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Le Lavandou: Plastik überschwemmt den Strand der Partnerstadt

Die Folgen des Klimawandels sind in Le Lavandou zu spüren, denn die Wellen schlagen höher und die Stürme werden heftiger. Um nur zwei Probleme zu nennen.
Manche der zwöl Strände von Le Lavandou können nur manuell, also mit der Greifzange gereinigt werden. Manche der zwöl Strände von Le Lavandou können nur manuell, also mit der Greifzange gereinigt werden.
Kronberg. 

Kronbergs Partnergemeinde Le Lavandou hat zwölf Strände – in der Hochsaison muss hier nonstop Müll gesammelt werden, der von den Touristen tagtäglich zurückgelassen wird. Unbeliebt bei den Badegästen ist jedoch ausgerechnet das angespülte Seegras. Bürgermeister Gil Bernardi beharrt darauf, die strohigen Haufen nicht mehr vor Juni wegräumen zu lassen. Vor 15 Jahren ist einer der Strände infolge einer falschen Reinigungsaktion innerhalb nur einer Nacht um ganze sechs Meter schmaler geworden.

Bernardi, der hier nicht nur der Bürgermeister ist, sondern auch der Präsident des Verbunds aller Küstenorte im südfranzösischen Departement Var nennt das Dutzend Strände „unser Kapital“. Allein nach Le Lavandou kommen jeden Sommer etwa 60 000 Touristen.

Als Stephen Liegeard im Jahr 1887 sein Buch mit dem Titel „La Côte d’Azur“ veröffentlichte und damit der französischen Riviera diesen neuen Namen gab, hatte unsere Gesellschaft noch nicht das Präfix „Wegwerf-“. Trotzdem lagen, saßen, aßen und tranken die Menschen auch damals schon mit dem größten Vergnügen im Freien. Neben Wein hatte man Wasser oder sonstige Getränke in mit Kork verschlossenen Krügen dabei oder aber in Flaschen mit dem soeben erfundenen Bügelverschluss. In Körben mit flachem Boden transportierte man bequem die Schüsseln mit vorbereiteten Speisen und das restliche Geschirr. War das Gelage auch noch so ausschweifend – niemand erzeugte dabei auch nur ein einziges Milligramm Plastikmüll.

Heute hingegen stößt man beim Strandspaziergang auf Schritt und Tritt auf Verpackungsmüll. Dazu kommen die Reste von Fischernetzen, auch sie aus feinem Kunststoff-geflecht, das immer wieder Wassertieren und Seevögeln zum Verhängnis wird. Neben den großen Fundstücken gibt es das für das menschliche Auge unsichtbare Mikroplastik. Der Sand ist durchsetzt davon.

In Le Lavandou müssen inzwischen den ganzen Juli und August hindurch jeden Morgen, sieben Tage in der Woche, die Putzkolonnen ausrücken, um die Strände von den Hinterlassenschaften der Touristen zu säubern. Acht der Strände sind leicht zugänglich und groß genug, so dass man sie mit speziellen Maschinen bearbeitet. Die anderen Strände können nur manuell – also per Greifzange – von Unrat befreit werden.

Vorreiter

Le Lavandou sei, was die Pflege der Strände angehe, ein „pilote“, bilanziert Bürgermeister Bernardi. Etwa 250 000 bis 300 000 Euro gebe seine Gemeinde pro Jahr aus, um die Sandstrände sauber zu halten. Seine Assistentin Lea hält weitere Zahlen parat: In der Hochsaison werden in Le Lavandou täglich zwischen 500 und 1000 Kilo Abfälle allein von den Stränden eingesammelt. Dies, obwohl selbstverständlich auch an deren Rändern überall Mülltonnen aufgestellt sind.

Seit 23 Jahren sei er in seinem Amt, sagt Gil Bernardi. Selbstverständlich ärgere es ihn, wenn sich die Leute nicht zu benehmen wüssten. Einmal habe er beobachtet, wie eine Frau gerade dabei gewesen sei, ein Loch in den Sand zu buddeln, um darin die volle Windel ihres Sprösslings zu vergraben. Er habe die Touristin zur Rede gestellt.

Doch das Gemeindeoberhaupt berichtet noch über weitaus größere Sorgen. Was ihn am meisten umtreibe, sei die Korrosion der Strände. Er selbst merke, dass das Meer in den zurückliegenden Jahrzehnten deutlich gestiegen sei. Messungen mit Mareografen würden dies zweifelsfrei belegen. Der Meeresspiegel steige mit zunehmender Geschwindigkeit.

Seit zwanzig Jahren gehe die Kurve deutlich steiler nach oben. Wenn die Entwicklung so weiter gehe, und damit müsse man rechnen, habe das für Le Lavandou und alle Küstenorte fatale Folgen. Der Klimawandel sei Fakt, da gibt es für Bernardi, der den konservativen Republikanern angehört, nichts wegzudiskutieren. Man habe zunehmende, gewaltigere Stürme und einen höheren Wellenschlag. Der werde zusätzlich noch verstärkt durch die Schifffahrt. Große Sandflächen habe man dadurch bereits verloren. Um dies zu illustrieren, zeigt Bernardi ältere und neue Luftaufnahmen. Der Vergleich ist frappierend. In den letzten hundert Jahren sind die Strände Le Lavandous um 17 bis 23 Meter schmaler geworden.

Zustand erhalten

Bernardi sieht sich und seine Kollegen in der Pflicht. Man müsse alles tun, um den jetzigen Zustand zu erhalten, so gut es gehe. Auch er habe in diesem Zusammenhang viel dazu gelernt. Vor 15 Jahren sei im Winter sehr viel Posidonia an die Strände gespült worden. Die abgestorbenen Blätter des im Mittelmeer heimischen Neptungrases lagen dicht aufgeschichtet am Strand von St. Clair, einer der größeren, sandigen Buchten von Le Lavandou. Es sei vor Ostern gewesen, erzählt Bernardi, und die Strand-Gastronomen wollten gerne die Saison eröffnen. Dabei störte sie aber dieser dichte Belag aus vertrockneten Seegräsern. Die Gemeindeverwaltung hatte ein Einsehen. Bernardi erinnert sich genau, dass die städtischen Bediensteten damals ingesamt 35 Lkw-Ladungen mit jeweils 10 Tonnen Posidonia abgeräumt und wegransportiert hatten. Aber am Abend sei Sturm aufgekommen. Am nächsten Morgen sei der Strand um sechs Meter schmaler gewesen. „Da haben wir etwas verstanden“, rekapituliert der Bürgermeister.

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