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Solidarische Landwirtschaft: So war das erste Jahr im Talhof

Von Das erste Jahr der solidarischen Landwirtschaft, kurz Solawi, auf dem Talhof in Usingen ist vorüber. Landwirt und Initiator Jörg George zieht Bilanz und erzählt, wie die Buschbohnen-Ernte die Gemeinschaft zusammengeschweißt hat.
Jörg George vom Talhof zieht unter das erste Solawi-Jahr eine positive Bilanz. Jörg George vom Talhof zieht unter das erste Solawi-Jahr eine positive Bilanz.
Usingen. 

Die Haupternte ist eingefahren, und eigentlich könnte sich Jörg George nun entspannt zurücklehnen und seinen Kaffee in der frisch renovierten Küche genießen. Zeit für Entspannung? Nicht für den Landwirt. Aber für seine Ziegen. Er nimmt einen Schluck von seinem Milchkaffee – ausnahmsweise ohne Ziegenmilch – „denn die Milch gibt es derzeit nicht“, sagt er. Den Ziegen gönnt er eine Pause, sich selbst nicht.

Feldsalat aus dem Gewächshaus „und auch Tomaten gab es recht lange, bis die Pflanzen alle abgeerntet waren“, sagt er mit Blick auf das erste Solawi-Jahr. Solawi bedeutet solidarische Landwirtschaft und ist für George nach nur einem Jahr in vielen Bereichen eine Erfolgsgeschichte, „aber es gibt auch immer noch Dinge, die verbessert werden müssen“, räumt er ein und schaut auf seinen Kalender.

Schwere Arbeit

Schon in Kürze steht die nächste Informationsveranstaltung zum Konzept der solidarischen Landwirtschaft auf dem Programm. Die Idee, dass sich Menschen zu einer Bietergemeinschaft zusammenschließen und jeder Geld für einen Ernte-Anteil beisteuert, kam gut an. Die Gemeinschaft bestimmte nicht nur, was angebaut wurde, sondern brachte sich auch aktiv bei den Vorbereitungen für die Aussaat, Pflege und Ernte ein. Eigentlich ist es so eine Art gemeinschaftlich betriebener großer Nutzgarten unter Anleitung eines Fachmanns und mit größerer Ausbeute.

„Das gemeinsame Arbeiten hieß für manche Menschen auch, die Erfahrung zu machen, dass der Beruf des Landwirts mit schwerer körperlicher Arbeit verbunden ist.“ So sei die Buschbohnen-Ernte nun einmal nicht gerade das, was die Menschen landläufig als besonders rückenfreundlich einstufen würden: „Das geht wirklich ins Kreuz.“ Doch gemeinsam etwas in dieser Art zu erleben, das schweiße eine Gruppe auch zusammen, und oftmals habe sich gezeigt, dass jeder mit seinen Fähigkeiten zu einer gelungenen Ernte beitragen könne. „Oder zumindest meistens“, relativiert George lächelnd seine Aussage.

Ein Beispiel seien die Karotten. „Das Wetter war für das Wachstum im Frühjahr optimal. Aber leider wird beim Regen nicht unterschieden, ob er für das Gemüse oder das Unkraut ist. Bei den Karotten hat uns das Unkraut schlichtweg übermannt.“ Das wäre möglicherweise auch anders ausgegangen, „wenn ich rechtzeitiger Hilfe angefordert hätte“, räumt George ein. Dafür habe es an anderer Stelle so viel Gemüse gegeben, dass die Vorratskammern nun gut gefüllt sind. Zucchini und Fenchel sind so ein Beispiel für eine mehr als gute Ernte.

Die Gemeinschaft als solche habe gut funktioniert und Kritik gab es bei der jüngsten Besprechung eher an organisatorischen Dingen, schildert George, blickt auf sein Handy und seufzt. Er hatte angekündigt, die Teilnehmer regelmäßig mit Informationen zu versorgen zum Thema Pflanzen der Saison zum Beispiel. Das hat aber nicht immer geklappt.

Neues Jahr, neues Glück

„Ich bin keiner, der mal eben schnell etwas auf Facebook postet, um die Leute zu informieren“, sagt er zur Baustelle Kommunikation. „Und sicherlich muss auch noch ein wenig mehr Aufklärungsarbeit am Anfang des neuen Solawi-Jahres erfolgen.“

In den Bereichen Lagerung und auch dazu, wie die Ernte im Korb landet, gab es viel Erklärungsbedarf, sagt George. Auch beim Thema Gemüse-Formen. Es könne von Projekt nicht die Handelsklasse A wie aus einem Supermarkt erwartet werden, „sondern da sind die Karotten dann krumm und schief, und auch die Erde bleibt am Gemüse. Nicht weil wir zu faul sind sie abzumachen, sondern die Ware bleibt so einfach länger frisch.“

Solche Informationen, auch was bei welchen Temperaturen wächst, müssten stärker kommuniziert werden. „Darin wird sicherlich noch Arbeit stecken.“ Dass es in diesem Jahr mit Solawi auf seinem Hof weiter geht, davon ist George überzeugt.

„Das Hauptgeschäft ist nach wie vor die Pferdepension“, schildert George. Zum Leben reichen die Ergebnisse noch nicht. Gleichwohl sei Solawi für ihn mehr eine Frage der Überzeugung und der Lebensmittelverschwendung, der er damit entgegentreten möchte. Und wie sich nach dem ersten Jahr zeigte, ist er mit dieser Einstellung offenbar nicht alleine.

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