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Hessens Bauern unter Druck: Nur die Großen überleben

Von Hessenweit gibt es nur noch 16 300 landwirtschaftliche Betriebe – 1500 Bauernhöfe weniger als noch vor sieben Jahren. Deutschlandweit könnte die Zahl der Höfe laut einer aktuellen Studie bis 2040 von derzeit 275 000 auf rund 100 000 sinken. Immer weniger, dafür größere Betriebe bewirtschaften das Ackerland.
Ländliches Idyll mit Frankfurter Skyline im Hintergrund – frei weidende Rinder und Milchkühe wie hier oberhalb Friedrichsdorf sieht man in der Landwirtschaft immer seltener. Foto: Pieren Ländliches Idyll mit Frankfurter Skyline im Hintergrund – frei weidende Rinder und Milchkühe wie hier oberhalb Friedrichsdorf sieht man in der Landwirtschaft immer seltener.
Frankfurt. 

Tagtäglich strömen Tausende Kunden zu Ikea, Hornbach und Co. im Frankfurter Industrie- und Gewerbegebiet in Niedereschbach. Niemand spricht mehr darüber, dass die Großmärkte auf 25 Meter tiefem Lössboden entstanden sind.

Äußerst fruchtbares Ackerland wurde hier vor 15 Jahren unwiederbringlich versiegelt. Überall im Rhein-Main-Gebiet muss landwirtschaftlich genutzte Fläche Industrie- und Neubaugebieten weichen. Dort, wo heute in Bad Homburg das Landratsamt und die Hochtaunusklinik stehen, wurden einst ebenso Felder bestellt wie im heutigen Gewerbepark rund um den ICE Bahnhof Limburg Süd.

Auf die akute Wohnungsnot reagiert die Stadt Frankfurt mit Plänen, rechts und links der A5 vor den Toren von Oberursel und Steinbach einen komplett neuen Stadtteil zu erschließen. Auch auf dem Pfingstberg zwischen Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach soll Wohnbebauung entstehen.

Kaum Ausweichflächen

In Bad Vilbel verschwinden westlich der Main-Weser-Bahn demnächst bald 80 Hektar Ackerland für das Neubaugebiet Quellenpark – das entspricht der Größe eines durchschnittlichen Bauernhofes. Zahlen des Statistischen Landesamtes in Wiesbaden dokumentieren: In den vergangenen 25 Jahren sind durchschnittlich sechs Hektar Ackerland pro Tag versiegelt und bebaut worden.

In den wenigsten Fällen gehört das Land den Bauern selbst. Zweidrittel der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Hessen ist Pachtland. Ausweichfläche gibt es im Rhein-Main-Gebiet so gut wie keine. Im Gegenteil: Landwirte haben mit der Erosion ihrer Lebensgrundlage zu kämpfen.

Wird einstiges Pachtland bebaut, muss ein Landwirt – wenn überhaupt möglich – andere Ackerfläche pachten. Doch im Rhein-Main-Gebiet explodieren bei knapper werdender Fläche die Pachtpreise. Der wirtschaftliche Betrieb eines Hofes wird wegen steigender Fixkosten immer schwieriger.

Die Folgen lassen sich im Wetteraukreis an Zahlen ablesen. „1979 gab es bei uns im Landkreis noch 3839 landwirtschaftliche Betriebe mit einer Größe von mehr als einem Hektar Land. Vor 25 Jahren waren es 1700“, teilt dazu Hermann Götz vom Fachdienst Landwirtschaft des Wetteraukreises mit. „Derzeit sind es nur noch knapp 1000 Betriebe.“

Aktuelle Zahlen des statistischen Landesamts in Wiesbaden vom Dezember 2017 belegen die Entwicklung hessenweit: Mit 16 300 landwirtschaftlichen Betrieben weist die Erhebung hessenweit aktuell 1500 Bauernhöfe weniger aus als noch vor sieben Jahren. 2017 bewirtschafteten die hessischen Höfe noch 469 000 Hektar Ackerland – 7000 Hektar weniger als 2010.

Dramatische Zahl

Deutschlandweit könnte die Zahl der Betriebe bis 2040 von derzeit 275 000 auf rund 100 000 sinken. Diese dramatischen Zahlen veröffentlichte nun die DZ Bank in einer Branchenanalyse und spricht vom Abschied vom bäuerlichen Familienbetrieb. Die verbliebenen Höfe wandeln sich zu großen Unternehmen.

Die Branchenanalyse der zur Gruppe der Volks- und Raiffeisenbanken gehörenden DZ Bank prophezeit ein Ansteigen der Betriebsgrößen von derzeit durchschnittlich 60,5 Hektar auf 160 Hektar in gut 20 Jahren. „Langfristig droht die Abkehr vom Jahrhunderte alten Modell des bäuerlichen Familienbetriebes“, so das Fazit. „In Ostdeutschland gibt es bereits viele Großbetriebe. Die Entwicklung geht auch in den westdeutschen Betrieben in die gleiche Richtung.“

Selbstständige Bauern, kleine Betriebseinheiten und mithelfende Familienangehörige werden demnach immer mehr von großen, kapitalintensiven und betriebswirtschaftlich organisierten Agrarunternehmen abgelöst. „Die neue Generation landwirtschaftlicher Unternehmen nutzt intensiv modernste Technik und greift trotz rückläufigen Arbeitskräfteeinsatzes zunehmend auf familienfremde Fachkräfte zurück.“

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