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Fußball-WM 2018 in Russland: Das Outfit zum WM-Anpfiff für weniger als 50 Euro

Die Welt glüht im Fußballfieber. Auch das Nassauer Land ist längst erfasst. Anlass genug für NNP- Redakteurin Anken Bohnhorst-Vollmer, sich auf Shopping-Tour für die angemessene Fan-Ausstattung zu begeben.
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Limburg. 

Das Ziel ist: Ich staffiere mich so für das erste Spiel der deutschen Nationalmannschaft aus, dass ich eindeutig als Fan von Jogis Jungs zu identifizieren bin, will aber in diese Verwandlung nicht mehr als 50 Euro investieren. Die finanzielle Obergrenze schließt folglich ein Originaltrikot mit Bundesadler und den drei schwarzen Streifen ebenso aus wie etwa eine vergoldet glänzende Nachbildung der begehrten Siegertrophäe. Zudem sollen sämtliche Artikel regionaler Herkunft sein. Das heißt, ich kaufe lokal ein, weiß aber selbstverständlich, dass keine der Devotionalien im Nassauer Land, aller Wahrscheinlichkeit nach nicht einmal in Deutschland gefertigt wurde. Nun gut, die Weltmeisterschaft ist ein internationales Geschäft.

Das Experiment beginnt. Ich betrete das Spielfeld, die Limburger Kernstadt, dribbele mich um zahlreiche Passanten – und lege mir eine Strategie zurecht. Zuerst muss es um den Kopf gehen. Die Schaltstelle für das weitere Vorgehen will nachhaltig geschützt sein. Und das möglichst in schwarz-rot-gold. Im Angebot sind Hüte, Kappen, Kopftücher und kleine Sonnen- oder Regenschirmchen. Interessant finde ich davon nichts. Denn ganz gleich, was mit den Fußballern geschieht, ich werde weder in der Sonne brutzeln, noch im Regen stehen, sondern in einer wasserdichten Kneipe sitzen. Hut und Kappe sind folglich überflüssig. Ich greife zu einem Haarreif, an dem zwei Deutschlandfähnchen fröhlich wackeln und winken. Das sorgt für Bewegung: Schnelle und kurze Kopfstöße, lange Wipp-Flanken, die den Gegner irritieren dürften. Kostenpunkt: 4,99 Euro.

Beitrag zu Fair-Play

Als nächstes schwebt mir die passende Oberbekleidung vor. Wenn schon kein atmungsaktives, figurbetonendes Trikot, dann wenigstens ein irgendwie sportliches T-Shirt. Die Herausforderung: Die Nachbildung vom Mannschafts-Dress gibt es entweder in Größen jenseits der XXL-Linie, also für richtig gewichtige Spieler, oder es handelt sich um billige Restware lange zurückliegender Turniere. Diese Hemden sind jedoch mit Namen von Fußball-Idolen versehen, die inzwischen ihre Enkel trainieren dürften. Nein, ein bisschen aktuell soll mein Outfit zum Anpfiff schon sein. Ich wittere eine Chance beim Discounter am Stadtrand. Der bietet ein weißes T-Shirt, auf dem zwischen schwarz-rot-goldenen Herzchen ein kleiner Ball hüpft. Das passt. Das scheint mir für 9,99 Euro ein reizender Beitrag zu Fair-Play.

Verfeinert wird dieses Arrangement durch eine Hawaii-Kette in Deutschlandfarben, die mir schon deshalb unerlässlich erscheint, weil ich im Gegensatz zu den allermeisten Kickern und vielen Fans keine Tätowierungen vorzuweisen habe, die sich kampfeslustig aus dem T-Shirt-Kragen an meinem Hals emporschlängeln. Fußball-Baumelei für 1,50 Euro. Als weiteren multifunktionalen Halsschmuck entscheide ich mich für eine Tröte. Auch dieses Plastik-Utensil ist mit einem Fähnchen ausgestattet. Heftiges Blasen dürfte demnach die Ohren betäuben und gleichzeitig das Kunststoff-Banner flattern lassen. Die Investition ist überschaubar und beläuft sich auf 2,99 Euro.

Polyester-Toga

Danach wird’s schwierig. Beinkleider und Schuhwerk wird es für mich nicht geben. Kurze Hosen sind in vieler Hinsicht unvorteilhaft, Stollenschuhe für Limburgs Kopfsteinpflaster ungeeignet – und ohnehin nicht in meinem Budget. Also werde ich mich in eine 90 mal 150 Zentimeter große, 5,99 Euro teure Deutschlandfahne hüllen. Es darf flattern, in überschwänglichem Jubel auch körperfern. Alternativ hätte ich mich auf den Kauf eines ebenfalls groß dimensionierten Handtuchs eingelassen. Das aber schlummert auf verborgenen Ersatzbänken. Meine Fragen nach WM-Handtüchern werden mit Kopfschütteln quittiert. Auch Bettwäsche mit aufgedruckten Fußball-Köpfen scheidet aus. Es bleibt bei der Polyester-Toga und der Frage nach einem weiteren Accessoire, das möglichst so eindringlich scheppert, dass die Nationalkicker diese Anfeuerung selbst im fernen Russland hören. Meine Wahl fällt auf das Modell „Klapperhand Deutschland“ für 2,49 Euro. Lauter kann handgemachtes Klatschen nicht sein.

Halbzeit. Der Zwischenstand ist ermutigend. 27,95 Euro habe ich bislang ausgegeben. Es bleibt also Luft nach oben und Geld für ein wenig fußballerischen Firlefanz. Zum Beispiel die unvermeidliche Drei-Farben-Schminke für 2,45 Euro und für einen Mini-Ventilator, der für frischen Wind am Spielfeldrand des Fernsehers sorgen soll. Einschließlich Batterien kostet diese Belüftung 4,99 Euro. Jetzt wird’s spannend. Ich habe mich durch mehrere Fan-Abteilungen ins Finale meines Experiments gespielt. Was fehlt, ist der Pokal. Und den gibt’s tatsächlich für 9,99 Euro. Gut spielen, ist selbstverständlich, ausreichendes Lungenvolumen erforderlich. Denn die Trophäe ist 50 Zentimeter hoch und muss aufgeblasen werden, was insofern angemessen ist, als es dem Besitzer das Gefühl der fußballerischen Atemlosigkeit vermittelt. Endlich am Ziel. Für 45,38 Euro bin ich bestens ausgestattet und habe sogar noch etwas übrig für das erste Kaltgetränk der WM.

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