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Neues Verfahren: Hochtaunus-Kliniken: Operateure haben einen Roboter als Helfer

Von Die Hochtaunus-Kliniken haben sich einen Hightech-Helfer zugelegt. Das sogenannte „Da-Vinci-System“ soll die Präzision bei Operationen erhöhen – und die Marktposition des Klinikums stärken.
Modernste Technik im Operationssaal: Von einer Konsole aus steuert der Operateur die Greifarme und Instrumente des Roboters. Unser Foto zeigt Prof. Dominik Denschlag (rechts) und Dr. Jon Jones (vorn) bei der Präsentation des neuen Systems. Foto: Jochen Reichwein Modernste Technik im Operationssaal: Von einer Konsole aus steuert der Operateur die Greifarme und Instrumente des Roboters. Unser Foto zeigt Prof. Dominik Denschlag (rechts) und Dr. Jon Jones (vorn) bei der Präsentation des neuen Systems.
Hochtaunus. 

Die wesentliche Frage ist mit einem Satz beantwortet. „Es ist wie mit der Einparkhilfe am Auto“, sagt Prof. Dominik Denschlag. Klar, kann man den Wagen mit etwas Übung auch ohne den Assistenten sicher in die Lücke stellen – mit der modernen Technik geht es aber einfacher und vor allem präziser. Die neue Anschaffung der Hochtaunus-Kliniken lässt sich mit den gleichen Argumenten begründen: Der OP-Roboter, dem von seinen Schöpfern der klangvolle Name „Da Vinci Xi“ verpasst wurde, soll operative Eingriffe erleichtern und die Präzision erhöhen.

Bei Versuchen, die Arbeitsweise zu beschreiben, findet sich in Publikationen immer wieder die Formulierung vom „verlängerten Arm des Operateurs“. Das trifft es ganz gut – schließlich ist der Hi-Tech-Apparat kein autark agierendes Gerät, sondern letztlich ein Werkzeug des Arztes. „Die Bewegungen der Hände werden von einer Konsole aufgenommen und 1:1 im Körper des Patienten ausgeführt“, erklärt Denschlag, der in den Hochtaunus-Kliniken Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Frauenklinik ist. Die Technik ist sogar so ausgefeilt, dass sie zum Beispiel ein Zittern des operierenden Mediziners ausgleichen kann.

Entwickelt wurde das sogenannte roboter-assistierte System für den Einsatz bei minimal-invasiven Operationen. Diese Eingriffe, die auch als „Schlüsselloch-Technik“ bezeichnet werden, haben sich seit langem bei verschiedensten Operationen durchgesetzt. „Da Vinci Xi“ ist als Weiterentwicklung dieser Methode praktisch zwischengeschaltet. Die Roboter-Arme sind mit Kamera, Halter, Zange und Schere ausgestattet und werden – wie auch die Instrumente beim konventionellen Verfahren – über kleine Öffnungen in den Körper des Patienten eingeführt. Dort führen sie dann jene Arbeiten aus, die der Arzt über seine Hand- und Fingerbewegungen vorgibt.

Die höhere Präzision ergibt sich vor allem dadurch, dass der Roboter die Bewegungen des operierenden Mediziners skalieren kann. Bewegt sich dessen Hand beispielsweise einen Zentimeter, so lässt sich das auf bis zu einen Millimeter reduzieren. Entsprechend filigran und schonend für den Patienten kann die OP ausgeführt werden. Ein Monitor liefert während des Eingriffs scharfe 3D-Bilder, die sich in der Darstellung auf das bis zu Zehnfache vergrößern lassen.

100 Stunden Training

Für Denschlag kommt die neue Technik einem Quantensprung gleich. „Vor allem für schwierige Eingriffe möchte ich sie nicht mehr missen“, sagt er. Seit Oktober ist das System bei den Hochtaunus-Kliniken im Einsatz, zwischen 50 und 100 Eingriffe seien bisher damit vorgenommen worden. Inzwischen werde nahezu täglich mit „Da Vinci Xi“ operiert, vor allem bei onkologischen Erkrankungen. Zurzeit arbeiten an den Hochtaunus-Kliniken fünf Mediziner mit dem Roboter-Assistenten. Sie mussten zuvor ein rund 100-stündiges Training absolvieren und dabei am Simulator sowie bei Operationen an Schweinen für den Einsatz im normalen Klinikbetrieb üben.

Die Hochtaunus-Kliniken haben sich den Hi-Tech-Helfer einiges kosten lassen. „Der Listenpreis liegt bei 2,6 Millionen Euro“, sagte Julia Hefty. Eine genaue Kaufsumme wollte die Geschäftsführerin der Hochtaunus-Kliniken nicht nennen, ließ aber durchblicken, dass das Krankenhaus nicht ganz so viel für das Da-Vinci-System bezahlen musste. Zwar hat es für die Anschaffung ein Darlehen des Landes gegeben, aber refinanzieren wird sich die moderne OP-Maschine dennoch nicht. Die Kostenträger zahlen für eine Operation mit dem Roboter genauso viel wie für eine OP, die auf konventionelle Art ausgeführt wird, obwohl der Da-Vinci-Einsatz rund 1000 Euro extra kostet. Welche Methode angewandt wird, liegt derweil allein am Patienten. „Wir erklären die Technik und zeigen unseren Patienten auch Fotos, wie ein solcher Eingriff vonstatten geht“, erklärt Dr. Jörg Höer, Chefarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie an den Hochtaunus-Kliniken. Anschließend muss jeder selbst entscheiden, wie er operiert werden möchte. „Wir haben den Anspruch, in allen Bereichen Medizin auf neuestem Stand anzubieten“, begründet Hefty die Anschaffung, die nach dem Umzug des Klinikum an die Zeppelinstraße die „erste große Investition“ sei. Mit „Da Vinci Xi“hätten die Hochtaunus-Kliniken nunmehr ein Alleinstellungsmerkmal, schließlich sei es das erste Modell der neuesten Generation in ganz Hessen.

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