Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Freunde fürs Leben gefunden: 50 Jahre nach ihrem ersten Frankreich-Aufenthalt zu Besuch bei den damaligen Bekannten in Lens

Von Vor 50 Jahren fuhr erstmals eine Gruppe Jugendlicher aus Niederbrechen und Umgebung im Rahmen eines deutsch-französischen Jugendaustauschs zum ersten Mal nach Lens, nachdem junge Leute aus der nordfranzösischen Stadt bereits seit 1965 Freizeiten in Haintchen und an anderen Orten verbracht hatten. Vier Teilnehmerinnen der ersten Frankreichfahrten besuchten nun in Lens Freunde von damals, zu denen bis heute Kontakt gepflegt wird.
Unter den Regenschirmen von Lens: Marianne Kempf, Lydia Arthen und Brigitte Sutherland. Das Kunstprojekt ist bis Mitte Oktober in der Stadt zu sehen. Unter den Regenschirmen von Lens: Marianne Kempf, Lydia Arthen und Brigitte Sutherland. Das Kunstprojekt ist bis Mitte Oktober in der Stadt zu sehen.
Niederbrechen/Lens. 

In Haintchen hatte alles angefangen. Zum Kirchweihfest am 18. Juli 1965, so steht es in der Pfarrchronik, wurde ein „Levitenamt international“ gefeiert. Mit dabei waren 40 junge Franzosen aus Lens/Pas de Calais, die in Begleitung zweier Kapläne in Haintchen ihr Zeltlager aufgeschlagen hatten. Initiator war Pfarrer Joachim Andres, der von 1964 bis 1967 Seelsorger in Haintchen war. Die jungen Franzosen gewannen schnell Kontakt mit den Haintchenern und fuhren schweren Herzens wieder ab, vermerkte Pfarrer Andres. Sonntags waren die Jugendlichen in Familien eingeladen. Einer von ihnen war Daniel Mayeur, an den sich Annelie Gerlach noch gut erinnert. Und auch Daniel Mayeur hat seine damaligen Gastfamilie nicht vergessen, wie sich jetzt in Lens herausstellte. Unvergesslicher noch ist ihm eine der späteren Jugendbegegnungen, denn bei dieser Gelegenheit lernte er seine spätere Frau, Irmgard Otto aus Oberbrechen, kennen und lieben.

Genauso vertraut wie vor 50 Jahren: Francoise Brunet-Duribreux, Marianne Kempf, Brigitte Sutherland, Yves Brunet, Marie-Christine Duribreux, Irmgard Mayeur geb. Otto, Christine Kopaczyk, Daniel Mayeur, Lydia Arthen und Bernard Duribreux (von links) hatten sich bei dem Wiedersehen nach so langen Jahren viel zu erzählen. Bild-Zoom
Genauso vertraut wie vor 50 Jahren: Francoise Brunet-Duribreux, Marianne Kempf, Brigitte Sutherland, Yves Brunet, Marie-Christine Duribreux, Irmgard Mayeur geb. Otto, Christine Kopaczyk, Daniel Mayeur, Lydia Arthen und Bernard Duribreux (von links) hatten sich bei dem Wiedersehen nach so langen Jahren viel zu erzählen.

Selbstverständlich waren die beiden bei dem jetzigen Treffen im Hause der Familie Duribreux dabei. Gastgeberin Francoise Brunet-Duribreux, und die Niederbrechenerin Lydia Arthen, die über all die Zeit freundschaftlich verbunden sind, hatten Reise und Treffen organisiert.

Jugendaustausch

Im Hause der Familie Duribreux – Die Eltern von Francoise Duribreux und der Vater von Christine Kopaczyk gehörten auf französischer Seite zu den Organisatoren der Jugendbegegnungen – trafen sich die deutschen Besucherinnen mit einigen der Freunde und Bekannten von damals, um anhand alter Bilder, die Lydia Arthen zusammengestellt hatte, Fotoalben und Zeitungsausschnitten Erinnerungen auszutauschen, die Lücken auszufüllen, die sich durch die Unterbrechung der Kontakte in den vergangenen Jahren aufgetan hatten.

Lens – Einstige Hauptstadt des Kohlereviers

Die nordfranzösische Stadt Lens zählt heute rund 35 000 Einwohner. Sie galt einst als Hauptstadt des französischen Kohlereviers, des Bassin minier Nord-Pas-de-Calais, das seit 2012 Weltkulturerbe der Unesco ist.

clearing

1966 waren es insgesamt 65 Mädchen und 75 Jungen aus dem Raum Lens, die im Rahmen des von der katholischen Jugend mit Unterstützung des deutsch-französischen Jugendwerks organisierten Jugendaustauschs für zwei Wochen nicht nur in Haintchen, sondern auch an anderen Orten wie Langhecke, Villmar, Schwickershausen, Oberbrechen und Niederbrechen untergebracht waren. In Niederbrechen hatten einige der jungen Mädchen in der Schule ihr Lager aufgeschlagen, die von ihrem Pfarrer Père Marcel Nicolas und Schwester Saint Jean Bosco begleitet wurden. „Es waren Tage angestrengter geistiger Schulung mit öfteren Konferenzen sowie Fahrten nach Wiesbaden und Frankfurt. Die Begegnung mit unserer Jugend erfolgte in der vergangenen Woche in zwei Vorträgen“, berichtet die Niederbrechener Pfarrchronik. In einem der Vorträge informierte der damalige Rektor Karl Müller die jungen Gäste über Land und Leute im Limburger Raum und über Niederbrechen im besonderen.

Die kirchlichen Verhältnisse in Deutschland und Frankreich waren Thema eines weiteren Abends mit Pfarrer Karl Bernhardt. Besonders erwähnt wird in der Pfarrchronik der missionarische Einsatz der französischen Gymnasiasten und Studenten an den Hochschulen, die Pfarrer Bernhardt als Vorbild für Deutschland darstellte. Schließlich gab es zum Abschluss der deutsch-französischen Jugendbegegnung einen bunten Abend mit Tanz- und Gesangsdarbietungen und einem Quiz. Auf der Heimreise wurden sie von Pfarrer Bernhardt begleitet, der im Ersten Weltkrieg als Soldat im Norden Frankreichs war. Der Wunsch nach einem Wiedersehen im nächsten Jahr war nicht vergebens, denn im Juli 1967 waren erneut zahlreiche Jugendliche aus Lens und dem Nachbarort Avion zu Gast, wobei die Mädchen wieder in der Niederbrechener Schule untergebracht waren. „Diese Jugend kämpft sicher nicht noch einmal gegeneinander, wie es einst 1914–18 geschah“, zog Pfarrer Bernhardt in der Pfarrchronik hoffnungsvoll Bilanz.

Alte und neue Bekannte

Inzwischen waren 26 Niederbrechener Jugendliche mit ihren Betreuern nach Lens aufgebrochen, wo sie in der Schule von St. Ide ihr Quartier bezogen, rechtzeitig genug, um am Abend auf der Place de la République gemeinsam mit den alten und neuen französischen Bekannten das Feuerwerk zum Nationalfeiertag zu erleben. Ausführlich schilderten Ulrich Böttcher und Bernd Schmidt in einem Bericht die Ereignisse und Unternehmungen während der zwei Wochen im Pas-de-Calais. Im Mittelpunkt standen immer die Begegnungen mit den französischen Freunden und ihren Familien.

Selbstverständliche Pflicht war der Besuch der Soldatenfriedhöfe, auf denen Zehntausende Opfer des Ersten Weltkriegs ihre letzte Ruhestätte fanden: Der französische Friedhof Notre Dame de Lorette mit der Kapelle, in der die jungen Leute eine Gedenkminute einlegten und das Vaterunser in deutscher und französischer Sprache beteten, den deutschen Friedhof Maison Blanche und das kanadische Ehrenmal von Vimy, das sich weithin sichtbar erhebt.

Spuren der Vergangenheit

Auf den Spuren ihrer früheren Frankreich-Reisen wiederholten die vier Frauen zusammen mit Francoise Brunet-Duribreux und ihrem Mann Yves die Tour von Lens nach Calais und weiter entlang der Küste zum Kap Blanc Nez, von dem aus sich der Blick bis zu den White Kliffs of Dover, den Kreidefelsen von Dover an der nur wenig über 30 Kilometer entfernten englischen Küste bot. Weiter ging es an der Côte d’Opale entlang bis zu dem insbesondere auch bei der Pariser Bevölkerung beliebten Badeort Le Touquet, der den Namenszusatz Paris Plage führt.

Dem Besuch der beiden großen Soldatenfriedhöfe und dem kanadischen Ehrenmal Vimy war ein anderer Vormittag gewidmet. Lens mit seinen rund 35 000 Einwohnern hat seit dem Ende des Kohleabbaus einen bedeutenden Strukturwandel vollzogen. Übriggeblieben ist mit der 11/19 eine der einst bedeutenden Bergbauanlagen mit Zeche, den weithin sichtbaren „Terrils Jumeaux“, zwei Abraumhalden, und der Wohnsiedlung der Minenarbeiter, die heute besichtigt werden können. Zu einem großen Anziehungspunkt hat sich das Museum Louvre-Lens, in dem Exponate aus den Sammlungen des Pariser Louvre zu sehen sind, entwickelt.

Zur Startseite Mehr aus Limburg

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse