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Produkte aus fairem Handel boomen: Fairtrade knackt Milliarden-Marke

Von Ein Vierteljahrhundert nach dem Start des „Fairtrade“-Siegels hat der Umsatz mit fair gehandelten Produkten im vergangenen Jahr erstmals die Milliardenmarke geknackt. Dennoch müssen viele Geschäfte der ersten Stunde – sogenannte Weltläden – schließen.
In Vietnam erntet eine Frau die rote Kaffee-Frucht. Foto: Nathalie Bertrams (TransFair e.V.) In Vietnam erntet eine Frau die rote Kaffee-Frucht.
Frankfurt. 

Im Bord-Restaurant der ICE wird seit April nur noch Kaffee mit dem Fairtrade-Label serviert. Dass die Deutsche Bahn die Bohnen aus der Kaffeerösterei Dallmayr bezieht, zeigt, wie selbstverständlich fair gehandelter Kaffee mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Auch alle Teesorten kann man im ICE nun mit gutem Gewissen genießen, weil sie ebenfalls mit dem Fairtrade-Label ausgezeichnet sind. Die DB wird damit einer der größten gastronomischen Anbieter, die auf den Erfolg von fair gehandeltem Kaffee und Tee setzen. Im vergangenen Jahr wurden in ICE- und IC-Zügen 174 Tonnen Kaffee verbraucht. „Das sind über zehn Millionen Tassen Kaffee.“

Info: Das Fairtrade-Versprechen

„Fairtrade“ ist ein Sozial-Siegel, das von „TransFair“, dem Verein zur Förderung des Fairen Handels in der „Einen Welt“, seit Ende 1991 vergeben wird.

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25 Jahre nach dem bundesweiten Start des Fairtrade-Labels wurde im Jahr 2016 erstmals die magische Umsatzmarke von einer Milliarde Euro überschritten. „Ein höheres Bewusstsein für nachhaltigen Konsum, wachsendes Engagement von Handel und Herstellern und eine aktive Zivilgesellschaft als Fundament halten den fairen Handel auf Wachstumskurs“, begründet TransFair-Pressesprecherin Edith Gmeiner den Boom. TransFair ist der Verein zur Förderung des Fairen Handels in der „Einen Welt“.

Tatsächlich haben Edeka, Rewe und Co. schon lange fair gehandelte Produkte in ihr Sortiment aufgenommen. Rewe verkauft auch Produkte der Handelsmarke „Feine Welt“ mit dem Fairtrade-Siegel. In neuen Rewe-Märkten – wie dem im Westerbach-Center in Kronberg (Hochtaunuskreis) – werden Trans-Fair-Produkte in bester Verkaufslage auf Augenhöhe in den Regalen feilgeboten.

Auch der in Usingen neu eröffnete Edeka-Vollsortimenter führt unter den mehr als 25 000 angebotenen Produkten ganz selbstverständlich Fairtrade-Produkte in eigenen Regalen. Selbst Aldi bietet eine Kaffeesorte mit dem Fairtrade-Label an. Doch der Boom hat auch seine Schattenseiten.

Laufkundschaft fehlt

Fair gehandelte Bananen, Kaffee, Schokolade und viele andere Lebensmittel mit dem Fairtrade-Logo gab’s in den 1990er Jahren nur in den sogenannten ’Weltläden’ zu kaufen. Heute ist die Konkurrenz durch die Supermarkt-Ketten so groß, dass immer mehr Weltläden wegen ausbleibender Kundschaft ihre Pforten schließen müssen – so auch der Weltladen der evangelischen Kirchengemeinde Glashütten.

Initiativgruppen wie der „Eine-Welt-Kreis“ in Wehrheim haben Fairtrade-Kaffee gar nicht mehr im Sortiment. „Wegen der großen Nachfrage nach fair gehandeltem Kaffee werden nur noch Großabnehmer wie Edeka, Rewe oder aber die Deutsche Bahn beliefert“, heißt es dort von langjährig engagierten Mitarbeiterinnen.

Bei TransFair sieht man das etwas anders. „Problematisch für den Erhalt der Weltläden ist die oftmals fehlende Laufkundschaft, ein wenig zentraler Standort, aber auch die aufgrund der ehrenamtlichen Tätigkeit eingeschränkten Öffnungszeiten“, teilt TransFair-Pressesprecherin Gmeiner auf Nachfrage mit. „Deshalb fehlen die zum Aufrechterhalten des Betriebs notwendigen Umsätze.“ Dies sei aber unabhängig von steigenden Verkaufszahlen fair gehandelter Produkte in Supermärkten. Demnach beziehen Weltläden ihre Waren meist über andere Fairhandel-Akteure,wie Gepa, El Puente oder dwp, die gar nicht in Supermärkten gelistet seien.

Preis wird wichtiger

Wie beim Kauf von Bio-Lebensmitteln schaut der Kunde heute auch beim Kauf fair gehandelter Produkte zunehmend auf den Preis. Tatsächlich werden die gleichen Fair-trade-Produkte im Supermarkt deutlich billiger angeboten. Ein deutlich niedrigerer Einkaufspreis bei Mengenbestellungen von Fairtrade-Produkten macht’s möglich. „Die Deutschen retten die Welt gern mit 99 Cent“, sagt Dieter Overath, seit 1992 Geschäftsführer von TransFair. „Das ist aber unmöglich.“ Neben Konsumenten seien auch die Händler gefragt, die Produkte mit dem Fairtrade-Siegel auch mit höheren Preisen zu verkaufen. „Fairer Handel hat zudem viele Facetten. Ihn nur auf den Preis zu reduzieren, wird der Vielfalt des Engagements für einen gerechten Welthandel nicht gerecht“, gibt Gmeiner zu bedenken. Das Sortiment der Weltläden gehe mit Kunsthandwerk, Schmuck, Kerzen, Gefäßen und vielen anderen Produktgruppen weit über das der Supermärkte hinaus.

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