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Stadtentwicklung nach Plan

Von Kronbergs parteiloser Erster Stadtrat sollte sich wohl kein Kopfzerbrechen darüber machen müssen, ob er 2015 wiedergewählt wird. Mehr Gedanken will er sich gemeinsam mit den Verantwortlichen und Bürgern darüber machen, wie die Burgstadt sich für die kommenden Jahre aufstellt.
Kronberg. 

Ein kleiner, neuer Stadtteil wird im Herbst fertiggestellt sein: das Wohngebiet am Henker. Die Häuser stehen ja schon, jetzt wird der öffentliche Raum gestaltet mit sechs Straßen, einem Platz und einem Spielplatz. Das ist schön, das ist greifbar, das ist konkret.

Vieles jedoch von dem, was im neuen Jahr ansteht, bleibt vermutlich noch ein Weilchen abstrakt. Weniger wichtig wird es dadurch nicht.

Im März, so stellt sich das Erster Stadtrat Jürgen Odszuck (parteilos) vor, könnte in die Diskussion um das Stadtentwicklungskonzept eingestiegen werden. Mit einer Auftaktveranstaltung etwa, aus der heraus sich Arbeitsgruppen bilden könnten. Dort könnten sich dann auch Bürger beteiligen.

Beim Stadtentwicklungskonzept geht es um nicht weniger als die Frage, wie das Kronberg der Zukunft aussehen soll. Gewerbe, Verkehr, Freizeit – all das sind wichtige, Bereiche, die den Charakter der Burgstadt ihre Wirtschaftskraft und die Lebensqualität beeinflussen. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass dem Themenkomplex Wohnen – insbesondere den Fragen nach bezahlbarem sowie nach sozial gefördertem Wohnen – große Bedeutung zukommen wird.

 

Einkommensteuer wichtig

 

Das hat mehrere Gründe: Zum einen ist bezahlbarer Wohnraum in Kronberg schon seit Jahren knapp. Dieser ist aber wichtig, um junge Familien anzuziehen oder zu halten. Junge Familien wiederum sind wichtig, um das Gemeinwesen mittel- und langfristig aufrechtzuerhalten. Dabei hat die Stadt auch das Interesse, solche Einwohner zu gewinnen, deren Einkommensteueranteil der Stadtkasse zumindest etwas Geld bringt. Schließlich wollen die Infrastruktureinrichtungen wie Stadtbus, Bibliothek und Waldschwimmbad bezahlt werden. Auf der Einnahmeseite hat in den vergangenen Jahren der Einkommensanteil gegenüber der Gewerbesteuer an Bedeutung gewonnen.

Ein weiterer Grund, warum das Thema Wohnen in den Fokus rückt: Am Bahnhof soll ein Quartier entstehen, das nicht nur Gewerbe, Hotel und Kammermusiksaal Platz bieten soll, sondern auch dem Geschosswohnungsbau. Odszuck erwartet, dass 2015 die Entscheidungen über den Wohnungsmix und den oder die Partner, mit denen die Wohnungen am Bahnhof gebaut werden sollen, getroffen werden.

Ein weiteres Gebiet, das in diesem Zusammenhang erwähnt werden muss, ist der Grüne Weg. Die Mehrheit der Stadtverordneten hat sich bereits dafür ausgesprochen, dass dort ebenfalls Wohnhäuser errichtet werden sollen. Die Mandatsträger werden im Laufe des Jahres aus vier unterschiedlichen städtebaulichen Konzepten für den Grünen Weg auswählen können. Die Grünen allerdings lehnen die Bebauung der Flächen ab.

Es ist anzunehmen, dass im Laufe des Jahres der politische Ton in Kronberg rauer wird, schließlich sind im März 2016 Kommunalwahlen. Die Herausforderung für die Stadtverordneten wird sein, sich einerseits klar zu positionieren, andererseits aber nicht des Streites wegen zu streiten. Profil ist gefragt, Profilierungssucht fragwürdig. Wie es den Fraktionen von CDU und SPD gelingt, aus dem Kuschelmodus der Großen Koalition in den Wahlkampfmodus zu wechseln (und ob es da überhaupt noch einen Unterschied gibt), wird spannend zu beobachten sein.

Sorgen darüber, dass seine Wiederwahl ins Fahrwasser parteipolitischer Auseinandersetzungen gerät und dadurch gefährdet würde, braucht sich Erster Stadtrat Odszuck nicht mehr zu machen. Dafür haben sich CDU und SPD schon deutlich genug hinter ihn gestellt. Dass sich der Parteilose vor der Wahl durch die Stadtverordneten am 23. Juli womöglich den einen oder anderen kritischen Ton anhören muss, wird er verkraften.

 

Kampf mit Wiesbaden

 

Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos), 2014 von den Bürgern in direkter Wahl wiedergewählt, hat bereits die ersten Schritte in einem Kampf unternommen, der im neuen Jahr auf vielen Ebenen fortgeführt wird: der Kampf gegen die von der hessischen Landesregierung geplanten Neuordnung des Kommunalen Finanzausgleichs. Auf Kronberg mit seinem strukturellen Defizit würden weitere Belastungen in Millionenhöhe zukommen, sollte die Neuordnung wie geplant kommen.

Um den Haushalt zu konsolidieren, soll 2015 die Einnahmesituation verbessert werden. Stichwort: Wirtschaftsförderung. Neue Unternehmen ansiedeln, die dann Gewerbesteuer zahlen, und gleichzeitig die Bestandsunternehmen halten – all das ist für Kronberg mit seinem geringen Flächenangebot keine leichte Aufgabe.

Auch im Kulturbereich werden in Kronberg 2015 Weichen gestellt. Da ist das bereits angesprochene Leuchtturmprojekt des Kammermusiksaals am Bahnhof, den die Kronberg Academy bauen will, da ist die mögliche Gründung einer Kultur, Stadtmarketing und Tourismus GmbH und da ist die Frage, ob die Villa Winter zu einem Haus der Kultur werden soll.

Darüber entscheiden die Stadtverordneten wahrscheinlich schon in ihrer ersten Sitzung im neuen Jahr, am 19. Februar. Diese Entscheidung hat für die Nutzung weiterer Immobilien in Kronberg Konsequenzen.

Derzeit dient die Villa Winter noch der Unterbringung von Flüchtlingen. Das Café international ist nur eines von vielen Projekten, das ehrenamtliche Helfer im gerade verabschiedeten Jahr auf die Beine gestellt haben. Ohne die hohe Bereitschaft zu privatem Engagement wäre vieles in Kronberg nicht möglich.

Drei Kronberger Vereine werden 2015 25 Jahre alt: der Allgemeine Deutscher Fahrrad-Club (ADFC), der Förderverein der Ökumenischen Diakoniestation Kronberg und der Partnerschaftsverein Kronberg – Ballenstedt.

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