall entdeckt.

„Die D-Mark ist das Symbol für den Wiederaufstieg Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg”, erklärt Bundesbank -Vorstand Johannes Beermann die besondere Beziehung der Deutschen zu ihrer Währung. Zunächst war die Währungsreform für Viele allerdings ein Schock. Jeder Bürger erhielt 40 Mark „Kopfgeld” und einen Monat später nochmals 20 Mark. Für 100 Reichsmark auf dem Sparbuch gab es 6,50 D-Mark. Damit wurden viele Kleinsparer zu Verlierern der Währungsumstellung, weil ihre Guthaben aufgezehrt wurden. Löhne wie auch Mieten und Steuern hingegen wurden im Verhältnis 1:1 umgestellt.

Der harte Schnitt führte zu knappem und damit stabilem Geld. Tauschhandel oder die „Zigarettenwährung” am Schwarzmarkt verschwanden. Weil sie der nutzlos gewordenen alten Währung Reichsmark nicht mehr trauten, hatten die Händler im zerstörten Nachkriegs-Deutschland zunächst Waren gehortet.

Als entscheidende Wegmarke zum Auftritt der D-Mark auf der internationalen Bühne gilt der Übergang zur uneingeschränkten Umtauschbarkeit 1958.

Anders als der von langer Hand geplante Euro kam die wichtigste Bewährungsprobe für die D-Mark völlig unerwartet: „Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht, geh'n wir zu ihr!”, skandierten die Menschen in Ostdeutschland im Wendeherbst 1989. „Die D-Mark war für die Menschen in der früheren DDR ein Symbol der Freiheit”, erinnert Beermann.

Noch vor der politischen Einheit ersetzte die D-Mark am 1. Juli 1990 in einer historisch beispiellosen Aktion die DDR-Mark zu einem allgemeinen Umtauschkurs von 1:1. Vor allem der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) drängte auf eine zügige Wirtschafts- und Währungsunion, trotz Warnungen auch von der Bundesbank. Das Problem: Mit der Einführung der harten D-Mark fand sich die Wirtschaft der untergehenden DDR über Nacht im rauen Wettbewerb der Marktwirtschaft wieder.

Gut elf Jahre später löste der Euro die D-Mark ab. Anfangs als „Teuro” gescholten, scheinen sich die Menschen in Deutschland mit der Gemeinschaftswährung inzwischen ausgesöhnt zu haben. „Der Euro hat eine extrem hohe Akzeptanz”, sagt Beermann. Bei einer im Herbst 2017 veröffentlichten Umfrage im Auftrag der EU-Kommission sprachen sich 81 Prozent der Befragten in Deutschland für den Euro aus.

Zunächst hatten allerdings viele Menschen den Eindruck, dass mit der Einführung des neuen Bargeldes am 1. Januar 2002 das Leben schlagartig teurer geworden sei. „Das Teuro-Gefühl ist subjektiv und lässt sich nicht durch Zahlen belegen” argumentiert Beermann.

Bislang steht der Euro der D-Mark in Sachen Stabilität in nichts nach - im Gegenteil. So verlor die Mark in den letzten zehn Jahren ihrer Geltung bei einer Inflationsrate von im Schnitt 2 Prozent mehr an Wert als der Euro. Die Gemeinschaftswährung ist angesichts einer durchschnittlichen Preissteigerungsrate von 1,6 Prozent auf Zehnjahressicht etwas stabiler.

Doch die Angst vor der Geldentwertung hat sich tief ins deutsche Bewusstsein eingegraben. „Ich glaube, dass wir Deutschen mit den Erfahrungen der zwei Hyperinflationen ein Auge auf die Inflation haben”, sagt Beermann.

Ganz verschwunden ist die D-Mark auch gut 16 Jahre nach der Euro-Einführung nicht. Scheine im Wert von 5,91 Milliarden Mark (3,02 Mrd. Euro) und Münzen im Wert von 6,69 Milliarden Mark (3,42 Mrd. Euro) sind noch im Umlauf (Stand: Ende Mai).

Und immer wieder tauchen alte Schätze durch Zufall auf. So entdeckte der Käufer eines Hauses bei Gartenarbeiten ein Versteck mit 349.000 Mark. Selbst D-Mark-Blüten tauchen ab und an in den Bundesbank-Filialen auf, wo die alten Scheine und Münzen in Euro umgetauscht werden. Ein auf einem Dachboden entdeckter 1000-Mark-Schein stellte sich zur großen Enttäuschung des Finders als Fälschung heraus. „Mancher setzt beim Umtausch auf den Effekt, dass man die D-Mark-Noten nicht mehr so präsent hat - aber unser Personal ist sehr gut geschult”, warnt Bundesbankdirektor Matthias Callen.

D-Mark kann nach wie vor umgetauscht werden

Die Deutsche Mark ist schon lange kein gesetzliches Zahlungsmittel mehr. Wer D-Mark in Form von Münzen oder Scheinen findet, kann diese aber noch immer zeitlich unbegrenzt zu einem festgelegten Umtauschkurs von 1,95583 DM unlimitiert bei einer der Filialen der Deutschen Bundesbank in Euro umtauschen . Rund 12,6 Milliarden D-Mark schlummern offiziell noch in Schubladen, Sammelordnern oder anderen Verstecken, erklärt der Bundesverband deutscher Banken unter Berufung auf Zahlen der Bundesbank.

„Es ist wichtig für das Vertrauen der Bürger, dass die D-Mark unbegrenzt ihre Gültigkeit behält und die Bundesbank sie weiterhin zum amtlichen Kurs in Euro umtauscht”, argumentiert Beermann.

(Von Friederike Marx und Jörn Bender, dpa)
Zur Startseite Mehr aus Geld & Recht

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen