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Bestattungskultur ändert sich: Herrscht bald Leerstand auf den Friedhöfen?

Von Weil sich immer weniger Menschen für eine Sargbestattung entscheiden, bleiben viele Flächen auf Friedhöfen ungenutzt. Stadtverwaltungen müssen umdenken – und Bürger entdecken die Friedhöfe als parkähnliche Oase der Ruhe inmitten der Stadt.
Wie hier in Usingen gibt es auf vielen Friedhöfen im Hochtaunuskreis immer mehr Freiflächen, weil die Bestattungskultur ganz anders ist als noch einigen Jahren. Foto: Pieren Wie hier in Usingen gibt es auf vielen Friedhöfen im Hochtaunuskreis immer mehr Freiflächen, weil die Bestattungskultur ganz anders ist als noch einigen Jahren.
Hochtaunus. 

Friedhöfe sind Orte des Abschiednehmens und der Trauer. Sie sind aber auch Erinnerungsorte an liebe Menschen, die von uns gegangen sind. Für viele Bürger sind sie aber auch Orte der Begegnung mit Angehörigen der Verstorbenen, mit Nachbarn oder Freunden.

Es sind vor allem ältere Menschen – die über Jahrzehnte hinweg bereits bei vielen Beerdigungen Abschied von Wegbegleitern oder Familienangehörigen nehmen mussten –, denen die Veränderung auf „ihren“ Friedhöfen auffällt: einst standen die Gräber in Reih und Glied, rechts und links der Kieswege. Hier und da stand eine Bank. Ab und an spendete ein Baum Schatten. Doch viele Friedhöfe waren kein Ort, an dem man gerne länger verweilte – es sei denn, um in seiner Trauer den verstorbenen Lieben nahe zu sein. Und heute: Auf allen Friedhöfen sind immer mehr Lücken zu finden, die Reihen lichten sich.

Wiesen entstanden

Oftmals sind dort, wo einst alte Gräber waren, längst Wiesen entstanden. Nachdem diese nach Jahrzehnten abgeräumt wurden, sind keine neuen entstanden. „Die Beerdigungsart hat sich in den vergangenen Jahren verändert. In den letzten fünf Jahren erfolgen auf unseren sechs Friedhöfen 70 bis 80 Prozent der Bestattungen als Urnenbestattung“, erklärt der stellvertretende Leiter des Bad Homburger Betriebshofes Thomas Wied.

In den Stadtteilen Kirdorf, Ober-Erlenbach und Ober-Eschbach wünschen die Bürger mit etwas mehr als 30 Prozent mehr Erdbestattungen als auf dem Waldfriedhof (24 Prozent). Weil bundesweit Gemeinschaftsgrabanlagen im Trend liegen, soll auch in der Kurstadt demnächst eine solche Anlage angeboten werden.

Info: Beliebter Friedwald

Dass der Trend zu Bestattungen auf Naturfriedhöfen anhält – das beweisen auch die Zahlen des Friedwalds in Weilrod. „Bei uns haben seit Eröffnung im Jahr 2006 bereits 3300 Menschen ihre letzte

clearing

Auch in Kronberg finden immer mehr Urnenbestattungen statt. Im vergangenen Jahr waren es 143 Urnen- und nur noch 38 Erdbestattungen. „Wir benötigen immer weniger Flächen für Erdbestattungen. Bereits 2014 haben wir unser Angebot erweitert und bieten auch Urnenbaum- und Urnenwiesengräber an“, sagt Stadtsprecher Andreas Bloching. „Das Angebot wird gut angenommen.“

In Friedrichsdorf waren auf den sieben Friedhöfen von den 189 Bestattungen im vergangenen Jahr 155 in Urnen (82 Prozent). „Seit 2014 haben wir einen Trauerhain eingerichtet, auf dem ähnlich wie in einem Friedwald Baumbestattungen möglich sind“, sagt Florian Rühl von der Stadt . „Im Trauerhain finden jährlich rund 30 Urnenbeisetzungen statt.“

Während in Bad Homburg, Kronberg und Friedrichsdorf die lichten Freiflächen noch nicht so groß sind, wie beispielsweise in Frankfurt, sieht es im Usinger Land ganz anders aus. „In den 1970er Jahren gab es in Usingen pro Jahr gerade einmal drei Urnenbestattungen. Das war die absolute Ausnahme“, erinnert sich heute der damalige und längst pensionierte Bauhofleiter Gerd Velte. 2007 standen nach Angaben der Stadt Usingen 73 Erd- bereits 89 Urnenbestattungen gegenüber. Wie sehr sich die Bestattungskultur seither geändert hat, zeigen die aktuellen Zahlen. „Von den 173 Beerdigungen im vergangenen Jahr waren nur noch 29 Erdbestattungen, 98 Urnenbestattungen und 46 Beerdigungen fanden auf dem Naturfriedhof im Stadtteil Merzhausen statt“, sagt der stellvertretende Bauhofleiter Werner Wengenroth.

Weniger Pflegeaufwand

Am Preis kann es nicht liegen. „Eine Grabstelle an einem Baum kostet ebenso wie ein Einzelgrab 600 Euro“, sagt Wengenroth. „An einem Baum bieten wir bis zu acht Grabstellen an. Wir vergeben auch alle acht Grabstellen an einem Baum zusammen für 3000 Euro.“ Als Grund für die veränderte Bestattungskultur vermutet er vor allem den wegfallenden Pflegeaufwand, der bei einem Einzel- oder Doppelgrab zu leisten ist. Es seien aber nicht nur Zeit- und Kostengründe. Oft seien laut Wengenroth einfach keine Anverwandten mehr da, die das Grab pflegen können.

Die deutlich gestiegene Nachfrage nach Urnengrabstätten, -wänden, -stelen und nach Urnenbestattungen unter Bäumen führt bei gleichzeitiger Auflösung und Einebnung von Erdgrabstätten aus den 1970/1980er Jahren zu immer größer werdenden Freiflächen. Für die Stadtverwaltungen und die Bauhofmitarbeiter ergeben sich neue Herausforderungen. „Die zusätzlich entstehenden Flächen müssen neben den regulär vorgehaltenen Bestattungsflächen auch gepflegt und unterhalten werden“, teilt dazu Mathias Schnorr vom Bürgerservice der Stadt Neu-Anspach mit. „Die Entwicklung der Bestattungskultur betrifft alle Friedhöfe.“

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