E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Usingen 28°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Sicherheit: Menschen trotz rückläufiger Kriminalität verunsichert

Von Trotz guter Arbeit der Polizei und rückläufiger Kriminalität herrscht bei den Bürgern „gefühlte Angst“, diagnostiziert Professor Christian Pfeiffer. Beim Königsteiner Forum rückte der renommierte Kriminologe den vermeintlichen Verlust an Sicherheit in den Fokus.
Symbolbild Foto: Daniel Maurer (dpa) Symbolbild
Königstein. 

Von wegen „Eine Watschn hat noch niemandem geschadet“. Dieses Erziehungsprinzip vergangener Tage hat nach Ansicht von Professor Christian Pfeiffer nicht nur längst ausgedient. Der Kriminologe hält es sogar schlicht für „Blödsinn“. Viel richtiger habe da der Bundestag gelegen, als er 1998 Nein zum „elterlichen Züchtigungsrecht“ sagte.

Denn das hat nach den Worten Pfeiffers sichtbare Auswirkungen auf die Kriminalstatistik: Ein nur sehr geringer Anteil jener, die ausschließlich liebevoll erzogen wurden, neigt zu Gewalt- und Straftaten. Der Prozentsatz bei denjenigen aus Elternhäusern mit leichter oder sogar starker Gewalt schnellt dagegen deutlich in die Höhe.

Liebe statt Hiebe

„Liebe zu Kindern zahlt sich aus“, unterstrich der Kriminologe vor dem Königsteiner Forum im Foyer der Frankfurter Volksbank. Dieser „radikale Wandel der elterlichen Erziehungskultur“ ließ laut Pfeiffer die schweren Straftaten deutlich zurückgehen. Gleichwohl sei die „gefühlte Kriminalitätstemperatur“ in Deutschland wesentlich höher, sprach der Referent ein weit verbreitetes Gefühl der Angst und Unsicherheit in weiten Teilen der Bevölkerung an.

Als Ursache machte er den Verlust des Gefühls der Sicherheit aus. Ein Grund dafür sei die „riesige Flüchtlingswelle des Jahres 2015“. Gerade sie habe zu „völlig normalen Ängsten wie Verlust der Heimat und Überfremdung“ geführt. Das hat Pfeiffer zufolge „die Republik dramatisch verändert“. Bei der Analyse und Bewertung der Kriminalität von Flüchtlingen sei die Bundesregierung „aus Angst vor der AfD“ indes nach dem Prinzip „Tarnen und Täuschen“ vorgegangen. Mit zweifelhaftem Erfolg.

Dem setze seine eigene Studie ein differenzierteres und zutreffenderes Bild entgegen. So sei ein „hoher Anteil an Straf- und Gewalttaten auf die Bedingungen in überfüllten Flüchtlingsunterkünften zurückzuführen“, sagt der emeritierte Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen.

Ausweisung ist richtig

Dass jetzt „passives Rumsitzen“ vermieden werde, stattdessen alle an „Sprach- und Jobkursen“ teilnähmen, hat nach Pfeiffers Worten zum Rückgang der Straftaten beigetragen. Je mehr sich jemand gerecht, fair und anständig behandelt fühle, je mehr Transparenz herrsche, desto weniger komme es zu Konflikten. Abgewiesene Flüchtlinge auszuweisen, sei richtig. Der frühere niedersächsische Justizminister sprach sich jedoch dafür aus, deutsche Unternehmen anzuhalten, in den Herkunftsländern der Asylsuchenden Arbeitsplätze zu schaffen und damit eine wesentliche Fluchtursache zu beseitigen.

Sorge bereite ihm die „Erdoganisierung der Moscheen“, sagte der Jurist. „Liberale Imame werden durch Scharfmacher ersetzt.“ Österreich habe darauf richtig reagiert und gesetzlich geregelt, dass nur auf deutsch gepredigt werden und sich jede Moscheegemeinde aus eigenen Mitteln finanzieren solle. Iraner seien „glänzend integriert“. Das treffe auch auf zahlreiche türkischstämmige Menschen zu. „Wir müssen jedoch aufpassen, dass das nicht kippt.“ Zugleich sei eine offene Debatte nötig, ohne dass Argumente als islamophob und „AfD-freundlich“ verunglimpft würden.

Zur Startseite Mehr aus Vordertaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen