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TV-Kritik: "Verschlusssache": Eine wirkungsvolle Kombination

Von Ein Übungsschießen bei der Bundeswehr hat für einen jungen Offizier verhängnisvolle Folgen. Das Team von "Unter Verdacht" stößt auf dubiose Waffengeschäfte.
Eva-Maria Prohacek (Senta Berger) spürt im Verhör, dass Max Wemmer (Ulrich Noethen) aus purer Verzweiflung gehandelt hat. Foto: ZDF/Marco Nagel Eva-Maria Prohacek (Senta Berger) spürt im Verhör, dass Max Wemmer (Ulrich Noethen) aus purer Verzweiflung gehandelt hat.
Erst rennt ein junger Bundeswehr-Offizier bei einem Waffentest durchs Zielgebiet und wird dabei schwer verletzt. Dann zündet Max Wemmer (Ulrich Noethen), sein verzweifelter Vater, vor der Kaserne die dort hängende deutsche Flagge an. Dr. Eva-Maria Prohacek (Senta Berger), Kommissar André Langner (Rudolf Krause) und selbst Dr. Claus Reiter (Gerd Anthoff) begegnen Wemmer mit einigem Verständnis. Letzterer mit einigen Einschränkungen.
 
Was hatte der junge Offizier, der jetzt im Koma liegt, genau vor? Es stellt sich heraus, dass er Antidepressiva nahm, dass er mit seinem Vater, einem überzeugten Pazifisten, ein sehr angespanntes Verhältnis hatte und dass sein Vater ihn sogar für den Krebstod seiner Frau mitverantwortlich machte.  Aber es gibt Ungereimtheiten bei der Art der Munition, die bei dem Schießen zu Beginn verwendet wurde.  Ging es dabei um verbotene Waffen?

Skrupellos wie aus dem Bilderbuch

Die Machenschaften der Rüstungsindustrie in Verbindung mit der Bundeswehr als Krimi-Thema: Das könnte einen Film ergeben, der seine Botschaft auf metergroßen Tafeln vor sich her trägt. Tatsächlich geht es auch nicht ganz ohne Klischees zu. Ein hochrangiger Manager eines Rüstungskonzerns befindet sich etwa vor allem deshalb in der Handlung, um edle Speisen und Getränke wie Whisky und Hummer stilvoll zu verkonsumieren und damit ihn Felix Vörtler mit wirkungsvollem Raubtierlächeln verkörpern darf.
 
 
Eine Anteilseignerin des Waffenherstellers beginnt gar persönlich ein Techtelmechtel mit Klaus Reiter, um ihn dabei unauffällig über den Stand der Ermittlungen auszufragen. Auch eine investigative Journalistin fehlt nicht im Reigen der Figuren. Dennoch zeigt der Film in dieser Hinsicht Zurückhaltung: Er stellt weniger seine Aussagen als vielmehr seine Charaktere in den Mittelpunkt. Und konzentriert sich dabei vor allem auf Max Wemmer. 

Spannung durch Tragik

Wie Ulrich Noethen – hier mit deutlich längeren Haaren als in seiner Rolle in "Neben der Spur" – hier seine Rolle mit größter Einfühlsamkeit gestaltet, stellt ihm wie auch Regisseur Ulrich Zrenner ein hervorragendes Zeugnis aus. Wie zudem auch Senta Berger, deren Eva-Maria Prohacek ebenfalls ein Kind verloren hat. Ihr mildes, verständnisvolles Spiel lässt so viel Empathie durch, dass Senta Bergers Alter von mittlerweile 76 Jahren ihren Filmcharakter im mittlerweile vorletzten Auftritt nie unglaubwürdig wirken lässt.
 
Zumal sie ohnehin weit jünger wirkt. Zu den großen Stärken dieses Films gehört außerdem, wie geschickt er die Tragik seiner Figuren quasi auf Sparflamme köcheln lässt, Wemmer immer mehr Nähe zu Prohacek suchen lässt und damit eine durchgehend hohe Spannung erzeugt. Erst am Ende begeht Wemmer fast eine Verzweiflungstat, was dem Ganzen noch einen dramatischen Höhepunkt verleiht.
 
Das Drehbuch kombiniert sowohl Prohacek als auch Wemmer zudem sehr gut mit der Figur eines anderen Bundeswehroffiziers, der sich vor die Wahl gestellt sieht, eine folgenreiche Aussage zu machen und damit möglicherweise seine Familie ins Unglück zu stürzen oder einen faulen Kompromiss einzugehen und dadurch eine neue Chance zu erhalten. Als Hintergrund für die Aussage des Films beeindrucken solche Charaktere vor allem auch deshalb, weil man das im durchschnittlichen TV-Krimi nicht alle Tage zu sehen bekommt.
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