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Bienen: Überzüchtete Zierblumen bieten den Insekten oft keine Nahrung

Von Wildblumen sind hübsch. Und aus vielen lassen sich leckere Gerichte zaubern. Dass sie aber zugleich die Lebensgrundlage für viele Insekten bilden, macht Wildpflanzen schlicht unverzichtbar. Deshalb sollten sie auch wieder Einzug in Gärten halten, empfiehlt Dr. Simone Kilian.
Dr. Simone Kilian (rechts) verteilte grüne „Insektenrüssel“ an die Teilnehmer der Wildpflanzenexkursion. Foto: (145982898) Dr. Simone Kilian (rechts) verteilte grüne „Insektenrüssel“ an die Teilnehmer der Wildpflanzenexkursion.
Usingen. 

„Wenn Menschen zu Insekten werden…“, hätte man das Spiel benennen können. Ein Spiel, das mit Gelächter einher ging, weil die den Beteiligten gestellte Aufgabe gar nicht so einfach umzusetzen war. Dr. Simone Kilian verteilte bei der Kräuterführung Stücke grüner Trinkhalme als „Insektenrüssel“ an die Teilnehmer. Die mussten nun versuchen, eine für ihren jeweiligen Rüssel geeignete „Blüte“ zu finden, um „Nektar“ daraus zu saugen. Die Blüten bestanden aus roten Serviettenblüten, in unterschiedliche gläserne „Blütenkelche“ gesteckt.

Einfach war’s nicht, erwies sich doch manch Blüte schlicht als unzugänglich für den jeweiligen Insektenrüssel. Wie im richtigen Leben eben. Denn was Kilian mit diesem Experiment demonstrieren wollte, war genau diese oft vergebliche Futtersuche eines Insekts in Ziergärten von Menschen. „Gefüllte Zierblüten sind für uns zwar eine Augenweide“, beschrieb die promovierte Botanikerin. „Aber den Insekten bringen die Blüten nichts.“ Die meist ohnehin schon verkümmerten Geschlechtsorgane der Blüte seien in der undurchdringlichen Fülle an Kronblättern für Insekten schlicht nicht zu erreichen.

Große Vielfalt

Nun aber sind’s just die Insekten, allen voran die bemerkenswerte Vielfalt an Wildbienen, die einerseits von nahrhaften Blüten leben. Zugleich sind sie es, die die Vermehrung der Pflanzen sichern. Deshalb setzte Simone Kilian, die seit einigen Jahren auf Einladung der Usinger Vogelschutzgruppe Kräuterwanderungen durchführt, diesmal einen besonderen Schwerpunkt in ihrer Exkursion. Es ging ihr darum, die Teilnehmer besonders für die Insektenwelt zu sensibilisieren.

Wieder ging es durchs Naturschutzgebiet Röllbachtal, wo die Botanikerin reichlich Anschauungsmaterial für ihre Wildblumenkunde vorfand. Diesmal galt die Suche aber zusätzlich den Wildbienen. Mit dem mitgebrachten Insektenfanggerät gelang allerdings lediglich der Fang einer einzigen Hummel.

„Wildbienen sind einfach unheimlich pfiffig“, resümierte Simone Kilian und beschrieb deren besonders entwickelten Augen und Fühler, ihr Riechorgan, mit dem sie sogar „stereo“ riechen könnten. So blieb den Exkursionsteilnehmern bloß die Möglichkeit, Bienen an ihren Futterpflanzen zu beobachten.

Dazu gehörte übrigens ein recht üppiges Aufkommen an Honigbienen, die die derzeit blühenden Himbeerpflanzen als Nahrungsquelle entdeckt hatten. An dem eingefangenen Exemplar der Hummel ließ sich gut das „Pollenhöschen“ erkennen, das viele Bienenarten an ihren Hinterbeinen zu sammeln pflegen. „Damit wird die Brut gefüttert“, erklärte Dr. Kilian.

Einige Arten sammeln den Pollen allerdings an der Körperunterseite. Beim Saugen des Nektars aus den Tiefen einer Blüte werde zugleich Pollen am klebrigen Stempel abgestreift, die Pflanze somit bestäubt. Nur so gelinge die Vermehrung. Manche Wildbienenarten hätten sich sogar auf eine einzige Pflanzenart spezialisiert. Verschwinde diese Pflanze, werde dem betreffenden Insekt die Nahrungsgrundlage entzogen.

Wichtige Wildpflanzen

Dass Wildpflanzen somit nicht als unliebsames Unkraut vernichtet werden dürften, sondern einen äußerst wichtigen Stellenwert im Naturkreislauf einnehmen, etabliere sich nach und nach wieder in den Köpfen von Gartenbesitzern. Manche seien inzwischen auch dazu übergegangen, auf ihrem Grundstück Insekten Nistmöglichkeiten zu bieten. Manche Arten benötigten dazu Trockenmauern, andere freie Sand- oder Lehmflächen. Auch in Abbruchkanten, verlassenen Schneckenhäusern und in Holz nisten einige Insektenarten sich gerne ein.

Stängeln von Stockrosen oder Brombeeren eigneten sich hervorragend als Niströhren für Wildbienen, sagte die Wissenschaftlerin. Vorsicht indes sei geboten bei im Handel erhältlichen fertigen Insektenhotels. „Die sind oft aus Holunderstängeln gemacht, und die mögen Wildbienen gar nicht gerne.“ Hilfestellungen gebe es beim Verein für naturnahe Garten- und Landschaftsgestaltung „Naturgarten e.V.“ sowie in einschlägiger Literatur.

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