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Versteckspiel in der Natur: So wird man im Wald unsichtbar

Von Der Nabu Hessen lud zum Tarnwochenende auf den Zeltplatz in Pfaffenwiesbach ein. Doch statt in Camouflage-Klamotten durch den Wald zu robben, lernten die Teilnehmer die verschiedenen Techniken des Tarnens kennen. Ob sie das im Alltag brauchen werden, blieb aber dahingestellt.
Suchbild: Wie viele junge Leute haben sich hier gut versteckt? Bilder > Foto: Tatjana Seibt Suchbild: Wie viele junge Leute haben sich hier gut versteckt?
Pfaffenwiesbach. 

Sich der Umgebung anzupassen, ist die große Kunst von Tieren. Sie sichern ihr Überleben, indem sie Fressfeinde in die Irre führen. Ein gutes Beispiel für die Anpassungsfähigkeit an seine jeweilige Umgebung ist das Chamäleon, doch auch Insekten wie die Gespenstschrecke, die aussieht wie ein Ästchen an einem Baum oder Heuschrecken, die die Farbe von grünen Blättern haben, verlangen ein genaues Hinsehen, sofern der Betrachter sie entdecken will.

„Tarnen kann man sich aber nicht nur optisch“, sagte Wenke Poth von der Naturschutzjugend Hessen (Naju). Ein gutes Beispiel für die Tarnung über den Geruch sind die Rehkitze, die zunächst noch keinen eigenen Geruch haben und sich so vor Feinden schützen.

Dem Thema Tarnung widmete die Naju nun ein ganzes Wochenende auf dem Zeltplatz am Jungholz in Pfaffenwiesbach. „Das ist das erste Mal seit elf Jahren, dass wir wieder eine Freizeit organisiert haben“, sagte Jugendleiterin Wenke Poth. Die Resonanz war durchaus zufriedenstellend und so packten elf Teilnehmer ihren Rucksack und machten sich mit den Betreuern auf zum Zelten.

Alle Sinne gefragt

Doch warum müssen sich die Menschen überhaupt im Wald tarnen? „Für die Teilnehmer geht es hauptsächlich um neue Erfahrungen“, sagte Poth. Dabei stehe nicht so sehr die praktische Anwendung im Alltag im Vordergrund, sondern vielmehr der Spaß des Ausprobierens und der Nähe zur Natur.

Doch wie tarnt man sich in der Natur? „Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten“, erklärte Poth. Tarnung sei nicht nur auf die Optik beschränkt, sondern schließe auch andere Sinne mit ein. Da wären zum Beispiel die Geräusche, die Menschen allein durch das Schuhwerk im Wald verursachen. „Deshalb haben wir den Jugendlichen gesagt sie sollen die Schuhe ausziehen“, schilderte die Leiterin, die gemeinsam mit Lucas Herfurth, Amelie Ley und Leo Meier die Jugendlichen betreute.

Barfuß ging es für die Teilnehmer fortan durch den Wald und die Wiese, das Lagerfeuer, dass sie am Zeltplatz entzündeten, hatte neben der angenehmen Wärme und Hitze zum Kochen auch noch weitere Vorteile. Der Rauchgeruch, der sich unweigerlich in den Klamotten festsetzte, „der überdeckt so manche Duftnote“, wusste Leo Meier. Was die Jugendlichen schnell raus hatten: Ruß eignet sich ganz hervorragend zum Tarnen in der Natur. Mit Freude nutzen sie dazu verkohlte Äste, rieben die schwarzen Krümel herunter, um sie sich im Gesicht und auf den Armen zu verteilen. Zugegeben, das war nicht nach jedermanns Geschmack, doch ein Großteil hatte dabei riesigen Spaß.

Luca und Lilly, beide zehn Jahre alt, hingegen setzten nicht auf Ruß, sondern auf Blätter. Im dichten Laubwald zupften sie einzelne Blätter von den Ästen, um sie in den Haaren zu verteilen und nutzten darüber hinaus eine mit jungen Bäumen bewachsene Stelle, um sich dort ganz klein zu machen. Regungslos verharrten sie in dieser Position und zeigten, wie das nichtsahnende Auge einfach über sie hinweg sehen würde.

Mit Laub bedeckt

„Eine nicht so auffällige Kleidung ist natürlich von Vorteil“, erklärte Amelie Ley. Rote T-Shirts fielen auf, doch gedeckte Farben wie grün und blau hingegen boten für sich genommen schon eine gute Grundlage, um nicht sofort entdeckt zu werden. Das klappte nicht bei allen, doch ein Großteil setzte auf gedeckte Farben. Bei einem Suchspiel im Wald hatte sich der elfjährige Markus übrigens perfekt getarnt. Er nutzte die Wurzel eines umgestürzten Baumes, um sich dort auf den Boden zu legen, mit Laub und Erde zu bedecken, so dass am Ende fast nur noch seine Augen zu sehen waren.

Auch Leo Meier, der sich ein grünes Hemd angezogen hatte, brauchte mit der Wurzel an seiner Seite nur noch still zu sitzen, um von den anderen Teilnehmern nicht mehr entdeckt zu werden. Erstaunt waren die Teilnehmer selbst über die verschiedenen Möglichkeiten, die ein Wald zur Tarnung bietet. Und beim gemeinschaftlichen Kochen entwickelten die Jugendlichen, die übrigens alle zwischen zehn und 13 Jahren alt waren, immer wieder neue Ideen, wie sie sich noch ein bisschen besser in ihrer Umgebung tarnen können.

Für die Jugendlichen wird es sicherlich nicht das letzte Mal gewesen sein, dass sie sich ein Wochenende Auszeit vom Alltag gönnen, um etwas ganz Neues auszuprobieren.

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