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Gutachten in Auftrag gegeben: Verkehrsbüro lässt an Umgehungsplänen kein gutes Haar

Von Wenn die Interessengemeinschaft zur Erhaltung der Usinger Landschaft, kurz und sperrig auch IZEDUL genannt, zur Pressekonferenz lädt, steht das Ergebnis im Prinzip fest: Die Umgehungsstraße ist nicht nötig, zu groß und umweltschädlich. Nun haben sich die Gegner eine Fachagentur ins Boot geholt, die alle Pläne unter die Lupe nahm und feststellt: Nicht genehmigungsfähig.
Norbert Gerhardt (von links) erläutert mit Fritz Petri von IZEDUL und Wulf Hahn von RegioConsul die Probleme in der Planung der neuen Nordostumgehung. Norbert Gerhardt (von links) erläutert mit Fritz Petri von IZEDUL und Wulf Hahn von RegioConsul die Probleme in der Planung der neuen Nordostumgehung.
Usingen. 

Wulf Hahn spricht ohne Schnörkel oder Pathos. Der Diplom-Geograph hat sich mit seinem Unternehmen RegioConsult (Verkehrs- und Umweltmanagement) im Auftrag der Usinger Interessengemeinschaft zur Erhaltung der Usinger Landschaft die Pläne zur Nordostumgehung geschnappt und sie auf Fehler untersucht. Nach seinen Aussagen sind davon massig in dem Papier zu finden, das sich in der Offenlage befindet – noch bis Montag, 25. Juni, können Bürger die Planung einsehen und Einwendungen vorbringen.

Die hauptsächliche Kritik: Weil für die zahlreichen Untersuchungen – sei es zu Flora, Fauna oder Fahrzeugzahlen – alte Daten verwendet worden seien, müsse die gesamte Untersuchung noch einmal gemacht werden. Zudem hätten die Planer von Hessen Mobil deutlich zu hohe Verkehrszahlen zugrunde gelegt. Damit sei die Planung ebenfalls nicht genehmigungsfähig. „Die Verkehrsuntersuchung 2015 zu 2010 hat ergeben, dass die Verkehrsbelastung etwa auf der B 456 Richtung Grävenwiesbach deutlich gesunken ist“, sagt Hahn.

Vorgaben nicht beachtet

Was die Umweltverträglichkeit betreffe, lasse die Planung die Wasserrahmenrichtlinie aus 2017 völlig außen vor. Und: Man halte sich nicht an die neue Regel, dass es für das Wasser keine Verschlechterung sondern eine Verbesserung geben müsse. Es fehle eine Untersuchung, wie sich die Straße chemisch auf die Gewässer auswirke. A propos Chemie: Gerade im Winter droht der Natur laut Wulf Hahn Böses. Denn die Planung gehe davon aus, dass die neue Straße nur an drei Tagen hintereinander mit acht Touren zu je 20 Gramm Salz enteist wird. „Doch ein harter Winter braucht 40 Gramm. Dies ist ein klarer Fehler in der Planung. Die Berechnung muss neu gemacht werden.“

Das Büro hat auch Defizite in Bezug auf die Tierwelt gefunden. Eulen, Fledermäuse und Haselmaus – ihre Belange würden zu wenig berücksichtigt, Fehler seien zu erkennen, auch hier fordert das Büro Nachbesserung. „Nur weil in der Untersuchung keine Bartfledermaus im Netz gefangen wurde, heißt das ja nicht, dass es sie nicht gibt“, verdeutlicht Hahn. Bei Steinkauz und Specht gelte ähnliches, vor allem sei hier die Untersuchung der Auswirkung des Krachs durch die Fahrzeuge nicht ausreichend belegt.

Zu wenig Entlastung

Und dann sieht er ein absolutes k.o.-Kriterium: „In der Lärmuntersuchung hat Hessen Mobil nur Fahrzeuge über zwölf Tonnen berücksichtigt.“ Das könne ein redaktioneller Fehler sein. Aber das wisse man ja nicht. Seinem Büro fehlen grundsätzlich vergleichbare Zahlen und Fakten zu allen vier Varianten. Früh habe man sich auf eine festgelegt, ohne verträglichere Möglichkeiten zu berücksichtigen.

Bürgerversammlung am kommenden Montag

Die Interessengemeinschaft zur Erhaltung der Usinger Landschaft hat eine fünfstellige Summe aufgebracht – selbst oder durch Spenden –, um das Gutachten zur vorgelegten Planung erstellen zu lassen.

clearing

Noch ein großer Kritikpunkt: Die Umgehung bringe Usingen generell nicht die erhoffte Entlastung. „In der Innenstadt werden sich, je nach Straße, weiter täglich zwischen 4000 und 10 000 Fahrzeuge bewegen. Diesen Ziel- und Quellverkehr bringt die Umgehung nicht raus.“ Überhaupt: Die großen Gewerbeflächen und -betriebe hätten keinen Anschluss an die Straße, deren Verkehr müsste weiter durch Usingen durch. „Die Verkehrszählungen haben doch ergeben, dass von 18 000 Fahrzeugen auf der Nord-Süd-Achse nur 1200 die Stadt durchqueren. Der Rest fächert sich auf. Und auf der Ost-West-Linie sind es 9400 Fahrzeuge rein, nur 1700 raus.“

Dass die Planung eine Tieferlegung der Straße um 18 Meter auf 85 Metern Breite ausweist, ist ihm ein kompletter Graus. „Hier könnte das Grundwasser angeschnitten werden. Derzeit laufen Bohrungen, deren Werte in den Plan noch gar nicht eingeflossen sind.“ Dass im Wehrheimer Wald auf rund 44 000 Quadratmetern Bäume gefällt werden müssen, sieht der Planer anders. Hier sei eine Alternative möglich gewesen. „Ich bin jetzt 23 Jahre in diesem Beruf. Aber einen solchen massiven Eingriff in die Natur habe ich noch nie erlebt.“

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