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Alter Ortskern: Ärger ums Parken im Ortskern: Stadtpolizei greift durch

Von Mit massiven Kontrollen des ruhenden Verkehrs, etlichen Knöllchen und einem Abschleppwagen, der auch nach Mitternacht seinen Job verrichtet, versucht die Stadt den Wildparkern in Alt-Kirdorf Herr zu werden. Das empört nicht nur die Anwohner.
Auch am Kirdorfer Raiffeisenplatz wird derzeit eifrig abgeschleppt. Eine Anwohnerin, die ihr Fahrzeug seitlich neben dem Stromkasten abgestellt hatte, akzeptiert zwar den Strafzettel, kann aber nicht verstehen, dass ihr Fahrzeug abgeschleppt wurde. Auch am Kirdorfer Raiffeisenplatz wird derzeit eifrig abgeschleppt. Eine Anwohnerin, die ihr Fahrzeug seitlich neben dem Stromkasten abgestellt hatte, akzeptiert zwar den Strafzettel, kann aber nicht verstehen, dass ihr Fahrzeug abgeschleppt wurde.
Kirdorf. 

In Kirdorf kocht und brodelt die Volksseele, denn der Stadtteil ist seit einiger Zeit im Visier der Stadtpolizei. Sie kommen vornehmlich in den Abendstunden, verteilen Strafzettel und lassen abschleppen. Ihr Ziel: Die Wildparkerei eindämmen. Für die Anwohner kommt diese Aktion jedoch „wie aus heiterem Himmel“, wie einer von ihnen sagt.

Nicht genug Parkplätze

Das Problem: Gerade in Alt-Kirdorf gibt es nicht ansatzweise ausreichend öffentlichen Parkraum. In den kleinen, verwinkelten Gassen gibt es keine Bürgersteige und die Häuser wurden in einer Zeit errichtet, da fahrbare Untersätze nicht unbedingt die Regel waren und es entsprechend keine Stellplätze gibt. Da ist es in Zeiten, da jede dreiköpfige Familie mindestens vier Autos besitzt, schwierig, Parkplätze zu finden.

Tatort Raiffeisenplatz: In der Nacht vom vergangenen Donnerstag auf Freitag erwischte eine Kirdorferin, nachts um 0.30 Uhr wurde ihr Auto von einem „Stammplatz“ abgeschleppt. Zur Erklärung: Der Platz dient schon seit einer gefühlten Ewigkeit als Abstellfläche für Fahrzeuge. Es gibt dort etliche eingezeichnete Stellplätze, drum herum haben sich die Kirdorfer aber auch noch weitere „Parkmöglichkeiten“ geschaffen.

Alarm wurde ausgelöst

Unter anderem rund um einen Stromkasten. Und seitlich neben diesem hatte die Kirdorferin ihren Wagen abgestellt. „Die Türen des Stromkastens gehen nach vorne auf, ich habe den Kasten also nicht zugeparkt“, sagt sie. Dass sie an dieser Stelle einen Strafzettel für Falschparken erhält könne sie nachvollziehen, aber dass ihr Fahrzeug mitten in der Nacht abgeschleppt wurde, erachtet sie als Schikane. „Ich erinnere mich daran, dass nur abgeschleppt werden darf, wenn man den fließenden Verkehr oder Einsatzkräfte behindert“, ärgert sich die Kirdorferin. Das sei bei ihr nicht der Fall gewesen.

Am selben Standort, aber genau vor dem Stromkasten, hatte in derselben Nacht noch ein weiteres Auto gestanden. Als dieses abgeschleppt werden sollte, wurde jedoch die Alarmanlage ausgelöst. Die Besitzer hörten den Alarm, gingen auf die Straße und bekamen ihr Fahrzeug noch mal vom Haken. Und auch die Kontrollen gingen in den darauffolgenden Tagen munter weiter.

Beschwerden von Anliegern

„Wir haben auf eine Bitte des Ortsbeirats reagiert“, erklärt Stadträtin Lucia Lewalter-Schoor (SPD). Hintergrund sei, dass im Ortsteil regelmäßig Rettungswege zugeparkt würden. Das bestätigt der Ortsbeiratsvorsitzende Hans Leimeister: „Die Anregung, das zu kontrollieren, kam von Personen, die selbst im Rettungsdienst aktiv sind. Aber auch Anwohner haben sich beklagt, dass sie in den Abendstunden nicht mehr ohne Behinderungen durch Alt-Kirdorf fahren könnten.“ Daher habe man den Antrag gestellt, dass die Stadtpolizei dort häufiger kontrollieren solle.

Und so habe es zunächst eine Begehung mit Vertretern der Stadt und der Feuerwehr gegeben. „Es wurde nach kritischen Stellen und Gefahrpunkten Ausschau gehalten, an denen beispielsweise für die Wehr im Fall der Fälle kein Durchkommen wäre.“ Schließlich gebe es im Stadtteil viele alte Häuser mit Fachwerk, die bei einem Feuer eine besondere Gefährdung darstellen würden.

Anschließend habe die Stadtpolizei zunächst nur „Knöllchen“ verteilt und erst in einer weiteren Runde auch zum Hörer gegriffen, um den Abschleppwagen zu bestellen. Dieses Vorgehen sei nicht auf Kirdorf beschränkt, man werde auch die anderen Stadtteile ins Visier nehmen. „Im Moment liegt das Augenmerk auf Kirdorf, aber der Schwerpunkt wird weiterwandern“, so die Stadträtin. Das Vorgehen sei auch in der Initiative Kompass (eine Sicherheitsinitiative der hessischen Landesregierung, an der die Stadt teilnimmt) so abgesprochen worden.

Für die Anwohner ist das Vorgehen der Stadtpolizei ein äußerst zweischneidiges Schwert. „Grundsätzlich ist klar, dass Falschparker Knöllchen bekommen“, sagt ein Anwohner. Was ihn jedoch maßlos ärgert: „Wenn man so eine Aktion startet, dann muss man die Anwohner nicht wie Verbrecher jagen.“ Er hätte sich vorstellen können, dass die Anlieger – „vielleicht über die Medien“ – über die bevorstehende Aktion hätten informiert werden können. Denkbar wären aus seiner Sicht auch die „Warn-Knöllchen“ gewesen, die der ehemalige Stadtrat Peter Vollrath-Kühne (FDP) mal eingeführt habe. „Es stellt sich die Frage, worum es hier geht: um die Verkehrssicherheit oder um den Stadtsäckel.“

„Sanftere Gangart“

Auch Ortsvorsteher Leimeister ist überrascht über das rigorose Vorgehen, hätte sich eine „sanftere Gangart“ gewünscht. „Man muss doch nicht gleich mit dem Brecheisen kommen, das wirkt fast wie überreagiert.“ Zu einzelnen Abschlepp-Maßnahmen könne sie nichts sagen, so Lewalter-Schoor. Aber die Stadträtin geht davon, dass die Stadtpolizei mit Augenmaß vorgeht. Letztlich gehe es bei den verschärften Kontrollen auch nicht nur um den Verkehr, sondern auch um die Sicherheit im Stadtteil im Allgemeinen. So seien zuletzt auch Klagen laut geworden, dass nachts rund ums Schwesternhaus Jugendliche laut feiern würden – auch darauf habe die Stadtpolizei ein Auge.

Was die Parkplatz-Problematik angeht, hofft Leimeister fürs kommende Jahr auf eine gewisse Entspannung. Dann soll nämlich der Parkplatz unterhalb des Schwesternhauses für einen sechsstelligen Betrag erweitert werden, in dem man die Hälfte des Gartens des denkmalgeschützten Gebäudes nutzt. Leimeister: „Es sollen dann 40 anstatt wie bislang 20 Autos dort Platz finden. Über Nacht ist das eine gute Ausweichmöglichkeit.“

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