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Juso-Vorsitzender: Das sagt Kevin Kühnert zum SPD-Mitgliedervotum

Der 28 Jahre alte Berliner Kevin Kühnert ist nicht nur Bundesvorsitzender der Jusos, sondern zurzeit auch einer der gefragtesten Gesprächspartner der Republik. Redakteurin Stefanie Heil hat vor seinem Auftritt in Oberursel mit Kühnert gesprochen.
Juso-Vorsitzender Kevin Kühnert im Gespräch mit Redakteurin Stefanie Heil. Foto: Jochen Reichwein Juso-Vorsitzender Kevin Kühnert im Gespräch mit Redakteurin Stefanie Heil.

Herr Kühnert, wo kommen Sie denn gerade her – beziehungsweise wie viele Stationen hatten Sie schon?

KEVIN KÜHNERT: Tourauftakt war am 9. Februar in Pirna und Leipzig. Jetzt sind wir seit Donnerstag unterwegs. Wir waren in Göttingen, Hannover, Recklinghausen, Duisburg, Soest, Köln und heute Morgen in Bischofsheim.

Können Sie die Orte überhaupt noch auseinanderhalten, wo Sie für Ihre Idee werben?

KÜHNERT: Doch, das geht schon noch halbwegs. Ich freue mich, wenn ich mal neue Orte sehe.

Wie ist Ihr Eindruck von den Rückmeldungen, die Sie auf den jüngsten Stationen bekommen haben?

KÜHNERT: Sehr positiv, und zwar nicht nur von jungen Leuten. Das Publikum ist immer sehr durchmischt. Es sind immer sehr respektvolle und an Inhalten orientierte Diskussionen. Die Personaldiskussion der SPD-Spitze spielt bei den Veranstaltungen kaum eine Rolle.

Jetzt sind Sie im Hochtaunuskreis, wo auf kommunaler Ebene mehrere große Koalitionen regieren. Glauben Sie, dass Sie es hier besonders schwer haben, für Ihre No-Groko-Idee zu werben?

KÜHNERT: Ich glaube schon, dass da alle gut differenzieren können. Ich mache selbst Kommunalpolitik und weiß, dass die Realität vor Ort manchmal pragmatischer ist. Das Problem im Bund ist ja auch nicht die große Koalition als solche. Das Problem scheint mir zu sein, dass wir jetzt innerhalb von zwölf Jahren auf die dritte große Koalition zusteuern. Es wird zu Recht immer betont, große Koalitionen sollten die Ausnahme sein. Drei Mal in zwölf Jahren ist aber keine Ausnahme mehr, sondern wird irgendwann zur Regel. Manche fragen sich: Wo unterscheidet Ihr Euch denn noch von der CDU, wenn Ihr die ganze Zeit zusammen regiert? Und wofür braucht es Euch noch?

Juso-Bundesvorsitzender Kevin Kühnert ist ein gefragter Mann: Kamerateams nehmen auf, wie junge Parteikollegen Selfies mit ihm machen.
Große Koalition SPD diskutiert in Oberursel, wie sie ihre Partei wieder ...

Ja oder Nein zur großen Koalition? Das ist die Frage, über die SPD-Mitglieder bundesweit abstimmen dürfen. Die Hochtaunus-Genossen haben am Sonntag die Positionen von Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel (Pro Groko) und Juso-Bundes- chef Kevin Kühnert (Contra) gehört – und intensiv diskutiert.

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Wie würden Sie zum Beispiel Schülern erklären, worin Sie sich unterscheiden?

KÜHNERT: Gerade für junge Menschen ist ein ganz wesentlicher Unterschied, dass Angela Merkel wichtige Themen für die Zukunft unserer Generation einfach aussitzt. Ob das Bildung, Verkehrsinfrastruktur oder Digitalisierung ist: Da sagt sie, die schwarze Null sei wichtiger, als in unsere Zukunft zu investieren. Uns wird aber später einmal nicht nur ein Kontostand vererbt. Wir wollen über den Tag hinaus denken. Das ist ein wesentlicher Unterschied zur Union.

Sie sind vor knapp drei Monaten zum Juso-Vorsitzenden gewählt worden: Fühlen Sie sich manchmal überrollt von dem, was gerade läuft?

KÜHNERT: Das ist natürlich für mich eine nicht alltägliche Situation, und da muss man sich noch dran gewöhnen. Aber das passiert ja nicht meinetwegen. Das passiert, weil wir Jusos eine Position vertreten, die viel Zuspruch in der SPD findet, aber in der Parteispitze leider kaum vertreten wird.

Wie wuppen Sie diesen Anspruch an Sie und Ihre Präsenz?

KÜHNERT: Was antreibt, ist Überzeugung. Ich habe meinen Verband, die Jusos, komplett hinter mir. Das hilft schon sehr.

Nehmen wir mal an, die Mehrheit der SPD-Mitglieder folgt Ihnen und stimmt beim Entscheid gegen die große Koalition: Haben Sie keine Angst, Ihre Partei könnte noch unbedeutender werden?

KÜHNERT: Wenn ich glauben würde, dass ein Nein die schlimmere Option wäre, würde ich nicht dafür werben, mit Nein zu stimmen. Ich bin davon überzeugt, dass es jetzt einmal einen klaren Schnitt braucht. Wir haben einen Parteitag am 22. April, die SPD muss da ihre inhaltliche Erneuerung beginnen. Wir wissen nicht, ob und gegebenenfalls wann Neuwahlen anstehen. Klar ist: Mit dem gleichen Programm wie im September können wir nicht noch mal antreten, denn dafür haben wir 20,5 Prozent bekommen.

Was machen Sie nach dem Mitgliedervotum? Fallen Sie in ein Loch?

KÜHNERT: Mit Sicherheit nicht, und ich habe auch nicht die Illusion, dass ich danach Ruhe haben werde. Danach steht der Erneuerungsprozess der SPD an. Wir haben uns alle in die Hand versprochen, dass wir, egal wie der Mitgliederentscheid ausgeht, gemeinsam daran arbeiten. Denn der Erneuerungsprozess entscheidet darüber, ob die SPD eine Zukunft haben wird oder nicht.

Welche Rolle wird der Juso-Bundesvorsitzende da spielen?

KÜHNERT: Wir haben als Jusos in den letzten Monaten gezeigt, dass wir mehr Einfluss in der Partei verdient haben. Dementsprechend glaube ich schon, dass die Parteispitze nicht daran vorbeikommt, uns mehr Bedeutung zuzumessen.

Wenn Sie einen Tag mit Ihrem Kollegen von der Jungen Union, Paul Ziemiak, tauschen könnten: Was würden Sie machen?

KÜHNERT: Ich würde mir sehr genau die Kampagne der Jusos ansehen und würde mich fragen, ob die Junge Union vielleicht auch anfangen sollte, sich ein bisschen selbstbewusster gegenüber der Mutterpartei zu positionieren.

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