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Ausgleichsmaßnahmen: Usa könnte Gewinnerin sein

Von Wer Landschaft betoniert, muss an anderer Stelle Gutes für die Natur tun. Im Fall der Nordostumgehung wird eine größere Fläche asphaltiert – und im Gegenzug soll die Usa als Naturgewässer eine Aufwertung erfahren. Molch, Krebs & Co. werden es danken. Ob die Tiere an der geplanten Trasse das genau so sehen, sei dahingestellt.
Hier mündet der Michelbach in die Usa. Und die Befestigungen sollen bei der Renaturierung verschwinden, damit der Bach und seine Tierwelt ein natürliches Umfeld bekommen. Foto: Dorit Lohrmann Hier mündet der Michelbach in die Usa. Und die Befestigungen sollen bei der Renaturierung verschwinden, damit der Bach und seine Tierwelt ein natürliches Umfeld bekommen.
Usingen. 

Ausgleichsmaßnahmen ist das Stichwort, wenn eine Kommune eine Bautätigkeit in Angriff nimmt und Grünflächen versiegelt. Über Ökopunkte können die Verwaltungen schon mal vorab ein Konto anlegen, indem sie Biotope schaffen oder Flora und Fauna generell aufwerten. Und ganz findige Kommunen können diese erreichten Punkte auch an andere, „bedürftige“ Gemeinden verkaufen und so die Kasse aufbessern.

Usingen hat bereits Ökopunkte (rund 2 Millionen) und konnte schon welche verkaufen, etwa an Friedrichsdorf. Derzeit sammelt das Bauamt alle Maßnahmen, die Usingen in der Natur vorgenommen hat und reicht diese beim Kreis ein. So kommen weitere Ökopunkte aufs Konto. Ob dies reicht, um die Umgehung auszugleichen, steht noch nicht fest.

Rohre und Hindernisse

Aber es gibt noch eine entsprechende Planung für Ökopunkte: Denn wenn die Nordostumgehung tatsächlich gebaut wird, bekommt die Usa an vielen Stellen eine Renaturierung verpasst.

Sigrid Büschken vom Bauamt hat die Ausgleichsmaßnahmen unter sich, detailliert geplant und ausgeführt werden sie aber vom Planungsbüro Koch aus Aßlar. Bereits in den vergangenen Jahren hatte die Stadt der Usa Gutes getan. Das Bachbett wurde renaturiert, mäandern ist dem Bach wieder erlaubt – also er kann sich wieder seinen eigenen Verlauf durch die Landschaft graben. Nun stehen Veränderungen bei Wernborn an. An der Mündung vom Michelbach in die Usa ist der Michelbach etwa verrohrt – geht natürlich gar nicht. Zudem sind einige Hindernisse im Weg und verhindern, dass sich Fische und Kleinstlebewesen durch den ganzen Bach bewegen können. Weiterhin steht eine Bachstrecke in Richtung Pfaffenwiesbach zur Renaturierung an, schließlich kreuzt dort die Usa dort die geplante Umgehungs-Trasse. Im Fokus ist übrigens auch der Stockheimer Bach in der Nähe von Erlenhoff.

Zu den Verbesserungen gehören aber nicht nur Maßnahmen im Bach, sondern auch am Umfeld. Gehölze kommen weg oder werden zurückgedrängt, befestigte Ufer müssen weichen.

Ingo Pfeiffer als Beauftragter Ingenieur der Firma Koch betonte, dass es weitere Maßnahmen erst geben werde, wenn die Umgehungsstraße sicher gebaut werde. Er kennt sich im Gebiet bestens aus.

Lebensräume erschließen

„Wir werden dann im Bachlauf Sohleabstürze über 30 Zentimeter Höhe entfernen und Wehre, wenn sie nicht mehr aktiv sind, entfernen. Nur so können Fische ungehindert in die neuen Lebensräume kommen.“ Noch vorhandene künstliche Mühlgräben sind ebenfalls auf der Abschussliste der Naturschützer, so sie denn nicht mehr benötigt werden. Begradigte Bachläufe werden wieder krumm, Totholz soll den Tieren Nischen bieten. Unterschiedliche Strömungsgeschwindigkeiten seien vor allem bei diesen Maßnahmen ein Ziel.

Erreicht wird mit diesen Maßnahmen, dass sich die heimische Wasserwelt ausbreitet. Groppe und Neunauge, Elritze und Bachforelle sollen sich wohlfühlen – denn dies sind die typisch vorkommenden Arten in der Usa. Allerdings werden keine Fische eingesetzt oder Pflanzen angesiedelt. „Die Natur soll sich von alleine erholen und das Gebiet zurückerobern.“

Ein Tier hat dies schon getan, wenngleich der nordamerikanische Signalkrebs in der Usa eigentlich nichts zu suchen hat. Er verdrängt die heimischen Krebsarten und wurde irgendwann eingeschleppt. „Das ist aber ein deutschlandweites Problem“, betont Pfeiffer. Maßnahmen gegen den Eindringling gibt’s keine. Na ja. Eine: „Er schmeckt hervorragend“, schmunzelt Pfeiffer. Was aber dann doch keine Lösung ist, denn „sie sind sehr schwer zu fangen“.

Der Signalkrebs verdrängt heimische Arten wie Edelkrebs, Steinkrebs und Dohlenkrebs. Der etwa bis 15 Zentimeter messende Krebs ist ein Allesfresser – Pflanzen und Tiere stehen auf dem Speiseplan.

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