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Mieten: Wenn die Rente nicht fürs Wohnen reicht

Von Ein Berechtigungsschein ist keine Garantie mehr für schnellen und günstigen Wohnraum. Längst bemühen sich Vereine, Kommunen und Privatpersonen um die begehrten vier Wände. Die Astheimerin Michaela Hund ist eine von ihnen.
Die meisten Wohnungsangebote stehen mittlerweile im Internet. Trotzdem kann ein Blick aufs schwarze Brett nicht schaden. Bilder > Foto: (Dorothea Ittmann) Die meisten Wohnungsangebote stehen mittlerweile im Internet. Trotzdem kann ein Blick aufs schwarze Brett nicht schaden.
TREBUR. 

Wer eine Wohnung sucht, der braucht Vitamin B. Denn im Kreis Groß-Gerau fehlen jedes Jahr rund 16 000 Wohnungen, und die Nachfrage ist groß. Das teilt die Neue Wohnraumhilfe, ein gemeinnütziges soziales Unternehmen aus Darmstadt, mit. Bei dem neuen Projekt „Dein Vitamin B“ greifen sogenannte Wohnscouts den Wohnungssuchenden nicht nur beratend unter die Arme, sondern vermitteln auch Wohnraum. Wer also eine freie Wohnung hat, kann sich ebenfalls an das Unternehmen wenden.

Die Gewobau Rüsselsheim kooperiert mit dem Anbieter. So ist Michaela Hund auf die Unterstützung aufmerksam geworden. Die 38-Jährige lebt seit vier Jahren in Astheim. Sie sucht nicht nur seit zweieinhalb Jahren eine Wohnung, sie nimmt auch die Schuldnerberatung in Anspruch. Denn mit ihrer kleinen Rente ist sie in Zahlungsverzug geraten – keine gute Voraussetzung bei der Wohnungssuche, weiß sie.

Nackig machen

Dies und andere Einzelheiten erfährt der Vermieter spätestens über die Selbstauskunft und die Schufa. „Ich muss mich komplett nackig machen“, beschreibt Hund das Gefühl, wenn sie diverse Unterlagen vorlegen muss.

Vitamin B hat sie keines. Stattdessen gehört die gebürtige Ginsheimerin zu den tausenden Menschen im Kreis, die sich täglich durchs Internet wühlen, die Anzeigenseiten in der Zeitung als erstes aufschlagen und sofort zum Telefonhörer greifen, sollte das Mietobjekt auch nur im Entferntesten ihrem Budget entsprechen. Wird sie zu einer Besichtigung eingeladen, beschreitet sie Küche, Wohn- und Schlafzimmer mit rund 30 anderen Mitbewerbern. Eine Absage jagt die nächste.

„Jeder Rückschlag belastet mich sehr“, sagt Hund. Sie leidet unter Depressionen, weshalb sie mit ihren 38-Jahren von ihrer Rente leben muss. Dass Rentner nicht immer gleich Senioren sind, ist vielen Vermietern nicht bewusst. Erst neulich habe sich Hund auf eine Wohnung für Rentner beworben. Der Vermieter habe ihr kurze Zeit später erklärt, dass er die Wohnung nur an Senioren, das heißt Menschen im Alter über 60 Jahre, vergeben werde.

Erschwerend kommt noch hinzu: Die Astheimerin hat zwei Hunde. Mathilda und Snoopy sind Michaela Hund und ihrem Lebensgefährten Heiko Schaffner eine große Hilfe im Alltag. „Wenn es uns nicht gut geht und wir gar nicht aufstehen wollen, dann motivieren uns die Hunde, vor die Tür zu gehen“, erzählt die 38-Jährige. Ihre beiden Tiere abzugeben, kommt für sie nicht infrage.

Wohnberechtigungsscheine für öffentlich geförderten Wohnraum habe sie schon einige beantragt, bei mehreren Kommunen sei sie dafür vorstellig geworden – auch in Trebur. Dort hatte sie Kontakt mit Karola Baumbusch vom Sozialen Netz und Mitarbeiterin der Gemeindeverwaltung. Baumbusch habe beobachtet, dass immer mehr Menschen aufgrund der gestiegenen Mieten einen Wohnberechtigungsschein beantragen.

Und weil auch in Trebur und seinen Ortschaften der Wohnraum knapp ist, inseriert die Stadt regelmäßig im eigenen Anzeigenblatt. „Sollten Sie eine Wohnung zu vermieten haben, wenden Sie sich bitte an den Fachdienst“, appelliert die Verwaltung an die Bürger. Doch bisher habe sich nur eine Person auf die Anzeige gemeldet, so Baumbusch. Ihr Kollege Stefan Kasseckert stimmt ihr zu. Die Gemeinde besitze kaum Bauland, die schlechte Haushaltslage trage ihr Übriges bei, die letzte Leerstandsanalyse liege schon ein paar Jahre zurück.

Lösung muss her

Michaela Hund hat mittlerweile ihren Such-Radius erweitert – bis ins 70 Kilometer entfernte Worms. Wichtig sei ihr , dass sie immer noch ihre Familie in Bischofsheim mit dem Auto besuchen kann. Sollte sie bald keine preiswertere Wohnung finden, werde sie ihre Möbel in einer Garage einlagern müssen und zeitweise zu ihrem Lebensgefährten ziehen, überlegt sie. Dessen Wohnung sei aber dauerhaft für zwei Personen und zwei Hunde zu klein. Andere Lösungen müssen her, doch was tun?

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