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Der Tote vom Wörthersee: Nach 54 Jahren: Schädel eines vermissten Bad Homburger Urlaubers gefunden

Ein Bad Homburger verschwand 1964 während einer Schlauchboot-Tour auf dem Wörthersee. Jetzt wurden Teile eines Skeletts gefunden. Die Polizei sucht nach Nachfahren.
Nach 54 Jahren gab der Wörthersee eines seiner Geheimnisse preis. Ein Taucher fand auf dem Grund des Sees wahrscheinlich einen Schädelknochen eines seit 1964 vermissten Urlaubers. Dr. G. Heinemann war damals auf einer Schlauchboot-Tour verschwunden und nie wieder aufgetaucht. Foto: (179748290) Nach 54 Jahren gab der Wörthersee eines seiner Geheimnisse preis. Ein Taucher fand auf dem Grund des Sees wahrscheinlich einen Schädelknochen eines seit 1964 vermissten Urlaubers. Dr. G. Heinemann war damals auf einer Schlauchboot-Tour verschwunden und nie wieder aufgetaucht.
Bad Homburg. 

Was glaubt man wohl zu finden, wenn man im Wörthersee tauchen geht? In allererster Linie wohl Fische und Pflanzen. Wer weiß, vielleicht ja auch Sperrmüll, den ein wenig umweltbewusster Zeitgenosse im See versenkt hat. Aber dass man von einem Tauchgang mit einem Totenschädel an die Wasseroberfläche zurückkehrt, damit hat ein in Ausbildung befindlicher Tauchlehrer wohl nicht gerechnet. Ende Januar hatte er einen Übungstauchgang in Kärntens größtem See (für die, die sich auskennen: im Bereich Maria Loretto) unternommen und war in etwa zehn Meter Tiefe auf etwas Rundliches gestoßen. „Ich dachte zunächst, es wäre ein Helm“, erzählte der Mann den Kollegen der Kleinen Zeitung in Kärnten. Doch es stellte sich heraus, dass es sich um einen Schädelknochen handelte.

Eine alte Ansichtskarte des Parkhotels Sekirn am Wörthersee, in dem der später vermisste Bad Homburger in Begleitung abgestiegen war. Bild-Zoom
Eine alte Ansichtskarte des Parkhotels Sekirn am Wörthersee, in dem der später vermisste Bad Homburger in Begleitung abgestiegen war.

Schnell war klar, dass man es nicht mit einem aktuellen Verbrechen zu tun hatte, man sah dem Knochen wohl an, dass er schon länger auf dem Grund des Wörthersees gelegen haben musste. Der Taucher informierte die Polizei und die ließ den Schädel untersuchen – dabei stellte sich heraus, dass der Knochen bis zu seiner Bergung mindestens seit 50 Jahren im Wasser gelegen haben musste. Doch zu wem gehört der Schädel? Um das herauszufinden, ordnete die Staatsanwaltschaft eine Suche nach weiteren Skelettteilen an. Dabei stieß die Polizei auf ein weiteres Indiz: Das Einsatzkommando Cobra fand im Schlamm rund um die Fundstelle ein altes Paddel, das zu einem Schlauchboot gehören musste.

Jetzt zählten die Beamten eins und eins zusammen – der Taucher musste auf die sterblichen Überreste eines seit 1964 (!) vermissten Urlaubers gestoßen sein. Und jetzt kommt die Kurstadt ins Spiel: Die Polizei in Kärnten geht nämlich davon aus, dass es sich bei dem Schädelknochen um ein Fragment des Urlaubers Dr. Gerhard Heinemann aus Bad Homburg handelt. Andere ungeklärte Vermisstenfälle seien für den Zeitraum bislang nicht bekannt.

Nachkommen gesucht

Letzte Gewissheit soll eine DNA-Analyse bringen. Doch dafür bräuchte Richard Pikl, Chefinspektor beim Stadtpolizeikommando Klagenfurt, die DNA eines Verwandten des Mannes. Deshalb sucht er jetzt zusammen mit der deutschen Polizei nach möglichen Nachfahren des Mannes.

So berichtete vor mehr als 50 Jahren die Kleine Zeitung über den Vermisstenfall. Bild-Zoom Foto: Tobias Hase (dpa)
So berichtete vor mehr als 50 Jahren die Kleine Zeitung über den Vermisstenfall.

Die Recherche der Kollegen der Kleinen Zeitung hat derweil ergeben, dass der damals 73 Jahre alte Heinemann mit einer Dame im Parkhotel Sekirn abgestiegen war. Am 8. Juli 1964 soll er dann alleine mit einem Schlauchboot auf den See hinausgefahren sein. Am Abend entdeckte man das Boot dann mutterseelenallein auf dem Wörthersee treibend.

In einem Bericht der Kleinen Zeitung vom 10. Juli 1964 heißt es: „Man befürchtet, dass der deutsche Urlauber einem Unfall zum Opfer gefallen ist.“ Eine Suchaktion blieb ohne Erfolg. Der Fall wurde wenig später zu den Akten gelegt.

Jetzt, 54 Jahre später, stellt sich die Frage: Wer erinnert sich noch an Dr. Gerhard Heinemann? Gibt es in der Kurstadt noch Verwandte? Wer Informationen hat, kann sich bei der Taunus Zeitung unter der Telefonnummer (0 61 72) 92 73 29 (Montag) oder per E-Mail an die Adresse tz-badhomburg@fnp.de melden.

Eine versunkene Stadt

Denkt der Deutsche an den Wörthersee, kommt er sofort auf Roy Black. Der ehemalige Schlagerstar hatte in den ersten beiden Staffeln die Hauptrolle in der TV-Serie „Ein Schloß am Wörthersee“.

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