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FDP-Chef in Kelkheim: Christian Linder wird fast wie ein Popstar gefeiert

Von Große Bühne statt kleiner Saal: Christian Lindner lockt nicht nur FDP-Politiker in die Möbelstadt. Und Patrick Falk vom Kelkheimer Stadtverband spricht ihn auch auf ein lokales Thema an.
Emotionale Begrüßung: Christian Lindner bei seiner Ankunft in der Kelkheimer Stadthalle. Foto: Knapp Emotionale Begrüßung: Christian Lindner bei seiner Ankunft in der Kelkheimer Stadthalle.
Kelkheim. 

Wenn es so etwas gäbe wie einen „Popstar“ unter den deutschen Spitzenpolitikern – Christian Lindner würde in die engere Auswahl kommen. Als der Chef der Bundes-FDP am Montag in der Stadthalle den Liberalen und anderen interessieren Bürgern einen Besuch abstattet, begeistert er die Massen. Immer wieder Applaus – mal artig, mal fast euphorisch. Nach seiner gut einstündigen Rede ist noch lange nicht Schluss für den 39-Jährigen. Besucher drängen sich um Lindner, wollen ein Autogramm oder ein Selfie. Ein Senior plaudert mit ihm über FDP-Legende Hans-Dietrich Genscher, dann noch ein paar Fotos – und Lindners Sommertour findet ein fröhliches Ende. Zuvor war er an den Universitäten in Darmstadt, Marburg und Gießen

Großauftritt gestemmt

Bereits vor der Veranstaltung sind die Kelkheimer bester Stimmung. Fraktionschef Michael Trawitzki hilft am Eingang. Eigentlich sollte Lindner in den kleinen Saal mit 100 Plätzen kommen. Doch schon bald habe sich ein riesiges Interesse abgezeichnet. Parteichef Patrick Falk kommt hinzu, zeigt auf dem Handy aktuell eingehende Anmeldungen. Der Kelkheimer Stadtverband mit seinen über 60 Mitgliedern sei als einer der wenigen im Kreis in der Lage, einen solchen Großauftritt zu stemmen, betont er. Dafür machen die Liberalen reichlich Landtagswahlkampf, geben den gut 550 Gästen die Getränke aus, lassen eine Band spielen und geben der Landtagskandidatin für den Ostkreis, Stephanie Müller, eine Bühne. Ihr Plädoyer für die Regionaltangente West sowie für Straßenbauprojekte – 30 Millionen seien von Hessen im Bund nicht abgerufen worden –, geht allerdings etwas unter. Immer wieder richten die hinteren Reihen den Blick zur Tür. Doch Lindner taucht erst bei der Überbrückung mit Musik auf.

Info: In Wuppertal geboren

Wie er in Kelkheim betonte, stammt Christian Lindner aus dem bergischen Land – „zwischen rheinischer Beständigkeit und sauerländischer Fröhlichkeit“. Geboren wurde der 39-Jährige in Wuppertal.

clearing

Und kommt gleich zur Sache. Die Bühne ignoriert er, bleibt im Saal auf Augenhöhe. Schnell bricht er das Eis: „Ich habe zuletzt die Erfahrung gemacht, dass die FDP in Parlamenten keine Sitze mehr hat. Dass es aber bei Veranstaltungen der FDP keine Sitzplätze mehr gibt, ist überwältigend.“ Er erinnert an sein Veto, das die Jamaika-Koalition im Bund hat platzen lassen: „Die Freien Demokraten erinnern sich an das, was sie vor der Bundestagswahl gesagt haben. Das fällt auch leichter, nachdem wir die vier Wochen komprimierten Wahnsinns zuletzt erlebt haben.“ Lindner weiß: „In dieser Zeit wäre eine stabile Regierung ein Wert an sich.“ Und springt so zu seinen fünf „Zeitenwenden“, die seiner Ansicht nach momentan die politische Lage so schwierig machen:

  Wirtschaft: Bürokratische Fesseln lösen, Investitionen und spürbare steuerliche Entlastungen: „Ich rede von Frankreich“, betont Lindner. In Deutschland würden hingegen neue Hürden aufgebaut – etwa beim Datenschutz. „Da gerät der Vereinsvorsitzende eines Tennisclubs in Gefahr, dass ihn ein Anwalt abmahnt. Da wird ein Geschäftsmodell draus.“ Die Steuerlast sei neben Belgien die höchste. Was beim Baukindergeld gespart werde, gehe bei der Grunderwerbssteuer raus. Lindner: „Wir wünschen uns Politik, die das Geschäftsmodell Deutschland fit macht.“

  Digitalisierung: Wieder der Blick zum Nachbarn: Frankreich habe ein Digitalisierungs-, Deutschland ein Heimatministerium, kritisiert er. In Nordrhein-Westfalen gebe es immerhin ein Ressort Digitales. Dort könnten sich neue Firmen online gründen, müssten nicht nach Estland ausweichen. Nur allein für Gewerbeanmeldungen würden somit 500 000 Stunden in den Wartezimmern deutscher Behörden eingespart, rechnet er vor. In Hessen sei er weniger besorgt über die Schlaglöcher in Straßen als über die Funklöcher. Es hieß „Digitalisierung ist wie Fußball – da dachte man, man wäre gut“. Stattdessen sei es wie Eishockey, „brutal schnell, im dritten Drittel – wir müssen aufholen“.

  Internationalität: Lindner spricht sich für Gespräche mit Russland aus, einen „G 7+1-Gipfel“. Es müsse „immer neue Angebote geben, eine Eskalationsspirale zu verlassen“. Und er wünscht sich in einem starken Europa auch eine „europäische Armee“.

  Einwanderung: Der FDP-Chef fordert ein Einwanderungsgesetz: „Es muss ein großer Wurf werden. Eines, das die Menschen wieder versöhnt.

  Verrohung der Sprache: Wenn die Politik schon von „Asyltourismus“ spreche, werde das an den Frühstückstischen noch derber formuliert, fürchtet Lindner. Auch deshalb sei die AfD so stark und komme der hessischen Landtagswahl neben eine Bayern eine hohe Bedeutung bei. Er fordert die Besucher auf, sich politisch zu engagieren. Am besten bei der FDP, die Werbezettel liegen natürlich aus.

Patrick Falk hat die Trommel noch in heimischer Sache gerührt und Lindner auf die von den Liberalen gewünschte Umgehungsstraße angesprochen. Falk: „Er hat gesagt, er prüft es und nimmt es mit in die Gremien.“

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