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Interview: Wie Moderator und Kabarettist Johannes Scherer das pointierte Erzählen lernte

Johannes Scherer ist ein Hansdampf in allen Medien-Gassen – ob als Moderator im Radio oder Kabarettist auf der Bühne – er kommt natürlich rüber. Das will er im kommenden Jahr auch in Eschbach bei seinem Auftritt. Über sich und seine Pläne sprach er mit Redakteur Andreas Burger.
Johannes Scherer will bei seinem Auftritt in Eschbach Fragen beantworten, die sich bislang noch niemand zu stellen traute. Johannes Scherer will bei seinem Auftritt in Eschbach Fragen beantworten, die sich bislang noch niemand zu stellen traute.

Comedian oder Kabarett? Wo ziehen sie die Grenze?

JOHANNES SCHERER: Diese Grenze zieht man hauptsächlich in Deutschland, in England z.B. würde diese Frage gar nicht verstanden, da es dort diese Genre-Einteilung nicht gibt. Ich rette mich bei der Antwort gerne mit dem ollen Kalauer: „Der Comedian macht es wegen dem Geld, der Kabarettist wegen DES GELDES.“

Wie kommt man auf die Ideen für ein Programm?

SCHERER: Intensives Brainstorming, Beobachtungen aus der Umwelt sammeln und monatelang zu einem abendfüllenden Programm bündeln. Ich schreibe übrigens nicht alleine, sondern seit Jahren mit meinem Freund und ehemaligen Kollegen Tim Engelmann.

War in der Familie schon eine gewisse Heiterkeit angesagt oder woher kommt der Hang zum Humor?

SCHERER: Mein Vater war ein großartiger Geschichtenerzähler. Er konnte banalste Urlaubserlebnisse mit der nötigen Übertreibung und dem richtigen Timing in äußerst witzige Schenkelklopfer verwandeln. Mutter war das immer etwas peinlich, sie versuchte dann immer, die Story wieder zu entschärfen oder richtig zu stellen. Dem Rest der Runde war es aber ziemlich egal, was daran nun stimmte und was nicht, Hauptsache, sie hatte einen hohen Unterhaltungswert.

Gibt es eine thematische Grenze, die Sie nicht überschreiten, welche?

SCHERER: Für allzu offensichtlich provokative Pointen bin ich ohnehin nicht bekannt. Generell schätze ich keine Witze über Wehrlose, sie lassen ihren Erzähler schnell unsympathisch wirken.

Welche Jobs haben sie derzeit alle am „Hals“?

SCHERER: Am 2. Weihnachtsfeiertag durfte ich bei Hit Radio FFH arbeiten, zwischen den Jahren war tatsächlich etwas Ruhe geplant, im Januar gehen dann sowohl meine Einsätze im Radio als auch meine „Keinangsthasen“-Bühnentournee weiter, in Usingen-Eschbach zum Beispiel. Außerdem bin ich dann wieder karnevalistisch im Einsatz, beide Male für das hr Fernsehen. Dort wird am 16. Januar um 23 Uhr übrigens auch eine 45-Minuten-Fassung des Programms gezeigt, das ich in Usingen-Eschbach in Gänze spielen werde.

Wie haben sie den Jahreswechsel verbracht?

SCHERER: Nicht viel spektakulärer als eine Friseurin, ein Schreinermeister oder ein Zeitungsredakteur, nehme ich an: Mit Familie, Freunden, Raclette und Rotwein.

Gab’s mal in der Bühnen-Karriere einen Flop? Oder einen absoluten und unerwarteten Knaller?

SCHERER: Vor zweieinhalb Jahren habe ich in einer ziemlich gemütlichen Kleinkunstbühne an der Nahe gespielt. Mit der Betonung auf klein. Es waren, glaube ich, 16 zahlende Zuschauer da. Ich habe mich dann in der Pause auch nicht in die Garderobe zurückgezogen, sondern mit allen Gästen an der Theaterbar angestoßen. In der zweiten Hälfte kannte ich die alle persönlich. Mein Highlight war sicher der Gewinn des Fränkischen Kabarettpreises vor 5 Jahren.

Sind sie noch mit Lampenfieber gesegnet?

SCHERER: Immer. In unterschiedlicher Intensität zwischen „nervöser Vorfreude“ und „Hosen voll“, aber das gehört einfach dazu.

Fan vom FSV? Masochist oder Sparbrötchen, weil man mit dem RMV zu Auswärtsspielen fahren kann? Woher kommt’s?

SCHERER: Wenn ich Ihnen jetzt noch erzähle, dass ich als gebürtiger Franke überdies seit Kindertagen die andere Hälfte meines Fußballherzens an den 1. FC Nürnberg verloren habe, richten Sie vermutlich ein Spendenkonto zur Finanzierung meiner Therapie ein, oder? Ach wissen Sie, Erfolgsfan kann jeder.

Wie viele Promis können Sie imitieren und wen perfekt?

SCHERER: Ein knappes Dutzend, aber die meisten leben schon nicht mehr, sind in die Bedeutungslosigkeit versunken, beziehungsweise nur noch als Rekordnationalexperte bei SKY zu sehen. Man sagt mir nach, ich gäbe einen ganz passablen Schwarzenegger ab, und wenn ich Ex-Eintracht-Coach Dragoslav Stepanovic persönlich begegne, quatschen wir immer die ersten fünf Minuten beide „stepisch“ miteinander.

Ist der Bühnenauftritt mit dem gleichen Programm ab irgendeinem Zeitpunkt Routine? Wie stemmt man sich gegen Routine?

SCHERER: Was Sie Routine nennen, nenne ich Sicherheit und die ist für mich sehr hilfreich, weil sie mir erlaubt, zu improvisieren und vom gelernten Text abzuweichen. Von daher verläuft etwa fünf bis sechs Monate nach der Premiere eines Programms jeder Abend ein wenig anders. In der Zeit davor klebe ich eher noch am Skript, weil ich fürchte, sonst den Faden zu verlieren.

Großes oder kleines Publikum, Stadt- oder Landauftritt?

SCHERER: Gutes Publikum. Wo ist wurscht. Künstler, die sich am Ende eines Auftritts ausführlich bei ihrem Publikum bedanken, tun dies übrigens in der Regel nicht, um zu schleimen. Wenn die Leute wüssten, wie viel sie selbst manchmal mit ihrer Aufmerksamkeit, ihrem Lachen und ihrem großzügigen Applaus zum Gelingen – oder Misslingen – eines Abends beigetragen haben, wüssten sie, was ich meine. Ich habe schon an zwei aufeinanderfolgenden Abenden am selben Ort auf derselben Bühne denselben Text gespielt. Mit komplett unterschiedlichen Reaktionen. Keine Ahnung, woran das liegt.

Was macht ein Kabarettist in seiner Freizeit?

SCHERER: Das müssen Sie einen hauptberuflichen Kabarettisten fragen. Ich bin Radiomoderator und mache in meiner Freizeit Kabarett. Oder reise.

Auftritt in Eschbach am 13. Januar

Wer Johannes Scherer live erleben möchte, hat am Samstag, 13. Januar, im Eschbacher Bürgerhaus Gelegenheit dazu. Dort stellt er sein brandneues Programm „Keinangsthasen“ vor.

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