E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Usingen 30°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Schnakenplage: Ein Wettlauf gegen die Zeit

Seit Wochen legt Tiefdruckgebiet Ines über Deutschland. Starkregen und warme Temperaturen sind ideale Voraussetzungen für die Vermehrung der Stechmücken. Biologe Dirk Reichle ist bekämpft die Schnakenplage am Oberrhein und Main.
Ein Schnakenweibchen kann hunderte Eier legen. Bilder > Foto: (54298605) Ein Schnakenweibchen kann hunderte Eier legen.
Ginsheim-Gustavsburg. 

Es summt, es kitzelt, es sticht – und das nicht nur einmal, sondern mehrmals an Hals, Armen und Beinen, dort wo kein Stoff die Haut bedeckt. Für die Bewohner an der Mainspitze sind Schnaken an warmen Sommerabenden nichts Ungewöhnliches. Die langsam fließenden Nebenarme von Rhein und Main sind ideale Brutgebiete für Stechmücken. Sie brauchen Wasser und Wärme, um sich zu vermehren. Beides gab es im Mai zur Genüge. Im Juni ist keine Besserung in Sicht. Die Schnakenpopulation nimmt weiterhin rasant zu.

Dauerhochwasser am Oberrhein

„Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit“, sagt Biologe Dirk Reichle von der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS). Eine weibliche Stechmücke kann hunderte Eier in bevorzugt stehenden Gewässern ablegen, die nach ein bis zwei Wochen schlüpfen und sich ebenfalls fortpflanzen. Die derzeitige schwül-warme Wetterlage begünstige die Vermehrung der Schnaken am Oberrhein und im Maingebiet. „Wir haben Dauerhochwasser, nicht nur auf den klassischen Überflutungsflächen“, sagt Reichle.

Die Mitarbeiter des Vereins sind rund um die Uhr im Einsatz, um Mückenlarven in stark betroffenen Gebieten abzutöten. Die Wunderwaffe: Ein Bakterium, bekannt unter dem Kürzel BTI, das gezielt Stech- und Kriebelmückenlarven angreift. Das Bakterium werde nicht wahllos eingesetzt, sagt der Biologe. Vor dem Einsatz von BTI würden zunächst Wasserproben entnommen und die Larven darin gezählt. „Bei Dauerhochwasser haben wir extrem hohe Brutzahlen von bis zu 500 Larven pro Liter.“ Zum Vergleich: Der Schwellenwert für die aktive Bekämpfung liegt schon bei rund 50 Larven pro Liter.

Stark betroffene Gewässer kartieren die Mitarbeiter Jahr für Jahr. Doch durch die starken Regenfälle stehen immer mehr Flächen unter Wasser, viele von ihnen seien nur schlecht zugänglich. „Die nassen Wiesen sind ein Problem. Das Gras steht dort so hoch, dass fast kein Durchkommen ist“, erläutert Reichle. Zusätzlich erschwerten die mannshohen Gräser die Sichtung überschwemmter Rasenflächen, die zur Brutstätte für Tausende von Stechmücken werden können.

Unterstützt werden die Helfer aus der Luft. Helikopter werfen BTI-Granulat über großen Wasserflächen ab, die nicht vom Boden aus versorgt werden können. Zwei Einsätze seien bereits an der Mainspitze geflogen worden, berichtet Ruth Hebling vom Umweltbüro der Stadtverwaltung Ginsheim-Gustavsburg. „Es wurde jetzt schon so viel BTI ausgetragen wie im gesamten letzten Jahr“, sagt sie. Doch Reichle gibt Entwarnung. „Wir haben alle Hochwasserspitzen im Griff. Die Situation in Hessen ist sehr gut.“ Das schließe die Mainspitze mit ein.

Bürger können selbst aktiv werden

Um die Schnakenpopulation auch innerhalb der Wohngebiete möglichst gering zu halten, sind die Städte und Gemeinden auf die Mithilfe der Bürger angewiesen. Schon kleine Wasserlachen reichten für die Eiablage aus – „Untersetzer von Blumenkübeln, Wasserfässer, sogar flache Garagendächer können zu ,Bioreaktoren’ werden, falls sich Wasser dort sammelt.“ Deshalb sollten diese regelmäßig geleert beziehungsweise trocken gelegt werden. Bei Pools und Planschbecken empfehle sich eine gut schließende Abdeckung. Ist dies nicht möglich, könnte das Wasser mit BTI-Tabletten behandelt werden, das gleiche gelte für Teiche ohne Fischbesatz. „Der Wirkstoff wirkt ausschließlich gegen Schnaken, für andere Lebewesen und für Pflanzen ist er unschädlich“, erklärt Hebling.

Die Tabletten sind kostenlos in den Bürgerbüros und in den Rathäusern in Ginsheim und Gustavsburg erhältlich. Ruth Hebling steht unter der Telefonnummer (0 61 44) 20-164 für Fragen zur Verfügung.

Zur Startseite Mehr aus Rüsselsheim

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen