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Grausame Verbrennung: Obdachlose: Gregors Tod hat zutiefst traumatisiert

Von Vor etwas mehr als vier Wochen ist der Obdachlose Gregor grausam verbrannt. Seine Freunde Adam und Arthur lässt das nicht los.
Adam und Arthur (von links) sitzen im Hof der Obdachlosen-Hilfe. Inzwischen möchten sie nicht mehr erkannt werden. Foto: Matthias Hoffmann Adam und Arthur (von links) sitzen im Hof der Obdachlosen-Hilfe. Inzwischen möchten sie nicht mehr erkannt werden.
Groß-Gerau. 

„Das ist eine Tragödie“, sagt Adam und starrt auf seine Hände. Er und Arthur können es noch nicht immer nicht glauben. Ihr Freund Gregor ist am Karfreitag bei lebendigem Leib verbrannt. Arthur schüttelt den Kopf. Darauf sind noch deutliche Spuren der Verbrennungen zu sehen, weil er und Gregor immer Kopf an Kopf geschlafen haben.

Arthur hatte in der Nacht zu Karfreitag noch versucht, seinen Kumpel zu retten. Doch es war zu spät. Der Obdachlose verbrannte auf offener Straße.

„Nicht möglich!“

Bis heute lässt Adam und Arthur die Frage nach dem Warum nicht los. „So ein Feuer, über zwei Meter hoch – das ist doch nicht möglich!“, sagt Arthur. Und Adam erzählt: „Mir wurde gesagt, dass die Polizei nach einem Mann mit einem schwarzen Mercedes sucht. Darmstädter Kennzeichen. Er soll am Abend der Tat einen Kanister Benzin an einer Tankstelle gekauft haben.“

Info: Das ist passiert

In der Nacht zu Karfreitag ist der Obdachlose Gregor W. bei lebendigem Leibe verbrannt. Polizei und Staatsanwaltschaft schließen ein Fremdverschulden nach derzeitigem Ermittlungsstand

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Der Verdacht der beiden: Jemand müsse das Feuer gelegt haben, Brandbeschleuniger müsse da im Spiel gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt verneint das. Ein Sprecher sagt: „Auch nach aktuellem Erkenntnisstand war es wohl ein tragischer Unfall.“ Für Adam und Arthur ausgeschlossen.

Sie vermuten, dass Gregor vor dem Tod angegriffen worden ist. Einen Schlag auf den Kopf soll er bekommen haben. „Er war ganz still, hat überhaupt nicht geschrien, als er gebrannt hat. Das ist doch nicht normal“, sagt Arthur. Auf seiner rechten Hand sind noch Brandwunden, die er sich beim Versuch zugezogen hat, Gregor zu retten. Er sagt: „Sein Gesicht war ganz zerschlagen.“

In Polen beerdigt

Auch das dementiert die Staatsanwaltschaft Darmstadt, die die Leiche nach der Obduktion zur Beerdigung frei gegeben hat. Gregor wurde am 8. Mai im heimischen Warschau bestattet. Die letzte Ehre konnten ihm seine Freunde nicht erweisen. Sie besitzen keine Papiere, von Geld ganz zu schweigen. Zurzeit schlafen sie in der Obdachlosen-Unterkunft in der Groß-Gerauer Schützenstraße.

Rechtlich ist das problematisch. Denn: Arthur und Adam sind keine deutschen Staatsbürger, sondern EU-Ausländer. Das bedeutet, dass ihnen staatliche Leistungen nur zustehen, wenn sie nachweislich entweder ein Jahr in Deutschland gearbeitet haben oder fünf Jahre hier gelebt haben.

Ein letztes Licht für Gregor - Trauergottesdienst für Obdachlosen in Groß-Gerau, der verbrannt ist
Freunde und Weggefährten nehmen Abschied Ein letztes Licht für Gregor

Es waren nur etwa 30 Menschen, die zum ökumenischen Gedenkgottesdienst für Gregor Wernik in die Stadtkirche kamen. Den Obdachlosen, der am Karfreitag auf furchtbare Weise gestorben ist, betrauerten enge Freunde und anteilnehmende Bürger.

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„Weis’ als Obdachloser mal nach, wo du die letzten fünf Jahre verbracht hast“, sagt Klaus Engelberty von der Diakonie. „Wir haben hier viele Besucher, die wissen nicht mal mehr, wo sie sich letzte Woche ihre Tagessätze geholt haben“, so der Leiter der Einrichtung für Männer ohne festen Wohnsitz.

Der Streetworker und sein mehrköpfiges Team von der Diakonie unterstützen die beiden Polen nach Kräften. Auch Stadt und Kreis ziehen an einem Strang. In Kürze steht ein Arztbesuch für Adam an. Er leidet an Epilepsie, hat regelmäßig Anfälle. Der Schlaks soll nach Riedstadt in die Psychiatrie, aber er will nicht. Vielleicht ist es die Angst, einbehalten zu werden. Mit Sicherheit ist es die Furcht, von seinem letzten verbliebenen Kumpel Arthur getrennt zu werden.

Schlafstörungen

Je mehr die Männer erzählen, desto deutlicher wird: Der Feuer-Tod von Gregor hat sie zutiefst traumatisiert. Sie leiden unter Schlafstörungen, und immer wieder tauchen Bilder des brennenden Freundes vor ihren geistigen Augen auf. Auf der Straße wollen sie nicht schlafen – sie haben Angst, ihnen könnte dasselbe widerfahren wie Gregor.

Adam und Arthur möchten in der Kreisstadt bleiben. Hier hätten sie viele Bekannte, hier seien ihnen die meisten Menschen mit Hilfsbereitschaft begegnet.

Auf die Frage, ob sie sich willkommen fühlen, erhebt Adam das einzige Mal seine Stimme. „Tak!“, ruft er laut – das polnische Wort für Ja – und schaut überrascht wegen der Frage drein. Passanten hätten sich rührend um sie gekümmert und ihnen ungefragt Kleidung und Essen gegeben. Überhaupt machen Adam und Arthur nicht den Eindruck, den eine Gruppe Bürger vermitteln will. Diese hatte vor der Tragödie eine Unterschriftenliste ausgehangen, mit dem Ziel, die Obdachlosen zu vertreiben. Während des Gesprächs fluchen die beiden nicht, sprechen die Dolmetscherin stets mit Frau Stanek an und halten beim Hinausgehen die Tür auf.

Nur Gregor fehlt. „Er ist ein guter Mensch“, sagt Arthur und benutzt dabei unbewusst das Präsens.

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