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Massenschlägereien in Flüchtlingsheimen: Ein banaler Anlass reicht

Von Immer öfter gibt es Streit unter Migranten, vor allem in Berlin. Grünen-Politikerin Roth empört sich über die Zustände am dortigen Landesamt für Soziales.
Vor dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales demonstrieren Asylsuchende gegen unzumutbare Zustände in den Flüchtlingsheimen. Foto: imago stock&people (imago stock&people) Vor dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales demonstrieren Asylsuchende gegen unzumutbare Zustände in den Flüchtlingsheimen.
Frankfurt. 

Immer wieder sorgen in letzter Zeit Massenschlägereien in Flüchtlingsheimen für Aufsehen. So sind am zurückliegenden Wochenende in Flüchtlingsunterkünften in Berlin und Itzehoe nach Angaben der Polizei zwölf Menschen verletzt worden. Die Rettungskräfte hätten die aufgebrachten Flüchtlinge aber beruhigen können und die Verletzten ins Krankenhaus eingeliefert.

Zu den schwersten Auseinandersetzungen kam es in der Flüchtlingsunterkunft im Hangar des stillgelegten Berliner Flughafens Tempelhof. Dort gingen zahlreiche Flüchtlinge mit Messern und Stangen bewaffnet aufeinander los. Bis zu 300 Menschen sollen an der Schlägerei beteiligt gewesen sein. Die Polizei war mit 150 Beamten im Einsatz, die die Lage letztlich unter Kontrolle brachten. Augenzeugen der Schlägerei berichteten von „blutenden Flüchtlingen“ und Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes, die die Flucht ergriffen hätten.

Nach Angaben der Berliner Feuerwehr, wurde eine bewusstlose Person in ein Krankenhaus gebracht. Wie die Gewerkschaft der Polizei (GdP) mitteilte, seien 23 Menschen festgenommen worden. Außerdem seien zwei Wachschützer verletzt worden. Grund für die Auseinandersetzung sei eine Drängelei bei der Essensausgabe gewesen. Ein Streit darüber habe zur Eskalation geführt.

Fenster zerstört

Draüber hinaus gingen in einer Berliner Notunterkunft in Stadtteil Spandau am Wochenende Bewohner mit Fäusten und Feuerlöschern aufeinander los. Auslöser der Schlägerei war ein Streit unter Bewohnern, der schließlich eskaliert sei. Nachdem die Polizei einen Unruhestifter festgenommen habe, sei es erneut zu einem Streit und einer anschließenden Schlägerei gekommen. Laut Polizei seien dabei auch Fenster zerstört und Sitzgarnituren umhergeworfen worden. Durch die Gewalt und die „Wolke aus den Löschgeräten“ sei es zu einer Panik gekommen. Viele Menschen hätten sich ins Freie geflüchtet, um sich in Sicherheit zu bringen. Etwa die Hälfte der rund 1000 Bewohner des Flüchtlingsheims hätte vor dem Gebäude in der Kälte gewartet, bis sich die Lage beruhigte. Bei dieser Flucht seien auch mehrere Menschen verletzt worden, wie die Polizei berichtete. Es habe Anzeigen wegen Körperverletzung gegeben. Neben der Feuerwehr waren rund 80 Polizisten im Einsatz. Eine Schlägerei zwischen Syrern und Afghanen gab es auch in einer Unterkunft in Itzehoe ( Schleswig-Holstein). Bei der Massenschlägerei wurden fünf Personen verletzt.

Vor diesem Hintergrund stellen sich viele die Frage, wie kommt es zu diesen Gewaltexzessen?

Wie Experten wissen, seien es oft Gewalt- und Eigentumsdelikte, derentwegen die Polizei einschreiten müsse. Weitere Delikte seien Körperverletzungen, Landfriedensbruch, Diebstähle, Sachbeschädigungen sowie Nötigungen und Bedrohungen. Häufig gehe es aber auch um Banalitäten, bis die Lage dann eskaliere.

Darüber hinaus soll es in einer Gießener Asylunterkunft zu sexuellen Übergriffen auf weibliche Flüchtlinge gekommen sein. „Viele Vergewaltigungen werden nicht angezeigt, aber ich weiß von Organisationen wie ,Pro Familia‘, dass diese Probleme auflaufen“, sagte Klaus-Dieter Grothe, Hüttenberger Kinder- und Jugendpsychiater, dem HR. Das staatliche Gewaltmonopol könne in der Unterkunft selten aufrechterhalten werden, so die Meinung von Grothe, für den sich die Situation in Gießen wie ein „Uno-Flüchtlingslager in Afrika“ darstelle.

Gründe gibt es viele

Gründe für solche Massenschlägereien gebe es viele. Schuld sei vor allem die „extreme Überbelegung“ der Lager, so Niedersachsens Innenminister Pistorius (SPD). Die Flüchtlinge stünden unter enormer Anspannung. Die Enge, die fehlenden Rückzugsmöglichkeiten, das Nichtstun und die Ungewissheit, was werden wird, führe zu diesen Gewaltausbrüchen. Unterdessen äußerte sich Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) schockiert über die Situation von Flüchtlingen am Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Berlin. „Das sind Zustände, die auf eine große Überforderung hindeuten“, sagte Roth bei einem Rundgang auf dem Gelände. „Man hat den Eindruck, dass hier die Menschenwürde nicht im Vordergrund steht.“ Roth kritisierte insbesondere den Tonfall der Sicherheitsleute und ein aus ihrer Sicht undurchschaubares Terminsystem.

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