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"Die Höhle der Löwen": Heimischer Unternehmer darf sich über 400 000 Euro freuen

Von Was treibt einen jungen Mann aus Hahnstätten und seine zwei Studienfreunde an, sich in „Die Höhle der Löwen“ zu wagen? Nicht der Wunsch, einmal beim Fernsehsender Vox aufzutreten, sondern einer Investoren-Jury die Idee ihres Start-up-Unternehmens vorzustellen – und dafür eine saftige Finanzspritze zu bekommen.
Die Jury überzeugt: Ein junger Unternehmer aus Hahnstätten darf sich über eine saftige Finanzspritze freuen. Symbolbild: Imago Foto: imago stock&people (imago stock&people) Die Jury überzeugt: Ein junger Unternehmer aus Hahnstätten darf sich über eine saftige Finanzspritze freuen. Symbolbild: Imago
Hahnstätten. 

Gebrüllt haben am Ende fünf Löwen: Drei jubelnde Jungtiere, die sich zuvor sehr eindrucksvoll in der Manege des Fernsehsenders Vox präsentiert haben, und zwei gesetztere Löwen, die sich das Spektakel vom Rand aus betrachteten. Einer dieser beiden älteren Herren hat schließlich noch ein wenig lauter krakeelt als sein Kollege. Es ist der Ober-Löwe Carsten Maschmeyer, Finanzunternehmer und Vertriebsexperte. Sein etwas leiserer Mitstreiter heißt Frank Thelen; er gilt als Förderer von Start-up-Firmen insbesondere im Technologiebereich.

Die drei jungen Löwen sind der aus Hahnstätten stammende Sebastian Niewöhner, Sebastian Hust und Hendrik Seiler. Sie wollten für ihr Software-Unternehmen eine Finanzspritze von 400 000 Euro und dem Investor dafür eine 20-prozentige Beteiligung einräumen. Dafür haben sich die Männer in „Die Höhle der Löwen“ begeben, eine Fernsehshow, in der Start-ups um die Gunst von Investoren buhlen. Und, so viel darf man verraten, sagt Sebastian Niewöhner, der gezeigte TV-Beitrag ist lediglich ein knapper Zusammenschnitt des gesamten „Pitch“.

Zwei Stunden gebraucht

Der „Pitch“, der im Baseball den zielgenauen Wurf beschreibt, ist hier der perfekt servierte Leckerbissen für die Finanzlöwen, damit die anbeißen. Ist das Angebot fad oder langweilig präsentiert, ist die Möglichkeit vertan. Beißen die Löwen aber an, dann müssen die Bewerber ihre Chance in einer anschließenden Fragerunde nutzen und ihre Unterstützung festzurren. Das kann dauern. Zwei Stunden haben er und seine Geschäftspartner für ihren Pitch gebraucht, sagt der 28-jährige Niewöhner, der an der PPC-Schule sein Abitur machte.

Tatsächlich nahm die Präsentation des eigentlichen Produkts nur wenig Zeit ein. Die ehemaligen Studienkollegen und späteren Unternehmensgründer Niewöhner, Hust und Seiler etwa brauchten nur drei oder vier Minuten, um ihre Smartphone-App „Talentcube“ vorzustellen. Mit dieser Software kann man sich über sein Handy „per Video auf Stellen bewerben“, sagt Niewöhner. Für Personaler bestehe „die Möglichkeit, zusätzlich zur Jobausschreibung drei Fragen zu stellen, die der Bewerber jeweils in einem halbminütigen Video beantworten muss. Dadurch kann bereits vor der Einladung zum Gespräch eine erste Eignung fachlich und persönlich geprüft werden“. Spontaneität zählt. Oder wie Finanzlöwe Carsten Maschmeyer nach der Präsentation sagen wird: Das Tool habe das Potenzial, sich zum „Life-Changer“ zu entwickeln und „bessere Jobs für bessere Leute“ zu generieren.

Doch zwischen der Produktpräsentation und diesem Ritterschlag lagen knapp zwei Stunden, und in der Zeit wurden die Entwickler von Talentcube, das mittlerweile in München angesiedelt ist, gegrillt. Fragen zum Geschäftsplan und zu den Perspektiven, zur Strategie, zu Zielen, Kunden und deren Feedback mussten sie bestehen, mit Zahlen, Daten und Fakten überzeugen. „Wir sind alle drei Wirtschaftsinformatiker“, sagt Sebastian Niewöhner. Strukturiertes Arbeiten und Argumentieren ist ihnen vertraut. Nur nicht im Rampenlicht und vor einer Jury, die sie vorher nicht kennenlernen durften. Denn auch das ist Teil der Show: Eine Kennenlernrunde, ein Warm-up mit den Löwen gibt es nicht. „Es wird alles am Stück gedreht“, sagt Niewöhner. Jede Sekunde muss gut sein.

Künftig als GmbH

Und wenn keiner der Investoren angebissen hätte? Auch eine Ablehnung hätte Niewöhner und seinen Kollegen die Luft nicht abgeschnürt. „Wir hatten bereits vorher einen Kundenstamm und Investorentermine.“ Das Start-up befand sich schon auf dem Weg ins wirtschaftliche Establishment. Jetzt weist die Bilanz 400 000 Euro mehr aus. Die hat Carsten Maschmeyer in Talentcube gesteckt und sich 33,3 Prozent der Anteile gesichert. Das Brüllen hat sich gelohnt. Einen Tag nach der TV-Sendung gab Sebastian Niewöhner bekannt, dass das Unternehmen künftig als GmbH firmiert.

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