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Immobilienbesitzer sollen zahlen: INGE: Neues Gesetz will Königsteiner Handel stärken

Von Königsteins Innenstadt hat ein Problem. Zum Bummeln und Einkaufen fahren die Leute lieber ins Umland. Das Projekt INGEplus der hessischen Landesregierung will das ändern. Gemeinsam mit der Stadt sollen die Königsteiner Einzelhändler ihre Innenstadt attraktiver gestalten. Noch sind viele Fragen offen.
<span></span> Foto: Jochen Reichwein
Königstein. 

Mit INGE sind viele Hoffnungen, aber auch Zweifel verknüpft. Dabei geht es aber nicht um eine Dame, die den Königsteiner Handel wachküssen soll, sondern um ein Konzept, das „Innerstädtische Geschäftsquartiere“ voranbringen soll (siehe „Zum Thema“). Denn die Königsteiner besitzen zwar Geld, doch das geben sie lieber andernorts aus. Das soll sich durch INGE ändern. Allerdings sind daran Vorgaben geknüpft.

Die Initiative sieht vor, dass sich Gewerbetreibende und Immobilienbesitzer in einem klar umrissenen Bereich mit der Stadt zusammentun und Ideen entwickeln, wie sie ihren Standort aufwerten können. „Die Innenstadt soll attraktiver werden, mehr Besucher, mehr Leben“, erklärt Dr. Gerhard Adler, der INGE für die Stadt betreut. Leerstände sollen verhindert und bestehende Gewerbe gestärkt werden.

In Königstein hat man den Bereich entlang der Hauptstraße vom Parkhotel Bender bis zum Alten Rathaus, der Georg-Pingler-Straße zwischen Hauptstraße und Klosterstraße sowie der Kirchstraße hinunter bis an die Häuser der Herzog-Adolph-Straße als INGE-Quartier ins Auge gefasst. Betroffen davon wären 150 Immobilienbesitzer. Sie sind es nämlich, die das Ganze bezahlen sollen. Deshalb müssen sie auch das Projekt offiziell durchwinken. Sprechen sich nicht mindestens 15 Prozent von ihnen dafür aus, oder votieren 25 Prozent dagegen, ist INGE formell gestorben.

Adler ist optimistisch, dass es nicht am aktiven Widerstand scheitern wird: „Ein größeres Problem ist, dass über hundert Hauseigentümer sich bislang nicht gemeldet haben.“ Doch sollte sich das Konzept durchsetzen, müssen alle zahlen – ob sie wollen oder nicht.

2017 startbereit

Wie hoch die Belastung für die Immobilienbesitzer am Ende wirklich wäre, steht nicht fest. Es seien aber keine absurden Summen, sagt Adler. Insgesamt kämen wohl zwischen 10 000 und 30 000 Euro pro Jahr zusammen, jeder Besitzer müsste also eine niedrige dreistellige Summe zahlen. Der Betrag könnte freilich über Mieterhöhungen an die Ladenbetreiber weitergegeben werden.

Zum Thema Das ist INGE

INGE ist eine Abkürzung und steht für das hessische Gesetz zur Stärkung Innerstädtischer Geschäftsquartiere.

clearing

Seit September haben Teilnehmer der „INGE-Werkstätten“ einen Katalog aus 17 Maßnahmen erarbeitet, die Immobilienbesitzer und Gewerbetreibende umsetzen wollen. Außerdem hat die Stadt Aufgaben zugedacht bekommen (siehe Maßnahmen). Einen konkreten Zeitplan gibt es nicht. Adler ist aber guter Dinge, dass das Projekt Ende des Jahres gestartet ist. Realistisch sei, dass die Briefe mit den Planungen bei allen, die es betrifft, nach den Sommerferien im Briefkasten liegen.

HGK ist skeptisch

Winfried Gann ist als Ladeninhaber nicht nur direkt von INGE betroffen, sondern versucht, als Vertreter des Vereins Handwerk und Gewerbe (HGK) auch die Planungen für das Innovationsquartier voranzutreiben. Vieles aus dem Maßnahmenkatalog kommt ihm dabei bekannt vor. Einige davon, besonders aufseiten der Stadt, seien lange geplant. Passiert sei aber nichts. Viele seiner Kollegen seien deshalb frustriert. „Bei INGE haben wir an vielen Schnittstellen mit der Stadt Bedenken. Obwohl die Zusammenarbeit grundsätzlich gut ist“, sagt er. Doch ohne Mithilfe der Verwaltung werde eine Umsetzung schwierig: Ein gemeinsames Marketingkonzept, neue Regelungen für das Parken, öffentliche Toilettenanlagen – das sei ohne die Stadt nicht zu stemmen.

Aber die HGK ist auch skeptisch, ob die Immobilienbesitzer tätig werden. Denn die Maßnahmen helfen in erster Linie den Händlern, nicht den Vermietern. „Aber“, sagt Gann, „zur Not könnten wir viele Projekte auch so verwirklichen, weil es gar keine großen Geldbeträge sind.“

Das scheint auch die Hoffnung auf beiden Seiten: Adler vermutet, dass sich aus den jetzigen Aktiven ein Kernteam herausbildet, das die Leitung des Innovationsquartiers übernimmt oder, wenn das Projekt scheitert, autonom weiterarbeitet: „Selbst wenn wir INGE formal nicht über die Bühne bekommen – ich sehe die Chancen momentan bei 50:50 –, kommt vielleicht trotzdem etwas in Bewegung.“.Diesen Wunsch teilt auch die HGK: „Was INGE konkret betrifft, bin ich pessimistisch. Aber wir haben viele Königsteiner Geschäftsleute angesprochen. Ich denke, dass wir das eine oder andere umsetzen können.“

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