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Kunst: Objekt kunterbunter Träume

Es geschah nicht freiwillig, doch am Ende mit Freude: Straffällig gewordene Jugendliche haben kreative Arbeitsstunden abgeleistet. Unter Anleitung wurde ein Wohnwagen gestaltet – ein Objekt kunterbunter Träume.
Der kunterbunte Wohnwagen, den straffällig gewordene Jugendliche gestaltet haben: Davor (von links) Projektleiter Matthias Heidel, Pädagogin Elena Rudolf und Gastgeberin Bärbel Maul vom Stadtmuseum. Foto: Chalotte Martin Der kunterbunte Wohnwagen, den straffällig gewordene Jugendliche gestaltet haben: Davor (von links) Projektleiter Matthias Heidel, Pädagogin Elena Rudolf und Gastgeberin Bärbel Maul vom Stadtmuseum.
Rüsselsheim. 

Der kunterbunte Wohnwagen, der bis Sonntag, 14. Januar, im Innenhof der Festung einen Platz hat, ist ein originelles Objekt der Träume vom Leben in farbenfroher Geborgenheit. Zum Leben erweckt haben diese Träume straffällig gewordene Jugendliche, die in der Kunstgruppe der Kinder- und Jugendhilfe Frankfurt gerichtlich auferlegte Arbeitsstunden ableisteten. Das Ergebnis inspiriert und stimmt nachdenklich bezüglich jener Menschen, in denen ein beeindruckendes Potenzial der Gestaltungskraft wohnt und die doch früh ins Straucheln gerieten.

Warum die Jugendlichen straffällig geworden sind, können Marc Merly, Geschäftsführer des Vereins, und Projektleiter Matthias Heidel nur anreißen. „Es sind keine besonders glücksverheißenden Umstände, die ihr Leben prägen“, so Heidel. Er fügt hinzu: „Sie kamen nicht freiwillig zu uns, aber viele waren mit Spaß dabei.“ Kollegin Elena Rudolf, Studentin der sozialen Arbeit, ergänzt: „Sich kreativ auszuleben, hat viele gepackt. Und handwerklich wurde viel gelernt – etwa die Bohrmaschine zu gebrauchen.“

Erster Erfolg im Leben

Wahre Erfolgserlebnisse hätten sich eingestellt, als bei dem gut zweieinhalbjährigen Kunstprojekt „MobiJuzi“ ersichtlich wurde, dass hier etwas tatsächlich zu Ende gebracht wird, so Heidel. „Die meisten jungen Leute, die wir anleiten, haben vorher nie einen gelungenen Abschluss erlebt – weder schulisch noch in sozialen Zusammenhängen.“

40 junge Frauen und Männer – verurteilt wegen Schwarzfahren, Diebstahl, Körperverletzung und anderen Delikten – hätten in zehn oder hundert Arbeitsstunden – je nach Auflage – mitgearbeitet. Und sich teils im Inneren des Wagens verewigt: Askim, Ali und Evi haben ihre Namen ins Muster der Tapeten eingearbeitet, der Gesang zweier Mädchen ist über Box zu hören, auf Pappe aufgebrachte Silhouetten der jungen Leute, versehen mit persönlichen Gedanken, sind auf Kleiderbügeln im Schrank zu finden.

„Ich sehe ein Küken auf einer bunten Blume sitzen. Es ist allein, hat den Anschluss an die Familie verloren“, ist da beispielsweise zu lesen. Verpackt in kindliche Sprache, aus der den Leser die Sehnsucht nach Geborgenheit anspringt, gestatten Jugendliche einen Blick auf ihre Verletztheit.

Der Wohnwagen sei im wahrsten Sinn Resonanzkörper, so Heidel. „Ohne die Resonanz der jungen Leute auf unser Angebot gäbe es ihn nicht. Und er lockt Resonanz der Besucher hervor.“ Zudem erweist sich der Wohnwagen bei genauer Betrachtung als Wagen voller Töne: Dazu gehören auch eine Harmonika, Klangstäbe am Äußeren des Wagens, die ihre Töne ins Innere hineinsenden, sowie Gitarrensaiten, die rundum gespannt sind und durch Zupfen Besinnlichkeit verbreiten.

Bärbel Maul, die Museumsleiterin, die das „MobiJuzi“ als Kunstobjekt eines mobilen Jugendzimmers bei der Mitmach-Ausstellung zur Architektur „Haus gedacht“ eingeladen hat, sagt: „Es ist nicht alles rosarot. Die Botschaften des Wagens sind vielschichtig. Das Schaffen von Räumen, das Schaffen von Träumen, passt zu unsere Mitmachausstellung und insgesamt auch zur integrativ ausgerichteten Kunst-und Kulturarbeit unseres Hauses.“

Das „MobiJuzi“ wurde erstmals ausgestellt. Das Kunstobjekt kann gebucht werden, Kontakt: (0 69) 38 47 29.

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