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Nur Jäger dürfen fangen: Waschbären, Füchse und Steinmarder sind für manche Hausbesitzer ein Fluch

Von Wo sich Waschbären einmal angesiedelt haben, wird man sie kaum wieder los. Egal, ob man sie als possierliche Mitbewohner im eigenen Garten dulden oder ihnen die Pest an den Hals wünschen mag – einfach fangen darf man sie aber nicht. Selbst Jäger brauchen dazu einen Zusatzschein.
Das Steinmarder-Präparat demonstriert das Format der Kastenfalle, mit der Jäger mit einer speziellen Zusatzausbildung Füchse, Waschbären und Steinmarder fangen dürfen. Foto: Dorit Lohrmann Das Steinmarder-Präparat demonstriert das Format der Kastenfalle, mit der Jäger mit einer speziellen Zusatzausbildung Füchse, Waschbären und Steinmarder fangen dürfen.
Usinger Land. 

Die einen lieben nicht nur ihre eigenen Haustiere, sondern empfinden auch vor wildlebenden Individuen Respekt. Andere fühlen sich genervt – von Katzen der Nachbarn, die im eigenen Garten ihre Häufchen absetzen, ebenso wie etwa von nächtlichen Besuchern auf der Suche nach Nahrung.

Dass gegen Nachbars Stubentiger wenig auszurichten ist, haben wir erst neulich in einer unserer Ausgaben berichtet. Wie Haus und Hof am besten gegen Wildtiere schützen wird, wurde auch schon verschiedentlich dargestellt. Waschbären, die in Mülltonnen nach Essbarem forschen, Füchse, die gelbe Säcke fleddern, Steinmarder, die sich an den Kabeln von Autos verbeißen, sind für manch einen Bürger schlicht ein rotes Tuch.

Es ist richtig, dass Waschbären ursprünglich nicht in Europa heimisch waren. Die Nachfahren von ausgesetzten und ausgebüxten Tieren einer Pelztierzucht der 1960er-Jahre haben sich mittlerweile in Deutschland stark verbreitet. Usingens Revierförster Karl-Matthias Groß nimmt es eher gelassen: „Jetzt sind sie nun einmal hier, und das müssen wir respektieren.“ Er rät zu baulichen Maßnahmen, um die Kleinbären am möglichen Eindringen in Gebäude sowie in Mülltonnen abzuhalten. Gleiches gelte für den Schutz gelber Säcke, die mitunter auch dem Fuchs anheimfallen.

Zurzeit ziehen Waschbären und Füchse ihre Jungen auf, sie dürfen derzeit also nicht gefangen werden. Die Schonzeit dauert bis August. Davon abgesehen darf in Wohngebieten ohnehin keine Schusswaffe zum Einsatz kommen. Und – dies dürfte nicht jedem Bürger bekannt sein – selbst das Aufstellen einer Falle ist nicht ohne weiteres erlaubt.

Katzen sofort freilassen

Nach geltendem Jagdrecht dürfen nur ausgebildete Jäger Fallen aufstellen, die zusätzlich zu ihrem gültigen Jagdschein einen Fangjagdlehrgang absolviert haben. Denn es gibt vieles zu beachten bei der Fallenjagd.

„Es besteht immer die Gefahr, dass zum Beispiel ein Haustier oder eine Wildkatze in die Falle gerät“, begründet Jagdausbilderin Ursula Zieten die Notwendigkeit dieses Speziallehrgangs für jene, die eine Lebendfalle aufstellen wollen. Deshalb müssten Kastenfallen abgedunkelt sein, um dem darin eingeschlossenen Tier möglichst wenig Anlass zur Panik zu bieten. Zudem sind regelmäßige Kontrollen vorgeschrieben. Versehentlich gefangene Katzen und Hunde müssen laut Gesetz sofort frei gelassen werden, nur Beutegreifer und Kaninchen darf ein Jäger anschließend töten. Doch auch hierfür gibt es strenge Regularien, um dem gefangenen Individuum möglichst jede Qual zu ersparen.

„Der Kerl war wieder da“

Ein mutmaßlicher Jäger, der in seinem Pfaffenwiesbacher Garten eine Drahtfalle zum Einfangen von Katzen und Waschbären aufgestellt haben soll, verunsicherte Haustierhalter in dem betreffenden Wohngebiet. Im Nachbarort Kransberg soll auch schon einmal jemand versucht haben, der Waschbärplage mit einer Kastenfalle zu begegnen. Allerdings ohne Erfolg. „Der Kerl war ein paar Tage später wieder da“, lautete die frustrierte Beobachtung. „Wo der Lebensraum für einen Waschbären stimmt, dort rücken immer welche nach“, vermutet indes Karl-Matthias Groß.

Und übrigens: Erst vor wenigen Monaten veröffentlichte Diplombiologin Berit Michler ihre Doktorarbeit zum Nahrungsspektrum des Waschbären mit dem Tenor: „Obwohl immer wieder vom negativen Einfluss des Waschbären als Nesträuber und Niederwildprädator berichtet wird, gibt es aus wissenschaftlicher Sicht aus seinem ortsfremden Verbreitungsgebiet auch bei fortschreitendem Populationswachstum keine wissenschaftlich reproduzierbaren Belege.“

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