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Ortswappen: Vom Turm zu den Löwen

Ortswappen im Usinger Land. Die Wehrheimer brüsten sich mit ihrem Anfangsbuchstaben und den Diezer Goldlöwen. Aber auch die drei Ortsteile haben beredte Motive.
Das Wehrhafte war den Wehrheimern einst auch ins Wappen geschrieben. Das hielt aber nur solange, bis die goldigen Diezer Löwen kamen, die dann Einzug ins Wappen hielten. Bilder > Foto: Frank Saltenberger Das Wehrhafte war den Wehrheimern einst auch ins Wappen geschrieben. Das hielt aber nur solange, bis die goldigen Diezer Löwen kamen, die dann Einzug ins Wappen hielten.
Wehrheim. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat der ehemalige Landkreis Usingen nicht nur für sich eine neues Wappen beantragt, sondern auch kurz darauf für sämtliche Gemeinden des Kreises.

Wehrheim, dessen Wappen heute unter die Lupe genommen werden soll, nimmt als Reichslehen der Grafen von Diez, die auch Stadtrechte für ihren Ort erwarben, erstmals Kontur an. Das Diezer Wappen tritt daher in den ersten Siegeln der Stadt auf und hat sich noch erhalten, als Wehrheim bereits unter Kurtrier und Nassau-Oranien geteilt war. Darüber hinaus war das „Schloss“ ein alter Bestandteil der ersten Wehrheimer Siegel.

Bei der Wappenbildung in herzoglicher Zeit wurde besonders auf die Wehrhaftigkeit, die sich aus dem Ortsnamen ergab, hingewiesen – durch einen stilisierten mit zwei Türmen versehenen Wehrbau. Bei dem 1953 genehmigten Wappen kamen die beiden Diezer Löwen und damit die historischen Wurzeln wieder zu alten Ehren, die sicher mehr Identifikationspotential boten als die symbolische Wehrhaftigkeit. Leider fand auch der grafische Zeitgeist Eingang in das Wappen, denn das „W“ ist im Grunde genommen ein belanglose Zutat, die dem Ort keinen weiteren heraldischen Glanz bescherte. Und – wer weiß – wenn heute ein neues Wappen zu kreieren wäre, würde vermutlich der Apfel oder der Apfelbaum in irgendeiner Form ins Wappen geraten.

Ein Baum beherrscht das Wappen des Ortsteils Obernhain. Dazu schreibt der Wappenforscher Otto Renkhoff: „Das spätere Siegel bringt . . . einen kugelförmigen Laubbaum, der nicht als Eiche, auch nicht als Apfelbaum charakterisiert ist, wie aus dem weithin bekannten Obstbau der Gemeinde zu schließen wäre“. Bei dem vom Schultheißen 1817 vorgeschlagenen und genehmigten Wappenmotiv handelt es sich um eine kapitale grüne Eiche auf silbernem Grund und schwarzem Boden. Offensichtlich war der wichtige Nutz- und Symbolbaum zu Herzogszeiten auch in Obernhain der zentrale Baum, wenn auch nicht gerade ein Alleinstellungsmerkmal.

Das Pfaffenwiesbacher Wappen fällt aus dem Rahmen des Üblichen, was hierzulande in den Gemeindewappen anzutreffen ist. Aber auch hier bildet die ältere Geschichte den Bezugspunkt, denn der Ortsname deutet auf einen besonderen Status der Kirche, der sich auf den klerikalen Deutschen Orden zurückführen lässt, der zu dieser Zeit in dieser Gegend Güter hatte. Deshalb hat der offenbar geschichtskundige nassauische Amtmann 1816 auch das Kreuz als Wappenmotiv vorgeschlagen. Es handelt sich um ein sogenanntes Tatzenkreuz, das in vielen Varianten von Ordenskörperschaften und Hoheitszeichen geführt wird. Das Paffenwiesbacher Wappen, weißes (silbernes) Kreuz auf rotem Grund, ist durch Kugeln in den Winkeln der vier Arme bereichert.

Als die Schultheißen und Amtmänner sich im Herzogtum Gedanken über Wappen für ihre Orte machten, starb der damalige Herzog Friedrich August von Nassau-Usingen und eines seiner Dörfer lag noch weitgehend in Schutt und Asche, denn ein Brand hatte das Dorf Kransberg vernichtet. Noch bevor das Dorf wieder aufgebaut war, gründete man 1814 im nahen Holzbachtal einen nach dem Herzog benannten Ort: Friedrichsthal. Der stilisierte Holzbach durchquert auch das Wappen und wo ein Bach ist, ist ein Mühlrad nicht weit. Auch ein Vogel auf einem Ast verleiht dem Ort seit 1952 mit seiner bilderbuchhaften Heraldik Identität.

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