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Polizei: Vater und Sohn fassen den Bad Homburger Kleingeld-Räuber

Von Das hätte sich nicht jeder getraut: Zwei Homburger schnappen sich einen Autoknacker. An einer Bushaltestelle kommt es zum Showdown.
An dieser Bushaltestelle schnappten Vater und Sohn den Täter und hielten ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest. Foto: Matthias Reichwein An dieser Bushaltestelle schnappten Vater und Sohn den Täter und hielten ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest.
Bad Homburg. 

Man wacht nachts auf, weil einen ein Geräusch aus dem Schlaf gerissen hat. Beim Blick aus dem Schlafzimmerfenster sieht man eine dunkel gekleidete Gestalt, die sich an einem Auto zu schaffen macht. Was tun? Die meisten Bürger würden jetzt wohl zum Telefon greifen, die Polizei informieren und abwarten – was auch völlig in Ordnung ist. Aber nicht so Holger Fromm (Namen aus Gründen der Sicherheit von der Redaktion geändert). Der Homburger wollte den Täter nicht einfach so davonkommen lassen, verfolgte und stellte den Mann.

Doch der Reihe nach. Es ist 3.30 Uhr in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, als Fromm draußen ein merkwürdiges Geräusch hört. „Ich schlafe nie besonders fest, vor allem, wenn meine Frau nicht zu Hause ist“, erklärt der 56-Jährige. Und Frau Monika ist in jener Nacht auf Dienstreise. Plötzlich ist von draußen noch ein Schlag zu hören. Der Homburger steht schlaftrunken auf und sieht beim Blick aus dem Fenster eine Gestalt, die gerade die Heckklappe von Fromms Auto zuschlägt. Für den Bruchteil einer Sekunde überlegt er, was zu tun ist, dann weckt er seinen Sohn Benjamin (25). Gemeinsam nehmen die beiden mit dem Auto die Verfolgung auf – und tatsächlich: An einer nicht weit entfernen Bushaltestelle stoßen sie auf den vermeintlichen Täter. Mütze, Jacke – Fromm weiß: „Das ist er.“

Der Jedermann-Paragraf

„Der fühlte sich wohl ganz sicher und war mit seinem Handy beschäftigt“, erzählt der Homburger. Also steigen die Fromms aus dem Auto und halten den Mann auf – nach § 127, dem sogenannten Jedermann-Paragrafen, sind auch Privatpersonen berechtigt, einen Tatverdächtigen aufzuhalten. Der polizeibekannte 28-Jährige – später stellt sich heraus, dass der Mann aus dem Kreis Offenbach zahlreiche Gegenstände unbekannter Herkunft dabei hatte – bleibt zunächst gelassen und bestreitet alle Vorwürfe. Erst als Vater und Sohn die Polizei rufen, wird der Mann nervös und will stiften. Aber keine Chance.

Später stellt sich heraus, dass der Täter die „Kleingeld-Tasse“ von Fromms Auto geleert hat. „Da gibt es keine Reichtümer zu holen, aber 30 bis 40 Euro waren da schon drin“, sagt Fromm. Die Polizei stellt bei dem 28-Jährigen eine auffallend große Menge an Kleingeld sicher.

Tage nach dem beherzten Eingreifen denkt Fromm noch immer darüber nach, ob er richtig gehandelt hat. „Den Mann zu verfolgen, war ja eine Affekthandlung“, erzählt der 56-Jährige. Aber was wäre gewesen, wenn der Mann handgreiflich geworden wäre? Einen solchen Vorfall schüttele man nicht mal so eben aus den Klamotten, das bleibe erstmal hängen. In den Tagen danach habe er sich mit dem Schlafen schwer getan, jetzt funktioniere es wieder. „Aber jetzt ist ja auch meine Frau wieder da“, sagt er lachend.

Es war übrigens nicht das erste Mal, dass die Fromms unliebsamen Besuch hatten. Schon vor vier Jahren hatten sich verdächtige Typen auf ihrem Grundstück aufgehalten, die, als die Bewohner des Hauses auf sie aufmerksam geworden waren, flüchteten. „Die wollten unser Grundstück ausspionieren. Auch damals hatten Vater und Sohn die Verfolgung aufgenommen. Die Männer waren in einen Kleinbus mit rumänischen Kennzeichen eingestiegen. Die Fromms verfolgten den Bus und hielten dabei per Handy Kontakt mit der Polizei.

Wachhund besorgt

Die Reaktion damals: „Wir haben uns einen Wachhund zugelegt“, erklärt der Herr des Hauses. Cora ist eine große schwarze Hütehündin, mit der nicht gut Kirschen essen ist und die ihr Territorium verteidigt.

Was die jetzige Reaktion von Vater und Sohn Fromm angeht – Polizeisprecher Michael Greulich ist da voll des Lobes. „Eine mutige Aktion“, so Greulich. Der Kriminalhauptkommissar weiß aber auch, dass eine solche Verfolgung nicht für jeden das Richtige ist – und da sei es auch okay, die Polizei von zu Hause aus telefonisch zu verständigen. Die Fromms will er dennoch für den Preis für Zivilcourage vorschlagen.

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