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3000 Eintrittskarten: So leidenschaftlich sammelt Eintrachtsmarc aus Eschborn Fan-Artikel

Von Marc Reinmann hat das Dachgeschoss seiner Wohnung in ein Museum verwandeltt. Nahezu jeder Millimeter ist bedeckt von Fußball-Schals, Eintrittskarten, Trikots und weiteren Kicker-Devotionalien. Das auffälligste Exponat aber kommt aus dem Eishockey: der Original-Meisterpokal der Frankfurt Lions aus der Saison 2003/2004.
Groundhopper und Fußballverrückter: Marc Reinmann in seinem kleinen Museum im Dachgeschoss. Foto: Maik Reuß Groundhopper und Fußballverrückter: Marc Reinmann in seinem kleinen Museum im Dachgeschoss.
Eschborn. 

Das Telefon klingelt, Marc Reinmann entschuldigt sich kurz. Unweigerlich schweift der Blick während der Gesprächspause durch seinen, nun ja, Hobbyraum wäre untertrieben. Kleinteilig, bunt, an der Decke, auf dem Boden, auf der Toilette nebenan – überall strömen unzählige Reize auf das Auge ein. Manches erscheint fremd, anderes wie das Alex-Meier-Trikot im Flur angenehm vertraut. Die Zahlen hat „eintrachtmarc“, so sein Spitzname, im Kopf: „Rund 800 Schals, knapp 3000 Eintrittskarten, etwa 100 Stadien…“ Stadien? Tatsächlich sind die schmucken Miniaturmodelle bei vielen namhaften Vereinen gang und gäbe. Sein Lieblingsclub allerdings hat so etwas (noch) nicht im Fankatalog.

Das Berliner Olympiastadion – ausnahmsweise mit einem Schoko-Fußball der Frankfurter Eintracht. Bild-Zoom Foto: Maik Reuß
Das Berliner Olympiastadion – ausnahmsweise mit einem Schoko-Fußball der Frankfurter Eintracht.

Marc Reinmann kam gerade aus Russland zurück, uns berichtete er von dort bereits von seinen Eindrücken bei der Fußball-WM. 2002, als er aus Sossenheim nach Eschborn zog, dauerte es drei Wochen, bis alle Gegenstände abgehängt und transportfertig waren. In der Zwischenzeit sind einige weitere dazugekommen. Seine Leidenschaft begann 1988 in einem Urlaub auf Mauritius, als er durch Zufall das dortige Meisterschaftsfinale besuchen konnte. Seitdem ist er Groundhopper, sammelt Stadionbesuche und jede Menge Andenken an die Spiele.

Das Trikot von Ali Daei

Bücher, mit denen er Ordnung hält, sucht man vergeblich: Es gibt eine Groundhopper-App, mit der man unter anderem weltweit angesetzte Spiele suchen und Stadionbesuche dokumentieren kann. Das wäre aber wohl gar nicht nötig, sein Gedächtnis ist gut: „Wenn jemand hier zwei Schals vertauschen würde, ich würde es sofort merken“, versichert er.

Machen wir die Probe aufs Exempel: Das iranische Nationaltrikot an der rechten Wand? „Das habe ich 1998 nach dem WM-Spiel von Ali Daei bekommen.“ In seiner Heimat ist er eine Legende, eine Zeit lang spielte er in der Bundesliga bei Bayern München. „Ich hatte ein Anti-Bayern-Shirt an, aber er hat wohl nur das Bayern-Logo gesehen und mir das Trikot gegeben“, berichtet Reinmann lächelnd.

Der Fußballfan ist Versicherungsmakler, sein Büro befindet sich im Haus. Wenn Gespräche einmal schleppend verlaufen, bittet er seine Klienten manchmal nach oben – und schon ist das Eis gebrochen. Einmal hatte er es mit einem iranischen Geschäftsmann zu tun. Als er das Daei-Trikot sah, sei er auf die Knie gegangen und habe zu weinen angefangen.

Noch weiße Flecken

Etwa einen Meter weiter ist ein weißes Trikot mit vielen Unterschriften zu sehen. „Färöer“, sagt er. Sie waren beim Spiel gegen Deutschland im selben Hotel gewesen, und er kam mit dem Trainer ins Gespräch. Als die Stimmung zu späterer Stunde gelöster war, ging der Nationalcoach mit ihm von Schlafzimmer zu Schlafzimmer, um mit ihm die Autogramme der färöischen Spieler einzusammeln. Noch mehr Namen, rund 25 000, sind auf dem Trikot des spanischen Vereins Alavés zu lesen, allerdings aufgedruckt. Alle Mitglieder des Vereins sind darauf verewigt, erstanden hat er es beim UEFA Cup-Finale 2001 gegen Liverpool. „Eine schöne Idee. So etwas gibt es in Deutschland leider noch nicht“, findet Reinmann.

Wie er seine Leidenschaft finanziert? „Wer raucht und regelmäßig in die Disco geht, gibt mehr Geld aus“, antwortet er. Die Flugpreise seien im Vergleich zu früher stark gesunken, und auch die Eintrittskarten in kleinere Stadien kosten meist nicht viel – bieten aber mitunter viel Abenteuer, wie das Victoria Stadium in Gibraltar, das direkt neben dem Flugplatz liegt: „Wenn ein Flug startet, wird das Spiel unterbrochen.“ Unvergesslich war auch der Besuch eines Halbfinales der Township-Meisterschaften auf einem roten Sandsportplatz während der WM in Südafrika. Dabei wollte er mit einem Freund ursprünglich nur einer DFB-Spendenübergabe beiwohnen.

Einige weiße Flecken hat auch Reinmann noch in seinem Groundhopper-Atlas. Zu den Wunschzielen zählt das Stadion des slowakischen Clubs TJ Tatran Cierny Balog. Hier muss er den richtigen Zeitpunkt abpassen, denn zwischen Haupttribüne und Spielfeld verkehrt eine Eisenbahn, die er natürlich während des Spiels in Aktion sehen will, wenn er schon mal dort ist. Auch das größte Stadion der Welt hat er noch nicht besucht: Es fasst rund 114 000 Menschen und steht in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang.

Der Meisterpokal

Sein privates Museum ist auf das Dachgeschoss begrenzt. Ein Übergreifen auf den Rest der Wohnung ist ausgeschlossen, wenngleich seine Frau großes Verständnis für sein Hobby hat: „Sie hat mich so kennengelernt.“ Die beiden Kinder haben mit Fußball wenig am Hut. Indes steht Eishockey bei der Familie auch hoch im Kurs. Auf einem Tisch steht der Meisterpokal der Frankfurt Lions von 2003/2004. Das Original, wohlgemerkt.

„Der Insolvenzverwalter hatte ihn mitgenommen“, schildert er. Auf sein erstes Gebot, 5000 Euro, ging dieser nicht ein. Sechs Monate später wiederholte er es, und innerhalb weniger Minuten kam die Antwort: „Sie können ihn bezahlen und abholen.“ Obendrein gab es noch allerhand weitere Erinnerungsstücke dazu, wie etwa den Dolomiten-Cup, gewonnen in Südtirol, und „Spieler des Tages“-Auszeichnungen. Kurz darauf rief die Stadt Frankfurt an und wollte ihm den Pokal abkaufen, erzählt er. Er hätte einen beträchtlichen Gewinn machen können, aber er lehnte ab. Welcher passionierte Sammler gibt schon ein Lieblingsstück seiner Kollektion her?

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