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Hotel und Restaurant Lahnbrücke schließt: Unwetter vernichtet die Existenz von Gastwirt Klaus Daners

40 Jahre lang waren Hotel und Restaurant Lahnbrücke in Aumenau der Lebensinhalt von Klaus Daners. Nun hat das Unwetter vom 5. Juli ihm seine Existenz genommen.
Bis in den Oktober hinein hatten sich bereits Gäste angemeldet, denen Klaus Daners nun absagen muss. Foto: Kerstin Kaminsky Bis in den Oktober hinein hatten sich bereits Gäste angemeldet, denen Klaus Daners nun absagen muss.
Aumenau. 

„Ich bin alt. Ich schaffe es einfach nicht mehr, das alles hier wieder in Ordnung zu bringen“, sagt der Gastwirt mit brechender Stimme. Mauern, Decken und Tresen der Wirtschaft müssten nach dem Wassereinbruch instandgesetzt werden. „An die Stille im Haus muss ich mich erst gewöhnen“, so der 70-Jährige bekümmert. Denn nicht nur die Gäste fehlen. Auch von seinen fünf Mitarbeiterinnen, die im Service und in der Küche beschäftigt waren, musste er sich trennen.

1978 hatte Klaus Daners zusammen mit seiner Frau das Hotel an der Lahn gekauft und in Eigenleistung die Fremdenzimmer modernisiert. Liebevoll erzählt er, wie seine inzwischen verstorbene Gattin mit ihrer schönen Schrift damals alle Einladungen mit der Hand schrieb, weil sämtliche Drucker im Streik waren.

Regenwasser drang ein

Das Traditionshaus „Lahnbrücke“ war immer gut besucht, konnte sich über die Jahrzehnte hinweg einen guten Namen bewahren. „Sogar der Prinz von Nassau ist schon mal hier gewesen“, erinnert sich Daners. Im großen Saal seien rauschende Feste gefeiert worden, und besonders gern denkt der Wirt an den Geburtstag eines reichen Antiquitätenhändlers zurück, der für das Fest einen bekannten Musiker mit seinem gläsernen Klavier engagiert hatte.

Das 120 Jahre alte Hotel Lahnbrücke in Aumenau ist nach dem Unwetter geschlossen. Bild-Zoom Foto: Kerstin Kaminsky
Das 120 Jahre alte Hotel Lahnbrücke in Aumenau ist nach dem Unwetter geschlossen.

Künftig werden weder Musik noch das Klappern von Töpfen und Geschirr in dem 1898 gegründeten Gasthaus zu hören sein. Nachdem bei dem Unwetter am 5. Juli Hagelkörner die Regenrinnen und Abflüsse auf den Balkonen verstopft hatten, drangen große Wassermengen durch das Dach und die Balkontüren in die Zimmer der ersten Etage ein. Die Folge: Fußböden weichten durch, das Wasser durchzog die alte Balkendecke und beschädigte auch den Überbau des Tresens. „Ich kann nicht mal Licht anmachen“, beklagt Daners. Denn nach Einschätzung eines Fachmanns müssen die in der Decke verlegten Stromkabel mindestens 14 Tage trocknen.

„In meinem Alter all diese Schäden zu beheben und dann hier weiterzumachen, das übersteigt meine Kraft. Und meinen Idealismus“, sagt Klaus Daners leise. Zudem weiß er nun, dass seine Versicherung nicht hilft, denn er hatte keine Elementarschadenpolice abgeschlossen.

Er will Aumenau verlassen

„Vielleicht fängt die Gemeinde oder das Land etwas ab“, hofft der Gastwirt. Sein Schwiegersohn, der ihm seit dem Unglück tatkräftig zur Seite steht, hat von der Villmarer Homepage einen Antrag auf Finanzhilfe heruntergeladen und die Unterlagen zusammen mit dem Geschädigten durchgearbeitet. „Allein wäre mit dem Papierkram völlig überfordert“, bedauert der 70-jährige Hotelier. „Nach dem Schock kann ich immer noch nicht klar denken“.

Klaus Daners und sein Schwiegersohn Gerd Reiss betrachten die nasse Balkendecke der Wirtschaft. Auch der Tresen hat Schaden genommen. Bild-Zoom Foto: Kerstin Kaminsky
Klaus Daners und sein Schwiegersohn Gerd Reiss betrachten die nasse Balkendecke der Wirtschaft. Auch der Tresen hat Schaden genommen.

Klaus Daners hofft, bald einen Käufer für die Immobilie zu finden. „Ich muss dann natürlich auch aus meiner Wohnung raus“, weiß er und plant, Aumenau dann ganz zu verlassen. „Hierbleiben wäre einfach zu schmerzhaft“, sagt er. Zusätzlich zu einer neuen Bleibe sucht Daners nach einer neue Aufgabe. Denn er fürchtet, in ein tiefes emotionales Loch zu fallen, sofern er zum Nichtstun verdammt wäre.

Zwar trug sich Klaus Daners schon seit dem unerwarteten Tod seiner Ehefrau vor nunmehr zehn Jahren mit dem Gedanken, Hotel und Restaurant zu verkaufen. Doch dass nun von einem auf den anderen Tag alles vorbei ist, hätte er sich niemals vorstellen wollen.

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