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Unterschriftenlisten: Gibt es zum Eigenheim bald ein Bürgerbegehren?

Seit einigen Monaten wird das Treburer Eigenheim von der Gemeinde zum Verkauf angeboten. Eine Bürgerinitiative will das verhindern. Die nötigen Unterschriften der Bewohner für ein Bürgerbegehren wurden jetzt offiziell im Rathaus übergeben.
Die Mitglieder der Bürgerinitiative übergeben die gesammelten Unterschriften an Bürgermeister Carsten Sittmann (2. von links). Die Mitglieder der Bürgerinitiative übergeben die gesammelten Unterschriften an Bürgermeister Carsten Sittmann (2. von links).
TREBUR. 

Eine illustre Gesellschaft versammelt sich kurz vor 14 Uhr vor dem Treburer Rathaus. Angeführt vom ehemaligen Bürgermeister der Großgemeinde, Willi Girresch (SPD), sind der ehemalige Rüsselsheimer Bürgermeister Gerhard Löffert (SPD), der Vorsitzende des Vereins Heimat und Geschichte Wolfgang Kraft, Architekt Reinhard Winter und das langjährige SPD-Mitglied Ingo Erdmann erschienen. Gemeinsam wollen die Herren von der Bürgerinitiative zur Erhaltung des Eigenheims die in den vergangenen Monaten gesammelten Unterschriften übergeben.

Ihr Ziel ist es, den geplanten Verkauf des Eigenheims zu verhindern. „Die Gemeinde könnte jetzt beschließen, die Verkaufspläne zurückzuziehen“, beschreibt Löffert den Wunsch der Initiative. Passiere das nicht, wäre ein Bürgerbegehren der nächste Schritt. Genügend Stimmen haben die Initiatoren zumindest, um dies einzufordern.

„Wir haben in nur drei Monaten 1907 Stimmen gesammelt“, freut sich Girresch. Zehn Prozent der Treburer Bürger müssten für einen Entscheid stimmen, um diesen durchzusetzen, also hätten auch schon 1100 Unterschriften gereicht. „Die große Resonanz in der Bürgerschaft kann den Gemeindevorstand doch nicht unberührt lassen“, hofft der ehemalige Treburer Bürgermeister.

Ihre Argumente

Pünktlich um 14 Uhr treten alle den Weg zum Büro von Bürgermeister Carsten Sittmann (CDU) an. Am Konferenztisch tragen die Mitglieder der Initiative noch einmal ihre Argumente vor. „Ich denke, dass es wichtig für eine Gemeinde ist, Identifikationspunkte für die Bevölkerung zu haben“, führt Löffert an, der seit 17 Jahren in Trebur lebt und sich der Gemeinde eng verbunden fühlt. Neben der Laurentiuskirche sei das Eigenheim ein sichtbares Zeichen des Treburer Bürgersinns, betont er.

Kontrovers werden die von der Gemeinde geschätzten Renovierungskosten für das denkmalgeschützte Gebäude diskutiert. 350 000 Euro müssten nach offizieller Aussage investiert werden. Eine Summe, welche die Mitglieder der Initiative stark anzweifeln. Architekt Winter nennt als Beispiel die zusätzlichen Toiletten im Keller, die seiner Ansicht nach – er habe sich vor Ort umgesehen – nicht abgerissen und neu gebaut, sondern einfach nur gründlich gereinigt sowie gewartet werden müssten. Auch die Aussage, das Dach sei undicht und müsse erneuert werden, sei so nicht haltbar. Lediglich eine Kehle bei der Eingangsüberdachung müsse ausgewechselt werden.

Bürgermeister Sittmann will sich zu diesen Punkten nicht äußern. „Ich bin kein technischer Fachmann“, lautet seine Antwort. Er hört sich mit unbewegter Miene die Aussagen an und lässt nicht durchblicken, wie sein eigener Standpunkt in der Sache ist. Möglich sei in der weiteren Entwicklung alles, die Frage sei, ob es politisch gewollt werde. „Im Moment soll laut Wille der Gemeindevertretung verkauft werden“, erklärt er.

Einziger im Landkreis

Zum Schluss meldet sich Kraft zu Wort. „Der Veranstaltungssaal im Stil des Art déco ist der einzige im Landkreis, der noch in seinem ursprünglichen Zustand erhalten ist“, berichtet der Vereinsvorsitzende und ruft noch einmal die Entstehungsgeschichte des Gebäudes ins Gedächtnis. Ende der 20er-Jahre seien sowohl Eigenheim als auch Turnhalle von der Bürgern der Gemeinde nach Feierabend mit „eigenem Schweiß und Muskelkraft“ aufgebaut worden. Bei damals 2800 Einwohnern sei das eine echte Gemeinschaftsleistung gewesen. „Es bleibt kein Bürgerhaus, wenn es verkauft ist“ appelliert er leidenschaftlich an den Bürgermeister.

Der beschreibt die nächsten Schritte: Zuerst müssten die Unterschriften auf ihre formale Korrektheit hin geprüft werden. Eine Aussetzung der Verkaufsaktivitäten, die nach Ansicht der Bürgerinitiative während eines laufenden Bürgerbegehrens vonstatten gehen müsste, lehne er ab. Sollte tatsächlich ein Käufer gefunden werden, müsste die Gemeinde sowieso noch einmal ihre Zustimmung geben.

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