E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Usingen 28°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Bad Homburger Illustrator: Michael Lemler, Wortspieler und Lautmaler

Von In Schulstunden in der Philipp-Reis-Schule zeichnete Michael Lemler seine ersten Cartoons, die amüsant die wörtliche Bedeutung von Redensarten illustrieren. Heute hat der 37-jährige Bad Homburger eine wachsende Fangemeinde im Internet. Der Stoff geht ihm dabei nicht aus.
Der Bad Homburger Cartoonist Michael Lemler (37) mit seinen Skizzenbüchern. Foto/Repros: Jochen Reichwein Foto: Jochen Reichwein Der Bad Homburger Cartoonist Michael Lemler (37) mit seinen Skizzenbüchern. Foto/Repros: Jochen Reichwein
Hochtaunus. 

„Mutig“, sagt das Männchen mit der Knollennase zu seinem Gegenüber, unsichere Miene. Das zweite Männchen trägt einen großen Hut und Anzug, alles gestreift. „Streifenwagen“ ist der Cartoon betitelt. Nächstes Bild: Am Postschalter, links hinterm Tresen ein Typ mit Mütze, Augen auf Halbmast, also ein gelangweilter Beamter. Rechts der Kunde, unterm Arm ein Gespenst, weißes Betttuch mit Augen. Titel: „Den Geist aufgeben.“

Um eine Szene zu beschreiben, sind ganze Absätze nötig; ist sie gemalt, kapiert man meist auf einen Blick – und muss schmunzeln. Das ist das Geniale an Cartoons. Man muss nur zeichnen können – so, dass man mit wenigen Strichen erkennt, was das Bild sagen soll. Michael Lemler kann das. Seine Figuren mit ihren Knollennasen ähneln ein wenig den Helden der Werner-Comics. „Als Kind war ich Garfield-Fan“, berichtet der 37-Jährige.

Wachposten als Ursprung

Seine ersten Zeichnungen entstanden – jetzt kann man es ja verraten – im Unterricht der achten Klasse an der Philipp-Reis-Schule in Friedrichsdorf. „Mit ein paar Freunden hatte ich Rollenspiele gemacht“, berichtet Michael Lemler. Da ging es ums Wacheschieben, „und den Ausdruck hatte ich danach noch im Kopf“. Auf seinem Notizblock entstand eine Art Legionär mit Helm und Speer – offensichtlich ein Wachposten – in Schräglage, der von einem anderen vorwärts bugsiert wird. „Wache schieben“, wörtlich genommen. „Mein Sitznachbar fand’s lustig.“ Michael Lemler blieb kreativ; ihm fielen immer weitere Redensarten ein, deren wörtliche Bedeutung er lustig in Szene setzte.

<span></span> Bild-Zoom Foto: Jochen Reichwein

527 Cartoons hat Michael Lemler bis heute gezeichnet; „Wache schieben“ ist sein Vorzeigeblatt – die Keimzelle sozusagen. Für sein Abi und das anschließende Informatik-Studium ließ der gebürtige Bad Homburger die Knollennasen ruhen, doch die Blocks bewahrte er auf. Und als der ausgebildete Programmierer in Richtung Web-Gestaltung gehen und vor genau zehn Jahren eine eigene Homepage basteln wollte, entsann er sich seiner 222 Cartoons aus Jugendzeiten – nach dieser Schnapszahl hatte er damals die Pause eingelegt.

Heute ist „wacheschieben.de“ ein lebendiges Forum, das regelmäßig einmal pro Woche von dem inzwischen 37-Jährigen mit einer neuen Zeichnung bestückt wird. Nebenberuflich und ohne Erwerbsabsichten. „Ich möchte mit der Welt teilen, was ich geschaffen habe“, erklärt der Bad Homburger. „Ich freue mich, wenn es anderen gefällt.“

Nutzer geben Punkte

Das können seine Nutzer und Follower auf der Homepage im Kommentar mitteilen; per Voting können sie Punkte für die einzelnen Blätter vergeben. Was immerhin 183 Leute tun – die meisten Freunde von Michael Lemler. Auch in diversen sozialen Medien ist er aktiv. Und ein Mathematik-Buch für die Mittelstufe hat seine Zeichnungen aufgenommen, als Veranschaulichung für die Aufgaben.

Eier zu Ostern, Sinnliches an Weihnachten und nun die Fußball-Weltmeisterschaft – zu solchen Ereignissen ersinnt der 37-Jährige oft etwas Passendes. Als er kürzlich Vater wurde, entstanden Wortspiel-Cartoons rund um das Thema runde Bäuche und Kind in die Welt setzen. „Meist sitze ich sonntags da und ersinne etwas Neues“, sagt Michael Lemler. Da falle ihm immer etwas ein, auch mailen ihm Freunde Redewendungen mit dem Hinweis, doch dazu mal was zu zeichnen. Wenn ihm mal nichts einfällt, schaut er ins Synonym-Wörterbuch. Und als „Backup“ hat er ja noch seinen Schulblock mit den 222 alten Cartoons.

Nur ein Versuch

Cartoons sind kleine Kunstwerke – so dicht, wie sie gezeichnet sind. Es dürfen nur wenige Striche sein, sonst ist das Bild zu überladen. Und diese Striche müssen die Geschichte erzählen. Wer nun denkt, Michael Lemler zeichne zunächst ins Unreine, irrt. Er nimmt gleich den Kuli oder Filzstift. Da zeigt sich das Zeichentalent. Zwischendrin findet man auch mal schlüpfrige Redewendungen, die aber jugendfrei gezeichnet sind. Jugendsünden. Wer über die deutsche Sprache nachdenkt, dem wird klar: Es gibt noch viel Material für den Bad Homburger Karikaturisten.

527 Mal schmunzeln

Wer sich gern mal durch Michael Lemlers 527 Cartoons klicken möchte, findet sie frei zugänglich unter www.wacheschieben.de im Internet. Der Bad Homburger freut sich über Feedback, was man zu jeder Zeichnung schreiben kann.

Zur Startseite Mehr aus Vordertaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen