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TV-Kritik: "Stau": Warum dieses Tatort-Experiment überzeugt

Wer hat das tote Mädchen auf dem Gewissen? Lannert und Bootz haben in diesem Stuttgarter Tatort nur wenig Zeit, den Täter im Stau zu finden. Ein gelungener Tatort.
Tina Klingelhöfer (Susanne Wuest) erzählt Thorsten Lannert (Richy Müller), dass sie nicht weiß, durch welche Straßen sie fuhr, als sie ihre Tochter Miris (Anastasia Clara Zander) vom Ballett abholte. Klingt zwar unwahrscheinlich, aber eine Fahrt mit Miris würde wohl jeden verwirren … Foto: SWR/Alexander Kluge Tina Klingelhöfer (Susanne Wuest) erzählt Thorsten Lannert (Richy Müller), dass sie nicht weiß, durch welche Straßen sie fuhr, als sie ihre Tochter Miris (Anastasia Clara Zander) vom Ballett abholte. Klingt zwar unwahrscheinlich, aber eine Fahrt mit Miris würde wohl jeden verwirren …

Was haben der kurz zuvor von seinem Chef gedemütigte kleine Angestellte Matthias Treml (Daniel Nocke), der Anwalt Moritz Plettner (Roland Bonjour) oder ein streitendes Ehepaar mit der Geschäftsfrau Altunordu (Sanam Afrashteh) und ihrem Chauffeur Bernd Hermann Jacob Matschenz) und vielen anderen Verkehrsteilnehmern gemeinsam? Sie stecken im Stau fest. Der Verkehr steht, viele gehen auf der Straße spazieren.

Und Kommissar Thorsten Lannert (Richy Müller) sucht unter ihnen einen Täter. Er hast nur so lange Zeit dafür, bis die Ursache für den Stau beseitigt ist. Ein 14-jähriges Mädchen wurde tot aufgefunden. Möglicherweise war es ein Unfall mit Fahrerflucht. Lannert und sein Kollege Sebastian Bootz (Felix Klare) wissen, dass der Täter im Stau feststecken muss. Bootz untersucht mögliche Hintergründe der Tat: Eventuell hat ein dreijähriges Kind den Unfall gesehen.

Klassische Tätersuche mit beachtlicher Sogwirkung

Aber sind die Angaben des verspielten Jungen wirklich verwertbar? Anders bedeutet in einem "Tatort"-Krimi längst nicht immer auch besser. Aber dieser Film ist auf andere Weise anders. Er lässt im Stau eine ganze Reihe von Figuren auftreten, die dem Zuschauer gerade durch ihre Alltäglichkeit und Durchschnittlichkeit hohes Potential zur Identifikation bieten. Und entfaltet damit trotz des weitgehenden Verzichts auf Krimi-Action eine beachtliche Sogwirkung.

Ziemlich schnell kommt nämlich die klassische Tätersuche in die Gänge. Wer hat verdächtige Spuren am Auto, etwa eine Delle, die vom Aufprall auf den Körper des toten Mädchens stammen könnte? Zwar merkt man dabei manchmal, dass Regisseur Dietrich Brüggemann – der zusammen mit Co-Autor Daniel Bickermann auch das Drehbuch schrieb – einige Probleme hatte, aus der Grundidee volle neunzig Minuten Krimi ausreichend zu füllen.

Emotionale und überraschende Momente bis ganz zum Schluss

Dennoch streut Brüggemann genügend emotionale Momente wie den Auftritt der Eltern des toten Mädchens ein, um den Zuschauer auch in etwas zäheren Phasen bei der Stange zu halten. Als die Tote als mögliches Opfer eines Sexverbrechers erscheint, schlägt Brüggemann auch geschickt einen Bogen zum klassischen "Tatort"-Muster. Dazu gelingen dem Regisseur einige überraschende Wendungen.

Die letzte und am stärksten packende kommt dann tatsächlich ganz am Ende. Und es ist gerade die Zufälligkeit, durch die jemand schwere Schuld auf sich geladen hat, die dieser überraschenden Auflösung eine so eindringliche Wirkung verleiht. Es ist nicht der klassische Mörder mit Motiv, sondern ein Durchschnittbürger, der einen Moment lang nicht aufgepasst hat. Also ein Mensch wie jeder Zuschauer, der sich regelmäßig hinters Steuer setzt. Dieser Schluss macht den Stuttgarter "Tatort" noch zusätzlich zu einem gelungenen Experiment.

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