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Frauenuntypische Berufe: Berufswahl: Das lernt man alles am Girls’ Day

Von Jeden letzten Donnerstag im April ist Girls’ Day – seit einiger Zeit auch Boys’ Day. Ziel ist, Mädchen für frauenuntypische Berufe zu interessieren, bei Jungs genau umgekehrt. Alina Göbel hat ihren Girls’ Day auf dem Bauernhof verbracht – und rät allen, die Möglichkeiten dieses Tages zu nutzen.
Alina Göbel (18) kommt zurück an den Ort ihres Girls’ Day vor ein paar Jahren. Sie hat die Zeit mit den Tieren genossen. Karin Stähler (links) gibt gerne Einblick in die heutige Landwirtschaft. Foto: Petra Hackert Alina Göbel (18) kommt zurück an den Ort ihres Girls’ Day vor ein paar Jahren. Sie hat die Zeit mit den Tieren genossen. Karin Stähler (links) gibt gerne Einblick in die heutige Landwirtschaft.
Limburg-Weilburg. 

An den Melkroboter kann sie sich noch genau erinnern. Das war eines der Geräte, die Alina Göbel bei ihrem Girls’ Day auf dem Bauernhof beeindruckt haben. Aber eigentlich noch mehr: Die ganze Vielfalt der Möglichkeiten und der Arbeit war für sie hochinteressant.

Jetzt ist sie 18 Jahre alt, studiert aber etwas ganz anderes: Chemie und Geschichte sind die Fächer der angehenden Gymnasiallehrerin. Dennoch: Den Tag auf dem Hof von Helmut und Karin Stähler in Oberzeuzheim möchte sie nicht missen.

„Kommt der Melkroboter auch zu uns?“ Eine der Fragen, die Kinder stellen. Klar, er sieht aus wie ein kleiner Mensch, nur aus Metallteilen eben, läuft durch den Stall und melkt die Kühe. Denken die Kindergartenkinder. Auch die Grundschüler haben diese Frage gestellt. In Wirklichkeit ist das AMS – so heißt das automatische Melksystem richtig – ein separater Bereich, den die Kühe aufsuchen, um dort gemolken zu werden. Es gibt Kraftfutter, auch deshalb gehen sie gerne dort hin. Und wer gerade da war, aber schon gemolken wurde, hat Pech: Der Computer registriert, welche Kuh wann an der Reihe war. Ist der zeitliche Abstand zu kurz, wird die Kuh abgewiesen.

Betriebe gesucht, die Einblick in ihre Arbeit geben

In ganz Deutschland laden Unternehmen und Organisationen Mädchen für den letzten Donnerstag im April dazu ein, derzeit noch „frauenuntypische“ Berufe zu entdecken. Der nächste Girls’ Day ist am 26.

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Für die Kühe ist es angenehmer, aber auch für die Menschen. Der Hof Kapellenblick in Oberzeuzheim ist ein echtes Familienunternehmen. Karin und Helmut Stähler führen ihn gemeinsam mit ihrem Sohn Mathias. Weitere Angestellte gibt es nicht. Sie versorgen die 80 Milchkühe – unter anderem. Die Arbeit ist mit moderneren Gerätschaften nicht weniger geworden, nur anders aufgeteilt. Aber das ist nur ein Aspekt. Sohn Mathias hat zuerst eine Lehre als Kaufmann absolviert, dann den Landwirtschaftsmeister „aufgesattelt“. Warum? „Ich finde, mit 16 Jahren kann man solch eine Lebensentscheidung noch nicht treffen“, sagt seine Mutter. Deshalb hatte sie seinerzeit darauf gedrängt. Die kaufmännische Ausbildung nütze auch jetzt im Betrieb. Mit den beiden Berufen sei er bestens aufgestellt. Ihre beiden Töchter Christina und Stephanie haben als Betriebswirtin und Industriekauffrau andere Berufe gewählt. „Wir haben da keinen Druck ausgeübt“, sagt Karin Stähler. Die Kinder konnten sich frei entscheiden.

Für die 58-Jährige ist die Landwirtschaft der Traumberuf. Sie stammt von einem Weingut in Wiesbaden-Schierstein und wusste schon früh, dass sie gerne mit Tieren arbeiten würde. So kam sie zur Landwirtschaftsschule in Limburg, machte zusätzlich eine Ausbildung zur Hauswirtschaftsmeisterin, lernte durch die Landjugend ihren späteren Mann kennen.

Alina hat es auf dem Hof auch sehr gefallen. Zwar hat sie sich für einen anderen Beruf entschieden, doch sie wusste sofort, dass sie gerne in ein Unternehmen hineinschnuppern würde, das sie sonst nur von außen kennt. Die Wilsenrötherin bewarb sich beim Amt für Landwirtschaft und Landentwicklung, dort wurde sie dem Hof Stähler in Oberzeuzheim zugewiesen – gemeinsam mit sechs weiteren Mädchen.

Bis zu zehn Mädchen

„Wir nehmen bis zu zehn Mädchen an einem solchen Tag“, sagt Karin Stähler. Üblicherweise bekommen die Jugendlichen zuerst einen Einblick in die Arbeit des Amts für Landwirtschaft und des Veterinäramts. Sie lernen, welche Kontrollen nötig sind, welche Voraussetzungen zu guter Landwirtschaft gehören. Dann geht es auf den Hof. Stählers haben sich schon mehrmals am Girls’ Day beteiligt. Jetzt, Ende April, hat sich außerdem wieder eine Gruppe angemeldet: Die Grundschüler aus Oberzeuzheim kommen. Das passt, denn der Kapellenhof beteiligt sich auch an der Aktion „Bauernhof als Klassenzimmer“.

Die Familie liebt ihren Beruf und zeigt gern, wie vielfältig er ist, welche Möglichkeiten er bietet. Allerdings: „Es muss nicht unbedingt der Girls’ Day sein, um das alles kennenzulernen“, sagt Karin Stähler. Zu „Bauernhof als Klassenzimmer“ gehört, dass sich auch außerhalb dieses Tages Privatpersonen gerne informieren dürfen. Manche Kinder schauen sogar mehrmals vorbei: In der Kindergartengruppe, als Grundschulkinder und dann noch einmal als Jugendliche. Und was hat Alina von ihrem Girls’ Day behalten? Viele gute Erinnerungen, das auf jeden Fall. „Die Vielfalt des Berufs hat mich beeindruckt, die Möglichkeiten, die es gibt“, sagt sie. Und das eigenständige Arbeiten, allerdings auch an Sonn- und Feiertagen. Das ist eben so, wenn man Tiere hat.

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