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Für Plastiktüten soll gezahlt werden

Tüten aus Plastik gehören zum Einkauf wie der Kassenzettel. Doch als Müll landen sie allzu oft im Meer. Foto: Daniel Reinhardt/Archiv Tüten aus Plastik gehören zum Einkauf wie der Kassenzettel. Doch als Müll landen sie allzu oft im Meer. Foto: Daniel Reinhardt/Archiv
Berlin. 

Plastiktüten sollten aus Sicht des Umweltbundesamts beim Einkauf generell nicht einfach gratis sein. «Selbst wenn man sie zwei- oder dreimal verwendet, so lassen sie sich dennoch schwer mit Abfallvermeidung und effizienter Ressourcennutzung in Einklang bringen», sagte Vizepräsident Holzmann.

«Bei Einwegtragetaschen aus Kunststoff spricht also viel für eine Bezahlpflicht.» Die Praxis in Lebensmittelmärkten, dass Plastiktüten etwas kosten, könne ausgeweitet werden. Laut einer Studie im Auftrag von Handel und Kunststoffbranche verbraucht jeder Bundesbürger im Jahr 76 Einweg-Plastiktüten, also weniger als im EU-Schnitt mit 198.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) wandte sich gegen Vorschläge der EU-Kommission, wonach Mitgliedsstaaten besonders dünne und leichte Tüten verbieten könnten. Viele Händler böten zudem schon Alternativen wie Taschen aus Baumwolle an. Auch für eine generelle Bezahlpflicht gebe es keinen Handlungsbedarf, sagte ein HDE-Sprecher auf Anfrage. Es sei Kundenservice, etwa beim Kleidungskauf eine Tüte anzubieten.

Laut der Studie für die Wirtschaftsverbände werden hierzulande jährlich 6,1 Milliarden Kunststofftragetaschen verbraucht, rund eine Milliarde weniger als im Jahr 2000. Darunter sind nun 2,9 Milliarden wiederverwendbare Tüten. Hinzu kommen 3,1 Milliarden dünnere Beutel, die für Obst und Gemüse oder Frischfleisch genutzt werden. Basis der Hochrechnungen sind Befragungen unter anderem von Handelsketten, wie die beauftragte Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung erklärte.

Das Umweltbundesamt kritisierte, dass trotz eines guten Abfall- und Recyclingsystems in Deutschland regelmäßig Plastiktüten in die Natur gelangten. Vor allem für Meereslebewesen könne dies gefährlich sein, wenn Partikel Mägen verstopften und Tiere deswegen verhungerten. Freigesetzt werden könnten auch Zusatzstoffe wie Weichmacher. An der Nordsee wurden in den Jahren 2008 bis 2012 je hundert Meter Küste durchschnittlich 1,5 Einweg-Tragetaschen und drei kleinere Beutel gefunden. Auch für die deutsche Ostsee gab es erstmals Zählungen.

Die aktuelle Studie verweist darauf, dass von den Siedlungsabfallen in Deutschland nur 0,17 Prozent auf Kunststofftragetaschen entfallen. Ein Verbot von Tüten aus dünnerem Plastik könne sogar kontraproduktiv sein, wenn Kunden dann auf Taschen aus dickerem Kunststoff auswichen. Das Umweltbundesamt hält auch Einweg-Tragetaschen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen für wenig umweltfreundlich.

(dpa)
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