Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen

So wie es früher war

Von Breite Schlappen, tiefer gelegte Karosserie, mattschwarze Sonderlackierung, 150, besser 200 PS – damit schindet man heute vor der Disco Eindruck bei den Mädels. Vor zehn Jahren war das noch anders, jedenfalls in Niederlauken.
Sybille Eichhorn (links) und Claudia Dannewitz berichten mundartlich und gereimt als Brautpaar davon, wie es in einer Ehe auf dem Land zugehen kann.	Fotos: Schneider Bilder > Sybille Eichhorn (links) und Claudia Dannewitz berichten mundartlich und gereimt als Brautpaar davon, wie es in einer Ehe auf dem Land zugehen kann. Fotos: Schneider
Niederlauken. 

Breite Schlappen hatten die Gefährte von Andreas Enders, Mario Etzel und Thomas Uhrig zwar auch, als sie vor gut zehn Jahren vor der Disco festmachten, aber weitaus weniger PS, von Sonderlackierung ganz zu schweigen. Gewirkt hat’s trotzdem, jede Menge Aufsehen war den drei jungen Männern aus „Laake“ gewiss, wer außer ihnen kam schon mit dem Bulldog zum Abtanzen?

Zehnter Geburtstag

Harald Enders erzählte diese Geschichte am Samstag im voll besetzten Foyer des Niederlaukener Dorfgemeinschaftshauses beim Heimat- und Brauchtumsabend ganz bewusst. Es war nämlich damals die Geburtsstunde des Vereins „Schlepperfreunde Hinnertaunus“. Fast jedenfalls, denn erst mussten noch die Väter Spaß daran bekommen, mit dem Traktor nicht nur zur Feldarbeit zu knattern.

Anfangs war das den Jungs gar nicht so recht, dann aber schon. Ruck, zuck stand der Vereinsvorstand.Es war der 25. März 2004 im Juz in Niederlauken.

Harald Enders machte den Vorsitzenden, Günter Kuolt den Stellvertreter, Herbert Bezdiek wurde Schrift- und Mario Etzel Kassenführer, Thomas Uhrig Beisitzer. Zehn Jahre später ist Harald Enders immer noch Chef, Thomas Uhrig inzwischen Stellvertreter, Karin Grade-Lehnert Schriftführerin, Walter Mankel ist Kassierer, während Erhard Zimmer und Josef Sokola Beisitzer sind.

Geändert hat sich in einem „Jahrzehnt Schlepperfreunde Hinnertaunus“ eigentlich nichts. Sie sind lediglich mehr geworden. Die jährlich veranstalteten Treckertreffen finden auch immer mehr Publikum.

Kartoffelanbau

Längst werden auf dem Acker von Kalli Mankel zwischen Ober- und Niederlauken regelmäßig Kartoffeln angebaut, um sie gemeinsam mit den Kindern zu ernten, damit diese lernen, dass Kartoffeln nicht als Pommes auf die Welt kommen.

Nicht nur die Freude am Bulldogfahren stehe in den Vereinsstatuten, sondern auch die Brauchtumspflege und eben das Ziel, Kindern das Thema Land- und Forstwirtschaft näherzubringen und so bei ihnen ein Identitätsgefühl für den ländlichen Raum, in dem sie leben, zu fördern, sagte Enders.

Dass Brauchtumspflege nach wie vor ein Thema sei, zeige der besonders gute Besuch am Jubiläumsabend und der Umstand, dass sich das jährlich am ersten November-Samstag stattfindende Fest nicht nur durch Volksmusik definiert, sondern auch durch deftiges, mit der Scholle verbundenes „Hessen-Essen“.

Kraut und Rippchen, über die „kaan Bajazz hüppe kann“, wie ein offenbar Einheimischer die gewaltige Dimension der Fleischportionen treffend umschrieb und damit auch schon beim Thema war: Mundart. Zu reden, „wie aam de Schnawwel gewachse is“, gehört zur Brauchtumspflege wie die Musik zum Handkäs’ und das „Stöffche“ zum „Gerippte“.

Wie das geht, demonstrierten mit höchstem komödiantischem Geschick als Sketch-Paare Nadine Enders-Ungeheuer und Helga Enders sowie Sybille Eichhorn und Claudia Dannewitz, für deren Schilderung der Szenen einer Ehe und einer Wallfahrt es durchaus an der einen oder anderen Stelle deutscher Untertitel bedurft hätte. Gab es aber nicht. Dafür fanden die wenigen „Engeplackte“ aber verständige und mit Laaker Platt zweisprachig aufgewachsene Nachbarn, die gerne als Dolmetscher fungierten.

Den richtigen Ton fanden auch die „Fidelen Aussteiger“ mit Volksmusik und Schunkelliedern, schließlich konnte es nur wenige Tage vor dem offiziellen Beginn der fünften Jahreszeit nichts schaden, sich beim Nachbarn einzuhaken und ihn in Schräglage zu zerren.

Zur Startseite Mehr aus Usinger Land

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse