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Wohnraum: Tauschgeschäfte sind schwierig

Von Wohnraum ist mehr als knapp im Taunus. Auch wenn in vielen Kommunen derzeit Baugebiete entstehen oder bereits bebaute Flächen neu überplant werden, haben es vor allem Familien mit kleinerem Einkommen schwer, etwas zu finden. Theoretisch gibt’s Lösungen, praktisch aber scheitert es oft an der Umsetzung. Da hat auch das DRK Hochtaunus seine Erfahrungen gemacht.
Die Weingärten heute: Großzügige Einfamilienhäuser liegen versteckt in den mittlerweile hochgewachsenen Sträuchern, Hecken und Bäumen. Hier würde die Stadt gerne neuen Wohnraum durch Teilung schaffen. Die Weingärten heute: Großzügige Einfamilienhäuser liegen versteckt in den mittlerweile hochgewachsenen Sträuchern, Hecken und Bäumen. Hier würde die Stadt gerne neuen Wohnraum durch Teilung schaffen.
Hochtaunus. 

Als das Usinger Stadtparlament 2017 der Verwaltung den Auftrag gab, schien das ganze eine gute Idee zu sein. Das alte Wohngebiet Weingärten aus den 70er Jahren gehört noch zu den Flächen, in denen die Besitzer mit Grundstücken um die 1000 Quadratmeter leben. Heute sind’s im Schnitt 400 Quadratmeter, auf denen ein Häuschen steht.

Nun sollte die Verwaltung eruieren, ob denn a) die Besitzer einverstanden sind, die Areale zu teilen oder b) auch an Familien zu verkaufen. Denn oft genug sind die Kinder längst aus dem Haus, der große Garten ist für manche Rentner kaum noch zu bewältigen. Oder der Partner gestorben, das ganze wird von einem Alleinstehenden bewohnt. Friederike Schulze vom BUND Hochtaunus hatte bereits auf die Idee verwiesen, dass eigentlich viel Wohnraum gerade für Familien geschaffen werden könne, wenn solche Areale geteilt, große Häuser in zwei Wohnungen umgewandelt würden oder es gleich einen Verkauf gebe.

Klein gegen Groß

Bürgermeister Steffen Wernard (CDU) kann zu den Vorschlägen nur nicken – allein: „In der Realität sieht’s anders aus. Die Befragung und Beplanung Weingärten haben wir aufgrund des momentan laufenden integrierten Stadtsanierungskonzeptes noch nicht geschafft. Wir überlegen, ob wir den Auftrag an eine Firma vergeben.“ Aber eine Befragung ähnlicher Art habe es in der Heinrich-Müller-Siedlung gegeben. Ergebnis: ausbaufähig.

„Wir haben vor allem bei den Bürgern mit größeren Wohnungen und kleineren Familie, also alleinstehend oder zu zweit, gefragt, ob sie sich denn einen Umzug in einer der gerade neu fertiggestellten Wohnungen vorstellen können. Die Antworten waren eindeutig: Nur mit den Füßen zuerst; Wir wohnen schon immer hier; Zu viel Hektik.“ Das sei eben ein diffiziles Thema. Gerade in der Siedlung lebten viele zu zweit in vier Zimmern.

Theoretisch sei dies aber eine durchaus überdenkenswerte Lösung, neuen Wohnraum zu schaffen. Dazu müsse man aber einen Investor finden, der zuerst finanzierbaren Wohnraum für die älteren Bürger schaffe, der seniorengerecht sei und von der Infrastruktur gut liege. Dann müsse die große Immobilie saniert und umgebaut werden. „Die Stadt kann dies finanziell nicht leisten. Aber vor allem müssen die Betroffenen erst einmal bereit sein, aus ihrem langjährigen Domizil auszuziehen.“

Dass bestehende Gebäude aufgestockt würden oder neue gar bis zu vier Stockwerken hoch sein müssten, auch das sieht der Bürgermeister kritisch. „Wir müssen nur sehen, wie die Nachbarschaft reagiert, wenn ein Gebäude mehr als zwei Stockwerke hat. Das gibt fast immer Ärger.“

Gerade in jüngster Vergangenheit habe die Stadt viele Hausbesitzer auch angesprochen, ob denn die Nutzung der Einliegerwohnung möglich sei – schließlich suchten nun auch die anerkannten Flüchtlinge Wohnraum. „Aber wir mussten nur das Wort Flüchtlinge erwähnen, war das Thema schon vom Tisch.“ Und meist würden solche Wohnungen für die Kinder reserviert, die vielleicht ein oder zwei Mal im Jahr zu Besuch kämen.

Halb so viel Miete

Dass es Lösungen gibt, zeigt das Beispiel Nordrheinwestfalen. „Wohnen für Generationen“ ist ein Programm des Immobilienkonzern LEG: Mietern soll ein Wohnungstausch angeboten werden. Lebt ein Rentner mittlerweile allein in einer 90-Quadratmeter-Wohnung, versucht die LEG, ihm eine 45-Quadratmeter-Wohnung ganz in der Nähe anzubieten. Angeblich mit der Garantie, dass der Mann in der Wohnung, die halb so groß ist, wie seine vorherige, auch nur halb so viel Miete zahlt. Ziel ist es, so die Wohnsituation. Ohne zeitaufwendigen Neubau hofft man so, rasch und unbürokratisch zusätzlichen Wohnraum für Familien schaffen zu können. 1000 familiengerechte Wohnungen könnten so frei werden, schätzt man.

Nur: Die LEG verwaltet rund 130 000 Wohnungen im Land. Da kann die Usinger Wohnungsbaugenossenschaft nur neidisch schauen. Denn sie verwaltet gerade mal 600 Wohnungen in Usingen, Neu-Anspach, Grävenwiesbach, Schmitten, Wehrheim, Waldems und Weilrod.

Auch das DRK Hochtaunus hatte bereits einen ähnlichen Versuch gestartet: Junge und Alte zusammenbringen, also Zeit gegen Wohnraum tauschen, so der Plan. Da junge Familien Wohnungen suchten, Ältere meist in größeren Häuser säßen, könne man doch beide unter ein Dach bringen. Jung hilft alt, pro Quadratmeter eine Stunde im Monat.

Nun ja. Die entsprechende Homepage gibt’s nicht mehr, das Projekt scheiterte mangels Bereitstellung von Wohnraum. Wie das DRK damals ermittelt hat, waren 2015 insgesamt 12 500 Menschen (23,6 Prozent der Gesamtbevölkerung) im Jahr 2011 in Bad Homburg über 65 Jahre alt. 37 Prozent aller kurstädtischen Haushalte sind Ein-Personen-Haushalte. Auf der anderen Seite sind 480 junge Menschen zwischen 18 und 24 Jahren im Zeitraum 2005 bis 2009 in die Kurstadt gezogen. Sie und andere Kommunen könnten noch mehr verjüngt werden, gäbe es bezahlbaren Wohnraum.

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