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Landfrauen-Tafeley: In Trebur speisen sie wie im Mittelalter

Beim Essen im Mittelalter-Stil der Treburer Landfrauen waren alle Plätze im Vereinsheim belegt. Die Stimmung war gut, das Essen reichlich. Auch sonst haben die Veranstalter nichts dem Zufall überlassen.
Zur Begrüßung werden jedem Gast die Hände in duftendem Rosenwasser gewaschen. Bilder > Foto: (Maraike Stich) Zur Begrüßung werden jedem Gast die Hände in duftendem Rosenwasser gewaschen.
TREBUR. 

Unter einem kleinen Pavillon steht eine Zinkwanne auf einem Tisch, Rosenblätter schwimmen auf der Wasseroberfläche. Hier empfangen die Landfrauen in fantasievollen Mittelalter-Kostümen die Besucher ihrer mittelalterlichen „Tafeley“ mit einer Handwaschung. „Ach, das genieß’ ich mal, das ist ja schon eine kleine Handmassage“, sagt eine Treburerin, als ihr von zwei Frauen gleichzeitig die Hände sorgfältig abgetrocknet werden. Derart präpariert betreten die Gäste als nächstes das Haus der Vereine, die langen Tafeln sind schon gedeckt mit braunen Servietten und Holzbesteck.

Es ist warm im Saal, sehr warm. Die ersten Damen, viele sind der Aufforderung gefolgt, sich passend einzukleiden, zücken ihre mitgebrachten Fächer und wedeln sich Luft zu. Von Anfang an ist die Stimmung im Saal gehoben, es wird gescherzt, geplaudert und gelacht, man kennt sich.

Draußen wird derweil ein Gast kurzerhand zum Ritter geschlagen. Norbert Born hat – dem Anlass entsprechend – ein Schwert mitgebracht, das er vor 50 Jahren selbst geschmiedet hat. Ehe er sich versehen kann, kniet er auf einem Strohballen und Lieselotte Dörr, die erste Vorsitzende der Treburer Landfrauen, erteilt ihm den Ritterschlag.

Bis ins kleinste Detail

„Das waren schon einige Wochen Vorbereitung“, berichtet Astrid Fischer, die zweite Vorsitzende. „Es ist alles bis ins Kleinste geplant“, ergänzt ihr Mann Burkhard, laut eigener Aussage die einzige männliche Landfrau von Trebur. Er, der sonst auch als die eine Hälfte des Trewwerer Mundart-Duos unterwegs ist, hat die Texte der Damen in mittelalterliche Form gebracht. Zudem unterhält er die Feiernden an diesem Abend musikalisch.

Die müssen nun ein exakt vorbereitetes Zeremoniell durchlaufen. Zuerst wird jeder Gast persönlich begrüßt und erfährt seinen Namen für diesen Abend. So findet sich nun ein Burgfräulein Margret vom Bergheime ebenso unter der Tafelgesellschaft wie Andreas, Ritter von Burglöwenstein oder Prinzessin Gertrud vom Nollböhl. Amüsiertes Gelächter und viele „Ahs“ und Ohs“ begleiten die Aktion.

Zeit für den Löffeltrunk

Als nächstes gehen mehrere Landfrauen mit einer Flasche, die eine tiefschwarze Flüssigkeit enthält, durch die Reihen: Zeit für den Löffeltrunk. Und der heißt nicht nur so, sondern wird tatsächlich jedem Gast von den Damen mit einem großen Löffel eingeflößt.

Nachdem sich dann auch noch jeder ein Tuch hat umbinden lassen, kann es losgehen, mit der „Tafeley“. Emsig schwirren die Landfrauen umher, bringen „Steinofenbrot aus dem Backes der Dorfbäckerei mit auf Buchenholz geräucherter Schlachterwurst“ aus der Küche heraus und servieren die Speisen. Der nächste Gang ist eine Suppe „Quer dorsch de Gaade“, darauf folgt ein üppiger Fleischgang mit Tafelspitz und Hackbraten. Ein Schnaps zur „Wamsberuhigung“ soll anschließend die Verdauung ankurbeln, um noch Platz für den Nachtisch, einen Kuchen nach „Markgräfler Art“ zu schaffen.

Aber an dem Tag wird nicht nur gegessen. Für den späteren Abend stehen ein Hufeisen-Spiel und ein Reigentanz im Freien auf dem Programm der Landfrauen.

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