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Homburger Stadtwald: Biologe kartiert Hirschkäfer-Vorkommen

Von Im Auftrag der Stadt ist Matthias Fehlow derzeit im Homburger Stadtwald dem Hirschkäfer auf der Spur. Lebendig sieht er sie äußerst selten. Dazu ist der Forst zu aufgeräumt. Doch man kann etwas tun, um das prächtige Insekt zu erhalten.
All diese Fragmente toter Hirschkäfer stammen aus Homburger Waldgebiet. Foto: Jochen Reichwein All diese Fragmente toter Hirschkäfer stammen aus Homburger Waldgebiet.
Bad Homburg. 

Er bewegt sich etwas steif, aber doch flink. Er ist riesig, und beim Anblick seines Geweihs erschrickt man unweigerlich. Doch das setzt der Hirschkäfer nur ein, um sich zu verteidigen. Die Männchen kämpfen damit auch wie Hirsche, werfen sich in der Paarungszeit gegenseitig vom Baumstamm. Der Sieger gelangt zu den Weibchen, die gern am Saft von Baumwunden naschen – er enthält Pilze, die sie für die Reifung ihrer Eizellen braucht.

Doch es ist äußerst selten, dass man tatsächlich einen Hirschkäfer sieht – noch dazu ein Männchen, dessen drei Zentimeter langer Oberkiefer wie ein Geweih anmutet. Auch Matthias Fehlow hat erst zwei Exemplare fliegend gesehen. Dafür knapp 50 Fragmente toter Käfer. Der Biologe, der auch schon Heuschrecken und Tagfalter auf dem Golfplatz gezählt hat, ist nun seit einigen Wochen im Auftrag der Kurstadt im Hardtwald, im Kurpark sowie im Lohwald bei Ober-Erlenbach unterwegs. Er sucht Daten zum Vorkommen des bedrohten Insekts in und um Bad Homburg. Die Fundpunkte fügt er zu einer Karte zusammen.

Ein Hirschkäfer-Hotspot wie der Mönchbruch mit seinen sandigen Böden, ein Naturschutzgebiet westlich des Frankfurter Flughafens, ist die Kurstadt zwar nicht. Doch Fehlow war verblüfft, wie viele Nachweise der Käfer er gefunden und wie viele Hinweise aus der Bevölkerung er schon bekommen hat. Die sammelt er weiterhin.

Im Hardtwald tritt Fehlow an einen bemoosten Baumstumpf heran. Etwa zehn alte Eichenstümpfe gebe es pro Hektar Wald, sagt der Biologe. Hier ist es am aussichtsreichsten, auf einen Käfer zu stoßen. Oder auf das, was von ihm übrig ist. Denn für Spechte, Eichelhäher oder Turmfalken stellt er einen Leckerbissen dar – da hilft auch die Ritterrüstung nichts.

Nur einen Sommer lang

Aus seiner Hosentasche befördert Fehlow Teile toter Käfer zutage, auch ein Geweih sowie ein ganzes, kleineres Weibchen. „Das habe ich gerade am Waldspielplatz gefunden“, erklärt er. Rund um den Waldfriedhof sei ein ergiebiger Ort, und auch im Gustavsgarten sowie im Kurpark sei er schon fündig geworden.

Hirschkäfer sind so selten, weil sie in den vergangenen 100 Jahren immer weniger geeignete Lebensbedingungen finden (siehe Text unten) – und weil sie nur einen Sommer haben. In diesen drei bis fünf Wochen dreht sich für sie alles um Fortpflanzung und Ei-Ablage. Nur deshalb wagen sie den riskanten, energieverzehrenden Flug – um den Raubvögeln zu entgehen, nachts oder in der Dämmerung, außerdem, wenn es windstill ist. Die großen Tiere haben eine Spannweite von bis zu zehn Zentimetern.

Die Hirschkäferzeit ist fast zu Ende, doch mit Glück können Spaziergänger noch Fragmente finden. Auch sie sind wichtig für die Kartierung. Zu 90 Prozent, so Fehlow, sitzen die Käfer an Eichen, aber auch an anderen Laubbäumen, zuweilen an Obststämmen. Bei Stümpfen können an den Seiten Larven zu finden sein. Nach der Begattung gräbt sich das Weibchen bis zu 50 Zentimeter tief in die Erde ein und legt ihre Eier an morsche Wurzelstöcke.

Die geschlüpften Larven häuten sich diverse Male und werden – sofern sie nicht von Wildschweinen gefressen werden – bis zu zwölf Zentimeter groß. Sie ernähren sich von morschem, feuchtem und verpilztem Holz, das sie mit der Zeit zu Mulm abbauen.

Im Brennholzstapel

Fünf oder sechs Jahre lang leben die Larven „im Untergrund“, bis sie sich in etwa 20 Zentimetern Tiefe einen Kokon bauen. Nach einem weiteren Winter in der Erde graben sie sich im Frühjahr nach oben, und die Metamorphose beginnt. Sie wird zur Puppe, schlüpft, und die kurze, aber intensive Paarungszeit beginnt.

Auch Gartenbesitzer könnten möglicherweise Hirschkäfer finden – vor allem, wenn sie Brennholz auf der Erde lagern. Denn auch dort könnten Larven heranreifen. Wer die Population unterstützen möchte, kann – auch ohne Kamin – eine Holzmiete mit Erdkontakt anlegen.

Foto vom Fundort

Wer einen Käfer oder auch nur Fragmente von Körpern der bedrohten Art findet, sollte dies melden: per E-Mail direkt an den Biologen m.fehlow@t-online.de oder an thomas.wenzler@bad-homburg.de vom Umweltamt der Stadt. Wenn möglich, den genauen Fundort mitteilen und ein Foto mitschicken.

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