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Erdbeben-Hilfe: Nepal braucht Hilfe

Von Jürgen Mitter (52) ist gerade aus Nepal zurück. Der Mitarbeiter des Bad Camberger Stadtbauamts war mit seiner Lebensgefährtin Ulrike Winkler bei einer Trekking-Tour in der Everest-Region, als die Erde bebte. Weit genug entfernt vom Epizentrum erlebten die beiden nur einen kleinen Teil der Zerstörung und werben jetzt dafür, dass die Überlebenden in einem der ärmsten Länder der Welt genug Unterstützung bekommen.
Jürgen Mitter hilft in Namche Bazar beim Aufbau von Zelten, die als Notunterkünfte dienen. Jürgen Mitter hilft in Namche Bazar beim Aufbau von Zelten, die als Notunterkünfte dienen.
Bad Camberg. 

8.30 Uhr im „Waldschloß“: Für Jürgen Mitter ist es jetzt viertel nach zwölf. Im Kopf ist er noch in Nepal. Seit Samstagabend ist er wieder zurück, gestern, noch vor dem ersten Arbeitstag, berichtete er im NNP-Interview von seinen letzten drei Wochen. Er war zurzeit der Erdbeben etwa 200 Kilometer vom Epizentrum des ersten entfernt, beim zweiten Mal gut 100 Kilometer. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin war er gerade zu einer Tour aufgebrochen. Am sechsten Tag änderten sie die Strecke, denn er hatte so starke Zahnschmerzen, dass ein weiterer Aufstieg nicht mehr möglich war. Das war der 26. April, der Tag des ersten Bebens.

Sie saßen gerade in einem kleinen Teehaus, hatten das Mittagessen bestellt. Kurz bevor die Suppe serviert werden sollte, fing plötzlich das Holzhaus an zu wackeln. „Das dauerte etwa 20 Sekunden, und da wir beide noch nie ein Erdbeben erlebt hatten, konnten wir das so noch nicht zuordnen. Die Bewohner, die Familie dort, waren sich erst auch nicht so sicher. Dann folgten in kurzen Abständen die Nachbeben, alle haben ihre Sachen gepackt und sind raus vor das Haus. Wir natürlich mit.“

 

Ganz unterschiedlich

 

In den nächsten Tagen sollten sie immer wieder auf zerstörte Häuser treffen – trotz der großen Entfernung zu den schlimmsten Orten der Katastrophe. „Darüber haben wir mehr über das Internet erfahren“, sagt Mitter, der sich auf diesem Wege die ersten Informationen besorgte und auch die Familie daheim beruhigen konnte. „Die Lage war ganz unterschiedlich. In der Everest-Region, in der wir unterwegs waren, gibt es Orte, die fast komplett zerstört worden sind, und fünf Kilometer weiter ist nur wenig beschädigt worden. Soweit wir das mitbekommen haben, gab es in unserem Bereich keine Todesopfer“, sagte der Bad Camberger.

Zum achten Mal war Jürgen Mitter jetzt in der Region, Ulrike Winkler hatte er dort im vergangenen Jahr bei einer Tour kennengelernt, und beide informierten sich natürlich in den nächsten Tagen auch über die Guides und deren Familien über die Lage. Sie machten sich auf den Weg zum nächsten größeren Ort, Namche Bazar. „Dort haben wir Quartier bezogen, einen Rundgang durch den Ort gemacht. Alles war wie ausgestorben.“ Auf der Strecke fanden sie etwa zehn Häuser vor, die stark beschädigt waren, Wände waren eingestürzt, teilweise gab es riesige Löcher. „Das liegt auch an der Bauweise, der Kombination der Holz-Steinhäuser, bei denen die Gefache mit Lehm verbunden sind.“

 

Evakuiert

 

Namche Bazar wurde einen Tag lang komplett evakuiert, und gemeinsam mit den Bewohnern und ihren Familien schlugen sie Zelte und Notunterkünfte etwa 50 Meter oberhalb des Ortes auf. „Über drei große Plätze verteilt waren das über 200 Zelte und Notunterkünfte mit Planen.“ Vielleicht 1000 Menschen werden dort gewesen sein, schätzt Mitter.

Die Fernseh-Bilder über das Leid der Menschen und die Zerstörungen zu sehen, tat den beiden in der Seele weh. „Aber wir konnten auch sehen, dass sofort wieder mit dem Aufbau begonnen wurde, dort, wo wir waren. Es war viel Militär und Polizei im Einsatz.“ Wichtig waren auch die Flugzeuge. Mitter: „Es gibt hier keinen Bahnverkehr und nur ein sehr sparsames Straßennetz.“ Vielerorts wird nicht gefahren, sondern getragen – sei es von Tieren oder Menschen. Die Erreichbarkeit nur zu Fuß sorgt in solch einer Krise dafür, dass Hubschrauber die beste Möglichkeit bieten, gezielt die schwierigsten Einsatzorte zu erreichen. „Nepal ist eines der ärmsten Länder der Welt, und deshalb ist man natürlich auf die Hilfe anderer Länder angewiesen.“

Auf ihrem Rückweg liefen Jürgen Mitter und Ulrike Winkler fünf Tage zum kleinen Flughafen in Paphlu. Von dort ging es nach Kathmandu und zurück nach Hause. „Wir hatten regelrecht Angst vor Kathmandu nach den Fernsehbildern.“ Doch die Lage hatte sich stabilisiert, der Rückflug war problemlos. „Nicht überall herrschte solch ein Chaos, wie es hier in den Medien zu sehen war.“ – „Die Menschen haben begonnen, wieder aufzubauen, trotz allem Leid. Und sie brauchen die Hilfe von außen ebenso wie den Tourismus.“ Der ist eine der Hauptlebensadern. „Ich kann nur motivieren, weiter dort hinzufahren.“

 

Jürgen Mitter war nun zum achten Mal in Nepal und wird am Freitag, 22. Mai, um 19.30 Uhr im Bad Camberger Kurhaus von dieser letzten Reise berichten, die ihn mit der Not der Menschen konfrontiert hat. Eintritt wird nicht erhoben, aber er bittet um Spenden für die „Himalaya Friends“, eine deutsche Hilfsorganisation, zu der er persönlichen Kontakt hat.

Bilderstrecke Erdbeben-Katastrophe: Tragische Bilder aus Nepal
Viele Tempel und auch Unesco-Weltkulturerbe ist dem Boden gleich.Nepal versinkt im Chaos. Nach dem Erdbeben der Stärke 7,8 am Samstagnachmittag (25.04.2015) liegt der Himalaya-Staat in Trümmern.
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