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Erfolgreiche Fahndung: Mordprozess nach 15 Jahren

Von Rund um den Erdball hatten die Ermittler nach einem Pakistani gefahndet, der in Limburg seine Lebensgefährtin erstochen haben soll. Nach einer jahrelangen juristischen Odyssee sitzt der Mann seit Ende April in Limburg in Untersuchungshaft – und morgen nebenan im Landgericht auf der Anklagebank.
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Limburg. 

Mordprozesse sind für die Limburger Staatsanwaltschaft zwar nicht alltäglich, aber auch nicht außergewöhnlich. Das Verfahren, das morgen vor der 2. Schwurgerichtskammer des Landgerichts beginnt, ist jedoch auch für die Strafverfolger etwas Besonderes. Dass es dazu kommt, ist für sie schon ein riesiger Erfolg.

Die Ermittler waren sich von Anfang an sicher, wer am 1. November 2002 in Limburg eine 34-Jährige Frau erstochen hat. Sie fahndeten nach dem Pakistani rund um den Erdball und ließen sich auch von politischen und juristischen Hindernissen nicht aufhalten. Die Hartnäckigkeit zahlte sich aus. Der Mann ist im April überstellt worden. Deutschlandweit ist nur ein einziger Fall bekannt, in dem es gelang, die Auslieferung eines Verdächtigen aus der Islamischen Republik zu bewirken. Seitdem sitzt er in der Limburger Justizvollzugsanstalt in Untersuchungshaft. Ob er auch der Täter ist, muss die Kammer unter Vorsitz von Dr. Andreas Janisch herausfinden und entscheiden. Die Indizien sind laut Anklage erdrückend, doch der Pakistani hat nicht gestanden.

25 Zeugen sollen sich erinnern, was vor 15 Jahren im Umfeld des Verbrechens geschehen ist. Janisch hat außerdem vier Sachverständige geladen. Bis zum 11. Dezember sind elf Verhandlungstage terminiert.

Der heute 47-Jährige soll seine deutsche Lebensgefährtin in der Nacht auf den 1. November 2002 in der gemeinsamen Wohnung ,,Am Kissel“ durch einen Messerstich in den Rücken umgebracht haben. Erst am Nachmittag des folgenden Tages fanden Angehörige die Leiche; Staatsanwaltschaft und Polizei hielten die Nachricht aus ermittlungstaktischen Gründen zunächst geheim. Die Nachbarn hatten dem Vernehmen nach nichts mitbekommen, die Nachforschungen im Wohnumfeld der Toten gestalteten sich äußerst schwierig, und über den Aufenthaltsort des Flüchtigen gab es keine Erkenntnisse.

Das Paar war seit zwei Jahren zusammen, die Frau Anfang 2001 von Sprendlingen (Kreis Offenbach) nach Limburg gezogen. Sie hatte hier weder persönliche noch nachbarschaftliche Kontakte, lebte nach den Worten der Staatsanwaltschaft „in geordneten Verhältnissen“ und arbeitete außerhalb der Stadt als Verkäuferin. Mutter und Schwester machten den grausamen Fund. Weil die 34-Jährige sich nicht mehr gemeldet hatte, wollten die Angehörigen nach ihr schauen.

Flucht in die Heimat

Der Pakistani flüchtete unbemerkt. Ein halbes Jahr später entdeckten internationale Ermittler ihn in seinem Heimatland, ohne eingreifen zu können. Die Limburger Staatsanwaltschaft hielt trotzdem engen Kontakt mit dem Verbindungsmann des Bundeskriminalamtes (BKA) in Islamabad; die Stelle ist der deutschen Botschaft angegliedert. Und tatsächlich klickten 13 Jahre nach der Tat in Pakistan die Handschellen. Ein weiteres Jahr lang blieb das weitere Verfahren offen. Der Haftbefehl lautete auf Totschlag, nicht auf Mord. In Pakistan hätte der Mann auch zum Tode verurteilt werden können.

Die Limburger Staatsanwaltschaft führt den Fahndungserfolg auf die enge Zusammenarbeit mit dem BKA und die gute Mithilfe des Hessischen Justizministeriums und des Auswärtigen Amtes zurück. Danach sah es lange Zeit nicht aus – und bis dahin war es ein sehr weiter Weg. Zunächst mit einer weltweiten Fahndung und dann mit einem politischen und juristischen Verfahrensmarathon.

Die meisten hatten den Fall längst vergessen – bis auf die Angehörigen des Opfers und die Ermittler. Die Limburger Staatsanwaltschaft und das BKA ließen nicht locker, obwohl ihr Einsatz wenig Aussicht auf Erfolg zu haben schien. Sie hatten den Mordverdächtigen bereits im Mai 2003 in seinem Heimatland im Visier, doch aus politischen Gründen konnte der Mann nicht festgenommen werden, weil es zwischen Pakistan und Deutschland kein Auslieferungsabkommen gibt.

Es dauerte ewig, bis die Diplomaten sich einigten. Am 13. Dezember 2015 nahmen Kräfte einer Spezialeinheit den inzwischen längst wieder Untergetauchten in der Hauptstadt Islamabad fest. Danach beschäftigten sich verschiedene Gerichte mit dem Fall. Am 27. Dezember 2016 bewilligte das pakistanische Justizministerium die Ausreise.

Mitte April 2017 reisten zwei Limburger Kripo-Beamte nach Südasien, um den mutmaßlichen Täter abzuholen und über Dubai zurück nach Deutschland zu bringen.

Nun galt es, die Überstellung zu organisieren. „Auch das war logistisch gar nicht so einfach“, sagt Staatsanwalt Manuel Jung. Alle Auslieferungsunterlagen waren weg, mussten neu erstellt und übersetzt werden, auch die Fingerabdrücke erneut verglichen werden. Dann war der Pass des Tatverdächtigen abgelaufen. . . Jung wollte den 47-Jährigen über London einfliegen lassen, doch die englischen Behörden spielten nicht mit. Die Behörden in den Vereinigten Arabischen Emiraten zeigten sich kooperativer, aber bei der Zwischenlandung in Dubai wartete das nächste unerwartete Hindernis.

Probleme in Dubai

Weil die Limburger Polizisten in Zivil im Einsatz waren, gab es zunächst Probleme. Das ist in Dubai nicht üblich, der dort ansässige BKA-Vertreter überzeugte schließlich seine Kollegen. Am 22. April landeten die Drei in Frankfurt. Die Polizisten übergaben den Pakistani der Bundespolizei, ein Richter in Frankfurt erließ Haftbefehl.

Das Ziel, dem 47-Jährigen nun möglichst schnell den Prozess zu machen, war freilich auch nicht so leicht zu erreichen. Mehrere Zeugen von damals mussten erst wieder ausfindig gemacht werden. Das ändert für den Staatsanwalt nichts an der eindeutigen Botschaft dieses Fahndungserfolgs an alle Straftäter: „Egal, wo sie sich auf der Welt verstecken, die deutschen Behörden tun alles in ihrer Macht stehende, um ihrer habhaft zu werden“, sagt Manuel Jung. Für die Strafverfolger ist es keine Frage, dass der Aufwand gerechtfertigt war. Staatsanwältin Sabine Hönnscheidt will dies jetzt im Prozess auch rechtlich beweisen.

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